Montag, September 26, 2022
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Standpunkt Breiter Weg: Zwischen oben und unten

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Es wird viel über die Spaltung der Gesellschaft geredet oder über eine zunehmende Polarisierung. Politisch macht man ein Zerren von den linken und rechten Rändern aus. Seit 2015 erleben wir starke Verwerfungen, Migration, Klima- und Energiedebatten, Pandemie-Einschnitte und nun einen Krieg, der mit Preiserhöhungen in die Heizkörper und Steckdosen deutscher Wohnzimmer einzieht.

Die Spaltung der Gesellschaft kann man an politischen Lagern festmachen. Aber es existiert eine andere Drift, die viel mehr Zündstoff enthält als parteipolitische Parolen. Der Abstand zwischen oben und unten wird größer. Und mit oben sind nicht nur die 134 deutschen Milliardäre sowie die rund 1,6 Millionen Millionäre im Land gemeint. Der Schnitt verläuft tiefer, nämlich zwischen Menschen, die existenziell gut situiert sind und solchen, die gerade so über die Runden kommen.

Ein Katalysator dieser Entwicklung ist, dass sich Menschen mit knappen wirtschaftlichen Ressourcen in der öffentlichen Debatte kaum noch repräsentiert sehen. Sogar die Deutungshoheit über ihr Dasein wird von der relativ wohlhabenden Gruppe bestimmt. Nicht das Wort Umverteilung, mit dem ein sozialer Ausgleich realisiert werden soll, passt in der Debatte. Unten in der Gesellschaft erlebt man eher den Begriff einer Zuteilungsgerechtigkeit. Wer mit geringem Einkommen dasteht, erhält in der Regel aus den Hilfspaketen der Regierung ein paar Almosen. Deutungshoheit wird meistens in Sphären ausgeübt, in denen theoretische Sichtweisen überwiegen und kaum reale Erfahrung vorherrscht, wie sich ein Dasein im Bodensatz der Gesellschaft anfühlt. In Parlamentsdebatten und TV-Talkshows lösen sich die Probleme vieler Menschen nicht. Und Gerede darüber, wie man den sogenannten Schwachen helfen wollte, ist noch lange keine Hilfe. „Steuergeschenke“ aus Steuern halten die Preisentwicklung nicht auf, sparen keine Energie und zahlen keine Miete. Das Dozieren von oben, wie man unten verstehen solle, warum die Entwicklung unausweichlich, aushaltbar und alternativlos sei, ist üble Arroganz, die sich über die Köpfe von Millionen Menschen erhebt. Es sieht nicht danach aus, dass sich oben viele Anwälte für Betroffene von unten finden lassen. Man redet weiter über Probleme von Leuten, die man selbst nicht hat. Darin wuchert der gefährliche Geist dieser Zeit. Oben lässt es sich auch in der Krise gut schweben, unten kann man damit allerdings schwer leben.

Thomas Wischnewski

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