Standpunkt Breiter Weg: Wer wird Stadtminister?

Zwei Magdeburger Beigeordnete werden demnächst in den Ruhestand verabschiedet. Die Stellen für Prof. Dr. Matthias Puhle, der dem Dezernat für Kultur, Schule und Sport vorsteht und Rainer Nitsche, Chef des Dezernats für Wirtschaft, Tourismus und regionale Zusammenarbeit müssen neu besetzt werden. Die 57 Mitglieder des Magdeburger Stadtrates entscheiden in der Sitzung am 14. Mai über je 39 Bewerber für die beiden Stadtministerposten. Auf die Ergebnisse wird mit einiger Spannung geblickt.

Während des Bewerberverfahrens hatte ein anonymer Brief für einige Aufregung gesorgt, weil darin behauptet wurde, dass die Nachfolge für Rainer Nitsche bereits ausgeklüngelt sei und das Bewerbungsverfahren damit reine Makulatur wäre. Es ist wahrlich nicht so leicht unter 39 Leuten, die teils wenig bekannt sind, einen wirklich qualifizierten Menschen zu identifizieren. Unter der Hand werden drei Namen kolportiert, denen die meisten Chancen eingeräumt werden: Sandra Y. Stieger, Dr. Tino Grosche und Dr. Tim Hoppe. Unabhängige Beobachter würden gern den parteilosen Statistikamtsleiter Tim Hoppe in der Nitsche-Nachfolge sehen. Wie man das bei den Stadträten sieht, bleibt die kommende Abstimmungsüberraschung. Bei der Nachfolge für Matthias Puhle könnte es weniger Schwierigkeiten geben. Die SPD-Politikerin Katja von Hagen ist Schulleiterin des Editha-Gymnasiums im Lorenzweg. Sie wird in Sachen Schule von vielen als kompetent angesehen. Der Bildungsbereich ist sicher die komplizierteste Materie des Dezernates. In die Gebiete Sport und Kultur kann man sich einarbeiten.

Beim Beigeordneten für Wirtschaft glaubt man an ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Sandra Y. Steiger und Tino Grosche. Letzterer hat in den vergangenen Wochen für Aufmerksamkeit mit einer Spendenaktion zur Unterstützung von Unternehmen in der Corona-Krise gesorgt, um sich bei den Stadträten in Position zu bringen. Ob er neben seinem Redetalent wirklich der große Wirtschaftsfachmann ist, was er selbst gern beteuert, wird mittlerweile von einigen Magdeburger Unternehmern bezweifelt, bei denen er sich kürzlich vorgestellt hatte. Aber über alles sprechen die Stadträte das letzte Wort.

Nur Simone Borris, die Beigeordnete für Soziales, Jugend und Gesundheit, ist im derzeitigen Rathaus-Ministerrat ohne Parteibuch. Ihr wird für ihre Arbeit Lob und Sachkompetenz zugesprochen. Die Stadträte handelten im Sinne der Bürgerschaft und im Interesse der Stadt, wenn Entscheidungen für Spitzenämter im Rathaus seltener nach Parteibuch oder anderen persönlichen Befindlichkeiten fielen, sondern so wie bei Simone Borris eher nach geprüftem Wissen, Eignung und Erfahrung der Kandidaten.

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