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Ich spreche Deutsch: Gedanken und Vergleiche

Ich spreche Deutsch:Gedanken und Vergleiche Dieter Mengwasser – Dipl.-Dolmetscher und -Übersetzer Kompakt Zeitung Im Jahre 2017 war der jetzige Präsident Frankreichs Emanuel Macron für seine neugegründete Bewegung „En Marche“ auf Wahlkampftour. Sie führte ihn auch in das Städtchen Villers-Cotterêts in der Region Aisne, östlich von Paris gelegen. Alexandre Dumas, Autor spannender Romane, darunter „Der Graf von Monte Christo“, ist hier geboren. Beim Rundgang durch den Ort von rund 10.000 Einwohnern kamen Macron und seine Begleiter an einem Schloss vorbei, dessen schlechter Zustand nicht zu übersehen war. Der Innenhof konnte nicht betreten werden, es bestand Einsturzgefahr. Vernachlässigtes materielles und historisches Erbe, das durfte nicht so einfach hingenommen werden. Zumal diese Stätte in früheren Jahrhunderten als Lust- und Jagdschloss königlicher Familien diente.   Am 30. Oktober war Macron wieder in diesem kleinen Städtchen Villers-Cotterêts. Dieses Mal als Präsident nach seiner Wiederwahl in der zweiten Amtsperiode. Und dieses Mal auf dem Innenhof des Schlosses mit einer feierlichen Rede vor auserwähltem Publikum. Er eröffnete hier das mit großem Aufwand restaurierte Schloss als „Internationale Stätte der französischen Sprache“ (Cité internationale de la langue française).   Was hat das alles nun mit unserer Kolumne „Ich spreche Deutsch“ zu tun? Im nachstehenden Text wollen wir einige Auszüge aus der Rede des französischen Staatspräsidenten bringen, und Sie, liebe Leserinnen und Leser, könnten sich fragen, ob bei uns in Deutschland eine so hohe Persönlichkeit des öffentlichen Lebens sich jemals über unsere deutsche Sprache geäußert hat oder sich dazu äußern würde und ob wir – bei allen gegenwärtigen Schwierigkeiten – unserer Muttersprache überhaupt einen solch hohen Stellenwert beimessen.   Betrachten wir doch einige Kernsätze aus der Rede Macrons, die nicht nur für die französische Sprache zutreffen, sondern auch für unsere eigene deutsche Sprache.   Vorerst ist zu erwähnen, dass im Artikel 2 der französischen Verfassung geschrieben steht, dass „die Sprache der Republik das Französische ist“, und im Gesetz Nr. 94-665 vom 4. August 1994 wird ausdrücklich verfügt, dass die Sprache der öffentlichen Dienste das Französische ist. Zum Vergleich mit den Verhältnissen bei uns in Deutschland: Nirgendwo in unserer Verfassung, also dem Grundgesetz, ist festgehalten, dass die deutsche Sprache Nationalsprache ist und dementsprechend im öffentlichen Verkehr anzuwenden ist. Auch nicht bei der Gründung des Kaiserreichs 1871, auch nicht 1919 in der Weimarer Verfassung, und ebenfalls nicht im Grundgesetz der 1949 gegründeten Bundesrepublik Deutschland wird Bezug auf die deutsche Sprache genommen. Wahrscheinlich wurde davon ausgegangen, dass sich die im Verlaufe von rund 1.000 Jahren herausgebildete deutsche Sprache so fest installiert hat, dass sie durch alle Einwohner des Reiches bzw. des Landes verstanden und gesprochen wird und deshalb auch keine besondere Erwähnung in den Verfassungen notwendig war. Die Zahl der Ausländer, die Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache haben könnten, kann sicherlich für die Jahre der Reichsgründung 1871 und der Gründung der beiden Staaten BRD und DDR 1949 vollständig vernachlässigt werden. Macron greift die Gedanken auf, die andere zu einer Sprache vor ihm bereits geäußert haben: „Eine Sprache kann man nicht in ein Museum stecken.“ Ja, eine Sprache ist wie ein lebendes Wesen, sie ist keine abgeschlossene Konserve, sie ist ständig im Wandel. Und sie wird auch in der Politik gebraucht: „Denn die französische Sprache schafft die Einheit der Nation, und die französische Sprache ist eine Sprache von Freiheit und Universalismus.“   Diese Aussage soll auch dazu dienen, das Projekt der Gründung dieser Stätte der Frankophonie in dem besagten Schloss zu rechtfertigen, hat doch die Renovierung der alten Gebäude riesige Geldsummen gekostet. Aber eben gerade an diesem Ort hat der französische König Franz I. (François I.) im Jahre 1539 die Verordnung erlassen, dass das Französische die einheitliche Sprache des Landes, der Justiz und der Verwaltungsorgane ist. Diese Hervorhebung der Sprache sollte auch dazu dienen, den Machtanspruch des Herrschers gegenüber den Fürsten, die ihre Selbstständigkeit in ihren bisherigen Herzogtümern beibehalten wollten, zu bekräftigen. Macron greift dies auf: „Wir sind ein Land, das sich durch die Sprache vereinigt hat.“ Er verweist darauf, dass damals, im Mittelalter, mit dieser Sprache auch das gemeine Volk einbezogen wurde und Justiz und Klerus auf das bisher übliche Latein zu verzichten hatten.   „Die Sprache ist schon immer ein kontroverses Objekt gewesen, und dass es leidenschaftliche Debatten über die französische Sprache gibt, ist ein Zeichen guter Gesundheit.“ Tatsächlich ist aber auch die französische Sprache Angriffen ausgesetzt. Schon 1962 schrieb der damalige Präsident Charles de Gaulle an seinen Verteidigungsminister: „…  Ich habe festgestellt, dass insbesondere auf militärischem Gebiet ein exzessiver Gebrauch der angelsächsischen Terminologie besteht. Ich wäre Ihnen verbunden, wenn Sie Instruktionen geben, dass die ausländischen Begriffe jedes Mal unterlassen werden, wenn eine französische Vokabel eingesetzt werden kann…“   Nun gibt es in Frankreich bereits seit 1634 die Académie française. Angeregt wurde diese Einrichtung durch Kardinal Richelieu, Erster Staatsminister, dessen wesentliches innenpolitische Ziel die Stärkung der königlichen Zentralmacht war. Entgegen dem, was wir in Deutschland unter Akademie verstehen, ist diese Académie française eine Institution, deren alleinige Aufgabe in der Vereinheitlichung und Pflege der französischen Sprache besteht, also den Gebrauch, den Wortschatz und die Grammatik der Sprache zu überwachen. Ihre 40 Mitglieder werden auf Lebenszeit berufen; es sind im Wesentlichen Dichter, Schriftsteller, Philosophen, aber auch Schauspieler, Politiker, Geistliche und Wissenschaftler. Ein gewisses Versagen dieser Einrichtung lässt sich sicherlich nicht leugnen – siehe den Brief von de Gaulle. Und auch im Alltagsleben der Franzosen ist der Vormarsch englischer Ausdrücke unübersehbar. ‚weekend‘ als maskulines Substantiv in der Bedeutung ‚Wochenende‘ ist voll in der Öffentlichkeit und in den Wörterbüchern akzeptiert. ‚C’est cool‘ ist üblich. (Für Freunde der französischen Sprache: Nach ‚C’est cool que‘ folgt der Subjonctif. Beispiel: ‚C’est cool que tu sois là‘ – ‚Schön, dass du da bist.‘). Im Allgemeinen jedoch, so ist unsere Einschätzung, ist der Einfluss des Englischen auf den französischen Wortschatz geringer als der auf unseren deutschen Wortschatz. So wurde zu Zeiten der Corona-Pandemie von ‚confinement‘ gesprochen, während es bei uns den ‚Lockdown‘ gab.   „… Die Sprache muss leben können, sich von anderen inspirieren lassen, Wörter stehlen, auch vom anderen Ende der Welt, … sich erfinden, dabei aber die Grundlagen, die Sockel ihrer Grammatik, die Kraft der Syntax beibehalten und

Magdeburger Gesichter: Das Ehepaar Voigtel

Magdeburger Gesichter: Das Ehepaar Voigtel Gabriele Köster Kompakt Zeitung Charlotte Regine Voigtel – geboren am 12. August 1729 in Calbe (Saale), gestorben am 10. September 1808 in Magdeburg – war eine Tochter des wohlhabenden hugenottischen Schönfärbers, Tuchmachers und Unternehmers Jean Tournier (geboren am 23. Januar 1698 in Dessau, gestorben 1791 in Calbe). In Halle (Saale) aufgewachsen, ließ sich dieser 1723 in Calbe nieder. Er baute am Markt (Nr. 14) eines der prächtigsten Häuser und dahinter 1742 eine neue Färberei. Charlotte Regine Tournier hatte dem Aufkleber auf der Rückseite des Porträts zufolge 1746 in erster Ehe den Leipziger Kaufmann Ursinus geheiratet. Das Datum der Hochzeit mit Traugott Liebegott Voigtel, mit dem Sie eine zweite Ehe einging, ist nicht genannt. Aus dieser Ehe gingen der preußische Beamte Johann Carl Traugott Voigtel und der Arzt Dr. Friedrich Wilhelm Traugott (siehe KOMPAKT Zeitung, Ausgabe Nr. 244) hervor. Traugott Liebegott Voigtel – geboren am 21. September 1721 in Eisleben, gestorben am 6. Januar 1785 in Magdeburg – studierte ab dem 10. Oktober 1740 Jurisprudenz in Halle (Saale) und war danach zunächst als Jurist in Magdeburg tätig. Am 24. Juni 1756 wurde er als Nachfolger des verstorbenen Kriminalrats Lorsch zum Kriminalrat am Kammergericht bestellt. Außerdem war er als Justitiar für das Kloster Unser Lieben Frauen tätig. Als Kollekteur warb er für den Verlag Gebauer in Halle (Saale) Pränumeranten für die aus dem Englischen übersetzte Allgemeine Welthistorie und der Allgemeinen Welthistorie der Neuen Zeiten, die als Großunternehmung des Verlages von 1744 bis 1814 erschienen, sowie für die 1770 publizierten Meditationes in Constitutionem Criminalem Carolinam von Johann Samuel Friedrich von Böhmer (1704–1772) an. Einige Briefe an den Verleger Johann Justinus Gebauer (1710–1772) aus dem Jahr 1770 haben sich im Verlagsarchiv Gebauer-Schwetschke (im Stadtarchiv Halle) erhalten. In ihnen geht es um Pränumeranten, Zahlungen für Lieferungen, schadhafte Bögen und lückenhafte Lieferungen der ungebundenen Bögen, aber auch um die mit der Allgemeinen Welthistorie vergleichbaren Großunternehmung des Leipziger Verlages Arkstee & Merkus, die von Johann Joachim Schwabe herausgegebene Allgemeine Historie der Reisen zu Wasser und Lande […]. Seit 1752 lebte Voigtel mit seiner Familie in unmittelbarer Nähe des Klosters Unser Lieben Frauen in der Großen Klosterstraße. In jenem Jahr hatte er das Haus Nr. 15 für 900 Taler gekauft und ausbauen lassen. Als er 1768 von Regierungsrat Christoph Heinrich Cellarius für 4.100 Taler das Haus Große Klosterstraße 17 erwerben konnte, verkaufte er das alte Haus an seinen Kollegen Christian Ludwig Brauns für 2.660 Taler. Das Haus Klosterstraße 17 erbte nach seinem Tod seine Ehefrau, Charlotte Regine, die es 1801 an ihren älteren Sohn verkaufte. Das Pastellporträt, das mit dem seiner Ehefrau ein Paar bildet, entspricht den höfischen Porträts der Zeit. Es zeigt den Kriminalrat im mittleren Alter als Brustbild mit blauem Samtrock und Perücke. Charlotte Voigtel ist im Brustbild im mittleren Alter mit gepudertem Haar und aufwendigem Spitzenkopfputz abgebildet.          Das Kulturhistorische Museum Magdeburg erinnerte 2021 an Magdeburger Gesichter des 19. Jahrhunderts. Die Porträts der Sonderausstellung sind weiterhin in der Kompakt-Zeitung zu finden. Seite 17, Kompakt Zeitung Nr. 246, 10. Dezember 2023

Alle Jahre wieder: Die Angst der Hunde vor Silvester

Alle Jahre wieder: Die Angst der Hunde vor Silvester … eigentlich ist er lieb Kompakt Zeitung Das Jahr neigt sich dem Ende zu und viele Hunde-besitzer fragen sich: Was machen wir Silvester mit unserem Hund, der vor Knallgeräuschen große Angst hat? Silvester ist – wie immer – zur gleichen Zeit und nun wird es ganz schön knapp, denn man hat es erneut nicht geschafft, etwas gegen die Silvester-Angst des Hundes zu unternehmen. Da bleibt wohl nur der Weg in die Tierarztpraxis, um sich ein Medikament gegen die Angst zu holen. Die Ursache der Angst ist deswegen aber nicht aus der Welt und mir stellt sich die Frage, warum sich ein Hundehalter nicht rechtzeitig entschließt, dem Hund die Angst zu nehmen, anstatt zu Medikamenten zu greifen. Das Problem ist damit nicht weg – Silvester steht auch nächstes Jahr vor der Tür! Es wird zu Bachblüten, Melisse, Johanniskraut, Hopfen geraten – die Stressmilderung soll schließlich homöopathisch erfolgen. Damit will man die Angstzustände regulieren. Es gibt viele verschiedene Medikamente, auf deren Wirkung und Nebenwirkung ich nicht eingehen möchte. Es wurde festgestellt, dass die Wirksamkeit einiger Medikamente zu wünschen übriglässt. Die auslösenden Reize, die zur Angst führen, kann man nicht „abschalten“. Sie werden sogar gesteigert und treten beim nächsten Feuerwerk wieder auf. Sie können die Angst auch nicht mit Gewalt, Maßregelungen, Ablenkung oder trösten und beruhigen wegzaubern. Stattdessen sollten Hundebesitzer über eine Verhaltenstherapie nachdenken. Sie fängt beim Halter vor Ort an und bezieht diesen aktiv in die Arbeit mit ein. Korrektur oder Hilfsmittel sind hier fehl am Platz. Falsch ist es auch darüber nachzudenken, einen zweiten Hund zu integrieren, der eventuell keine Angst vor Knallgeräuschen hat. Denn dieser kann Ihrem Hund die Angst nicht nehmen, da die beiden Hunde in keiner Abhängigkeit zueinanderstehen. Nur Sie sind für Ihren Hund wichtig, da Sie der Futtergeber und der „Rudelführer“ sind. Sie sollten dem Hund auch keine Rückzugsmöglichkeit geben. Das würde seine Angst verstärken, da er sich bestätigt fühlt. Anstatt selbst feiern zu gehen, sollten Sie sich lieber um die Angst Ihres Hundes kümmern und ihm nicht einfach ein Medikament verabreichen. Dabei wäre es einfach, einen jungen Hund an Knallgeräusche zu gewöhnen, bevor er sein erstes Silvester erlebt und die Situation allein meistern soll. Wenn sich das Gehirn des Welpen entwickelt (bis zum vierten Lebensmonat), braucht es die Einflüsse von Sinnesreizen. Der Mangel an Eindrücken kann verschiedene Folgen für Hunde haben. Angstzustände können auch chronisch werden. Diese chronische Störung vor – beispielsweise – Knallgeräuschen ist kein akzeptabler Allgemeinzustand. Es sind im Übrigen nicht nur die Knallgeräusche eines Feuerwerks, sondern das Zischen und vor allem der Geruch, an den sich der Hund bei einer Therapie gewöhnen muss, um seine Angst abzubauen. Ich berate Sie gern zu diesem Thema, damit Ihr Traum von einer entspannten Silvesterparty mit Ihrem Hund nicht zum Albtraum wird. Mit hundefreundlichen Grüßen,Kristeen Albrecht – Problemhundtherapeutin Seite 37, Kompakt Zeitung Nr. 246, 10. Dezember 2023

Gedanken- & Spaziergänge im Park: Schwierigkeiten mit der Realität

Gedanken- & Spaziergänge im Park: Schwierigkeiten mit der Realität Paul F. Gaudi Kompakt Zeitung Die allerletzte Talk-Sendung von Anne Will wurde an einer Stelle vermutlich ungewollt zu einer wahren Sternstunde, als Wirtschaftsminister Habeck wörtlich sagte: „Wir sind umzingelt von Wirklichkeit. Fundamentale Annahmen stimmen nicht mehr, sie passen nicht mehr zu der Wirklichkeit. Dieses Aufwachen, dieses Erschrecken, dass die Wirklichkeit eine andere ist.“ Dazu machte er ein fast verzweifeltes und gequältes Gesicht. Im Internet gut zu sehen. Mit „wir“ kann er ja wohl nur sich und die Regierung gemeint haben. Den Satz muss man sich auf der Zunge vergehen lassen. Die Wirklichkeit umzingelt ihn wie ein Feind! Gleichzeitig sagt er damit aber ungewollt auch, dass sein ideologiegeprägtes Handeln außerhalb der Wirklichkeit ist, ein Phantasieprodukt, reines Wunschdenken. Seine von Klimaangst geprägte Politik verkennt die Realitäten, die die Wirklichkeit ausmachen. Das Denken seiner Partei befindet sich gewissermaßen in einer grünen Pippi-Langstrumpf-Blase unter der Losung: „Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt.“ Da sind die „umzingelnden“ Realitäten natürlich bedrohlich.   Eine Art Offenbarungseid   Eigentlich war dieser Satz eine Art Offenbarungseid. Doch bedroht fühlt er nicht die Wirtschaft, den Wohlstand oder die Bevölkerung, sondern seine Art auf die Welt zu schauen und sie ideologiegeleitet verändern zu wollen. Dabei sind die fast täglichen Hiobsbotschaften über Preissteigerungen, Insolvenzen, Betriebsschließungen (zuletzt Halberstädter Würstchen) oder Betriebsverlegungen in das Ausland, wo günstigere Bedingungen vorhanden sind, doch wahrlich weder zu überhören noch zu übersehen. Dazu kommen weitere Preiserhöhungen für die Bürger, besonders für Energie und Lebensmittel. So wurde z. B. ab Dezember die Lkw-Maut weiter erhöht, was nach Auskunft der Spediteure die Transportkosten um ca. 10 Prozent erhöhen wird. Dieser zehnte Anteil wird natürlich an die Kunden durchgereicht, was bedeutet, dass die Waren des täglichen Bedarfs teurer werden. Nun auch noch das Dilemma, dass der Haushaltsplan aufgrund des Urteils des Bundesverfassungsgerichtes nur noch Makulatur ist. Statt aber umzudenken, wird die zum weiteren Abstieg führende Energiepolitik weiterverfolgt, nach dem Motto: „Immer mehr von demselben“. In der trügerischen Hoffnung, dass sich irgendwann dadurch etwas zum Besseren ändert. Bereits der österreichische Philosoph Paul Watzlawick beschrieb in seinem lesenswerten Buch „Anleitung zum Unglücksein“ eben dieses Verhalten als typisches Rezept zum Scheitern: „Wenn Du immer wieder das tust, was Du immer schon getan hast, dann wirst Du immer wieder das bekommen, was Du immer schon bekommen hast.“ Das Tragische dabei ist aber, dass die schlimmen Folgen des Beharrens auf einem Irrweg nicht zuerst die Verursacher treffen, sondern uns alle. „Dazu fällt mir ein Zitat aus dem Drama König Lear von Shakespeare ein „Es ist zwar über 400 Jahre alt, anscheinend aber zeitlos“, schmunzelte Gerd: „Das ist der Fluch der Zeit, dass Tolle Blinde führen.“ „Ja, es ist eine verrückte Zeit, wo manches aus den Fugen gerät.“ Die bayrische Kabarettistin Monika Gruber drückte es kürzlich in einem Gespräch so aus: „Wir sind an einem Punkt, an dem das Normale für verrückt erklärt wird und alles Verrückte für normal.“   Nun ist es so, dass Politiker nicht umdenken könnten, wenn sie wollen. Zum Beispiel Frau Faeser und das Problem der illegalen Einwanderung. Noch im Sommer lehnte sie stationäre Grenzkontrollen als überflüssig und unnütz ab, obwohl die Ministerpräsidenten Brandenburgs und Sachsens sie forderten. Die Schleierfahndung sei ihrer Meinung nach völlig ausreichend. Plötzlich, nach ihrer Wahlniederlage Anfang Oktober in Hessen, wurde sie anderer Meinung und veranlasste stationäre Grenzkontrollen! Und Anfang Dezember feierte sie den Erfolg gegen die Schleuser und verlängerte diese Maßnahme. Es geht doch, wenn man etwas Einsicht hat.   „Wir spielen den Musterknaben“   Doch zurück zum Sparen bei dieser knappen Haushaltslage. Das gilt natürlich nicht für alle. Als kurz nach der Eröffnung der 28. Weltklimakonferenz in Dubai der Gastgeber verkündete, 100 Millionen Dollar in einen Fond für Klimafolgeschäden armer Länder zu zahlen, erklärte unsere Ministerin für Entwicklungshilfe Schulze sogleich, dass Deutschland ebenfalls 100 Millionen Dollar spendiert. Insgesamt kamen bislang über 600 Millionen zusammen, die USA gaben knapp 18 Millionen. Nun sind die Emirate dank Erdöl ein unheimlich reiches Land im Gegensatz zu Deutschland, das in einer Krise steckt. „Deutschland zahlt fast ein Sechstel des Geldes von den über 100 Nationen“, sagte ich, „wir spielen wieder die Musterknaben.“ „Aber das waren wir doch immer“, lachte Gerd, „darüber hat man schon in der DDR Witze gemacht“ und erzählte einen: Ende der sechziger Jahre war eine Sitzung der Parteichefs des Warschauer Paktes. Breschnew, der das Treffen leitete, hatte starke Blähungen und ließ einen Furz fahren. Darauf stand der polnische Parteichef Gomulka auf und sprach: „Genossen, ich bitte Euch um Entschuldigung dafür.“ Nach kurzer Zeit ließ Breschnew wieder einen fahren, worauf der Ungar Janos Kadar aufsprang und um Entschuldigung bat. Da erhob sich Walter Ulbricht und sagte: „Genossen, die nächsten fünf übernimmt die DDR!“ Nach dieser Geschichte kamen wir aber wieder auf die Klimakonferenz zurück. Ein Jahr zuvor in Sharm el-Sheikh (Ägypten) waren es 20.000 Teilnehmer. Diesmal in Dubai mehr als dreimal so viel, 70.000. Die Erfahrung zeigt allerdings, dass greifbare Ergebnisse einer politischen Konferenz meist umso geringer sind, je mehr daran teilnehmen. In den ersten Tagen in Dubai sprach der somalische Präsident über die schlimmen Folgen der durch die Industrieländer verursachten Klimakrise in seinem Land. Dabei verschwieg er, dass sich Somalia seit über 30 Jahren einen Bürgerkrieg „leistet“, ohne den vermutlich genügend Ressourcen und finanzielle Mittel vorhanden wären, um Notlagen aus eigener Kraft zu bewältigen bzw. ohne den manche Katastrophe gar nicht erst entstanden wäre. Die deutsche Delegation ist mit 254 offiziellen Teilnehmern beträchtlich groß. Nahezu alle Ministerien sind vertreten: 40 Personen vom Kanzleramt, 47 aus dem Wirtschaftsministerium, das Auswärtige Amt mit 60 Offiziellen und noch rund 100 aus acht anderen Ministerien. Nicht mitgezählt sind die Mitarbeiter des Personenschutzes, Visagistinnen und Friseusen und Fotografen. Dazu kommen noch Hunderte Teilnehmer von Nichtregierungsorganisationen. Aber es gibt noch größere Delegationen, z. B. die Brasilianische mit 3.000 Teilnehmern. „Fragt eigentlich keiner nach dem CO2-Fußabdruck, leidet keiner unter Flugscham?“, fragt Gerd. „Viele kommen wohl kaum in ausgebuchten Linienflugzeugen. Es ist sicher schön, mal wieder im Warmen zu sein und in feinen Hotels zu wohnen. In Jugendherbergen wird kaum jemand übernachten.“ Unser

Auf ein Neues

Stadtmensch: Auf ein Neues Lars Johansen Kompakt Zeitung Das alte Jahr neigt sich dem Ende entgegen und wir können uns jetzt auf ein neues freuen. Diese Zeit, die gerne als Zeit zwischen den Jahren bezeichnet wird, ist immer mit einer kleinen Rückschau verbunden. Wir feiern Weihnachten, und bitte lassen Sie sich von niemandem einreden, dass es nicht mehr gefeiert werden darf, sondern uns von wem auch immer genommen werden soll. Auch wenn der bayerische Ministerpräsident sich als Kämpfer für dieses Fest geriert, es ist in keiner Weise bedroht. Schließlich wurden ja schon von den frühen Christen die heidnischen Symbole des Julfestes okkupiert und umgewidmet. Der Weihnachtsbaum hat nichts mit der Bibel zu tun, und auch der Weihnachtsmann mit seinem Rentierschlitten ist alles andere als eine christliche Figur. Denn diese Mischung aus Nikolaus und Coca-Cola-Ästhetik ist ganz und gar so erst dem 20. Jahrhundert entsprungen. Bei den wenigen Christen in Sachsen-Anhalt wäre ohnehin die Sinnhaftigkeit christlicher Feste hierzulande zu hinterfragen. Aber wer will schon die Stimmung verderben. Und diese ist ohnehin so schlecht, dass ein wenig Besinnlichkeit nicht unbedingt schaden muss. Jedenfalls blicken wir auf ein weiteres unruhiges Jahr zurück. Und auch die Zukunftsaussichten mögen vielen nicht rosig erscheinen, denn es sieht nicht so aus, als würden die großen Konflikte in der Welt ausgerechnet an uns vorbei gehen. Israel und die Hamas, Russland und die Ukraine, die Zahl der Kriege ließe sich problemlos weit fortsetzen, ein Ende ist nicht abzusehen. Die Fronten verlaufen auch quer durch unsere Gesellschaft. Und ob es geschickt ist, jedem Menschen, der in Sachsen-Anhalt die deutsche Staatsbürgerschaft erringen will, ein Bekenntnis zur Anerkennung des Existenzrechts von Israel abzuringen, scheint mir mehr als fragwürdig. Für mich ist das zwar eine Selbstverständlichkeit, aber die Einbürgerung davon abhängig zu machen, scheint mir ein zu großer Eingriff in die Persönlichkeitsrechte zu sein. Außerdem müsste man da schon einigen Menschen, die hier geboren wurden, die Staatsbürgerschaft entziehen. Zwang war noch nie ein guter Lehrer. Wir müssen mehr Aufklärungsarbeit leisten. Und da liegt auch unser Hauptproblem, denn daran mangelt es. Auch deshalb, weil es zunehmend an Bildung mangelt. Die neueste PISA-Studie sieht uns nämlich mal wieder ganz weit hinten im Bildungsranking. Seit 2000 gibt es PISA und seitdem sind wir in der Tabelle kontinuierlich abgerutscht. Anders gesagt, die Fußballspiele der Nationalmannschaft verlaufen auf dem gleichen Niveau wie unsere Bildung. Und doch ist die U-17 erstaunlicherweise Fußballweltmeister geworden. Also scheint die Jugend noch nicht ganz verloren zu sein. Bei der Bildung sieht es leider nicht so gut aus. Mittlerweile werden die Studien kaum noch ernst genommen. Man hat sich viel zu sehr daran gewöhnt. Aber wenn seit 23 Jahren nichts verbessert wird, sondern stattdessen eine kontinuierliche Abwärtsspirale eingesetzt hat, dann lässt sich das nur mit einer ungeheuren Dickfelligkeit der Verantwortlichen erklären. Es gibt nicht einmal eine Entschuldigung für das kollektive Versagen. Sogar der Verdacht der Vorsätzlichkeit kocht auf diese Weise hoch. Nahezu ein Vierteljahrhundert ist vergangen, ohne dass irgendjemand die Verantwortung übernommen hätte, um hier etwas zu verbessern. Der sich ständig wiederholende Spott darüber scheint niemanden anzuspornen, etwas zu tun. Das gesamte Bildungssystem in diesem Land kollabiert und Opposition und Regierung drücken die Schuldenbremse, statt endlich einmal Geld in die Hand zu nehmen, die Kompetenzen zu bündeln und den Saustall endlich auszumisten. Überall in der Welt verbessern sich die Kompetenzen, nur hier beharrt man auf einem Unterricht, der irgendwann in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts stehen geblieben ist. Auch die Ausbildung für das Lehramt wirkt wie aus der Zeit gefallen. So wird der Lehrerberuf auch immer weniger attraktiv, so dass es kein Wunder ist, wenn die Zahl der Berufsanfänger viel zu niedrig ist. Es muss eindeutig mehr dafür getan werden, um Personal zu motivieren. Natürlich gibt es ein allgemeines Nachwuchsproblem, denn in den vergangenen Jahrzehnten wurden immer weniger Kinder geboren. Also wachsen zu wenig Fachkräfte nach. Jetzt die Grenzen dicht zu machen und vor Überfremdung zu warnen, ist fahrlässig kontraproduktiv. Natürlich fliehen keine ausgebildeten Fachkräfte zu uns, aber wir könnten sie dazu machen. Doch das bedeutet, man kann es gar nicht oft genug sagen, dass Geld in die Hand genommen werden muss, um die Strukturen diesen Bedarfen anzupassen. Das ist mühselig und gewiss nicht kurzfristig von Erfolg gekrönt, zugleich aber auch unumgänglich, denn die Zeit für Witzeleien ist beendet. Allerorten mangelt es an der Empathie, das Abwälzen der Schuld auf die Kinder und Jugendlichen beißt sich selber in die eigenen Weichteile, wenn man nur darauf schaut, dass schon die Eltern der heute frisch Schulpflichtigen diesen Fehlern ausgesetzt waren. Sie können sich dadurch auch nicht daran erinnern, dass es einmal anders und besser funktioniert hätte, denn über so eine positive Erfahrung verfügen sie einfach nicht. Schon meine Generation hat nur sehr bedingt ein besseres Bildungssystem erlebt. Ich erinnere mich noch gut an die missglückte Reform der reformierten Oberstufe vor 40 Jahren. Seitdem hat es keine Veränderung zum Besseren gegeben. Aber geredet wurde und wird immer wieder darüber. Vielleicht gibt es tatsächlich keinen Willen dazu. So wie wir im Energiebereich eine Wende vorangetrieben haben, müssen wir das auch in der Bildung schaffen. So wie ohne deutschen Atomstrom die Lichter nicht erloschen sind, so kann es auch hier gelingen, neu zu beginnen. Früher war nicht alles besser, aber heute ist vieles, was davon übrig ist, nur noch schlecht. Ein guter Vorsatz für das neue Jahr ist es, hier endlich einmal wirklich anzupacken. Seite 7, Kompakt Zeitung Nr. 246, 10. Dezember 2023

Meter 64: Der Dom der Besucher

Meter 64: Der Dom der Besucher Michael Ronshausen Erzählungen aus der gotischen Kathedrale Der Dom ist im Rahmen besonderer Führungen auch bei Nacht zu erleben. Kompakt Zeitung Nächtliche Veranstaltungen – insbesondere auch Gottesdienste wie beispielsweise die Feiern zur Heiligen Christ- und zur Heiligen Osternacht – haben im Dom keinen Seltenheitswert. In den vergangenen Jahrzehnten richteten sich manche Angebote in den Abendstunden wie etwa die Nacht der Lichter auch an jüngere Kirchenbesucher. Und seit 20 Jahren gibt es im Magdeburger Dom eine vielleicht etwas ungewöhnliche Veranstaltungsreihe, die sich in kürzester Zeit zu einem Besuchermagneten entwickelt hat. Vor allem in den Wintermonaten herrscht im Dom mit Blick auf die Besucherzahlen Saure-Gurken-Zeit. Es gab damals wie heute Wintertage, an denen man die touristisch motivierten Dombesucher mit den Fingern weniger Hände abzählen konnte. Im Herbst 2003 hatte ein damaliger Domführer die Idee, ein neues Projekt zu entwickeln. Schnell wurde dabei der Begriff der „Taschenlampendomführung“ geprägt. 100 Eintrittskarten wurden gedruckt und in einigen Magdeburger Zeitungen erschienen kurze Ankündigungen. Geplant war, im Winterhalbjahr an zwölf Freitagen im Abstand von zwei Wochen diese nächtlichen – jeweils ab 22 Uhr stattfindenden – Domführungen anzubieten, wobei einige Mitarbeitende am Dom der Überzeugung waren, dass kein Mensch zu dieser nächtlichen Show erscheinen würde. Einen anderen Eindruck erweckte hingegen der Vorverkauf der 100 Eintrittskarten, die innerhalb weniger Stunden vergriffen waren. Tatsächlich erschienen zur ersten Veranstaltung mehr als 1.000 Besucher ohne Eintrittskarten, die auf die späteren Termine vertröstet werden mussten. Heute, zwei Jahrzehnte später, finden die winterhalbjährlichen Taschenlampendomführungen noch immer statt, wenn auch mit einer etwas geringeren Resonanz. Die Domführungen – jährlich von mehreren zehntausend Menschen besucht – fanden über einen erheblichen Zeitraum großen Anklang. Trotz seiner Charakteristik, auch eine Art Museum zu sein, war und ist der Dom zuerst eine Kirche. Ein Umstand, der bei einer Domführung zum Tragen kommen sollte, was allerdings in der DDR-Zeit und bei den damals natürlich politisch-sozialistisch eingenordeten staatlichen bzw. städtischen Stadtführern oft nicht der Fall war. Nicht selten wurde dem Dom dabei seine Bedeutung als Gotteshaus abgesprochen, christliche Glaubensinhalte verwies man gerne in den Bereich eines Kasperle-Theaters. Im Ergebnis wurde der Dom kurz nach 1979 durch eine Initiative des damaligen Dompredigers Giselher Quast zur „fremdbesucherfreien” Zone erklärt. Über einige Jahre hinweg gab es nur noch die Möglichkeit, den Dom innerhalb von Führungen zu besichtigen, die von Helfenden und Mitarbeitenden der Domgemeinde organisiert wurden, um den Besuchern das Gotteshaus eben nicht nur als kunstgeschichtliches Museum, sondern in angemessener Form auch als Kirche näher zu bringen. Die Regelung, die Verantwortung für die Domführungen in den Händen der Gemeinde zu belassen, gilt noch heute. Seite 17, Kompakt Zeitung Nr. 246, 10. Dezember 2023

Papier ist eine geduldige Geschmackssache

Papier ist eine geduldige Geschmackssache Ein modernes Märchen von Ralf Thiem: „Das bracht‘ ich fleißig mit Feder und Tinte zu Papier.“ Kompakt Zeitung Seit langer Zeit regiert im Euroland ein König, der nennt sich BYROKRATOS der Neunte, denn ER hat neun Ohren und neun Augen. Alles ist bei IHM neunfach vorhanden: Köpfe, Arme, Hände, Finger, Münder, Beine usw. Folglich ist ER immer hungrig. Besonders gierig ist ER nach dem, was ER ausgesprochen gern isst: Das ist Papier. ER kann gar nicht genug davon haben. Deshalb fordert ER in einer zunehmenden Zahl von Gesetzen, Verordnungen und Rundschreiben seine Untergebenen auf, immer mehr an Papier IHM als Abgaben zu bringen, wodurch diese weniger Steuern zahlen müssten. Sie wären nur dann gute Patrioten, wenn sie freiwillig die Papierabgabe an IHN erhöhen. Auch sollen sie alles zu den Akten nehmen, was sie denn den lieben, langen Tag so tun. Und dies selbstverständlich auch dokumentieren, minutiös aufschreiben, wenn sie für IHN – Tag und Nacht – tätig sind. Denn ER liebt die Ordnung! Deshalb muss alles in neun Kopien erfasst und in Ablagen auf seiner Burg hinter den neun Aktenbergen niedergelegt werden. Überall lässt ER unter dem Namen ARCHIV Papier-Sammelstellen anlegen, um Vorräte für schlechte Zeiten zu besitzen.   Seine BYROKRATEN sind ausgebildete Papierriecher und können es in jeder Ritze, in allen Verstecken erschnüffeln. Mit Ärmelschonern, Stempeln sowie mit Reißwölfen und Papierkörben bewaffnet, schleichen sie durch die Lande, wo sie die Worte ausrufen: JEDES STÜCKCHEN PAPIER, JA DAS SAMMELN WIR! Kontrolliert wird auch durch seine KORINTENKACKER, ob der verbotene Gebrauch von Toilettenpapier von Euch Schmutzfinken und Dreckspatzen eingehalten wird. Wozu braucht ihr Heulsusen Tempo-Taschentücher? Wir werden Euch was niesen. Wisch und weg geht auch mit den Händen. Immer weiter und noch mehr soll aufgeschrieben werden, besonders viel an Zahlen, denn ER betreibt auch ein Statistikbüro mit einem außergewöhnlichen Sinn für jede Art von Zahlen. Zahlen sind einfach fantastisch. Denn alles lässt sich damit beweisen, und widerlegen, wie die Stillstands- oder Bewegungslehre, oder wie viele Fliegen wurden behufs Umdrehens eines Blatt Papiers mit einem Schlag getötet? So weiß man alles über seine gefräßige Papierfütterung, weil amtlich von Pappnasen berechnet. Folglich ist das Ergebnis nicht von Pappe. Selbst Dachpappe und Tapeten waren darin einbezogen. Und wie ER liegen seine Frau und Kinder in Kartonagen, sind zu Paketen verschnürt. Sie werden, wie bei den Bienen, mit Büchern, Zeitungen, Broschüren und Magazinen, von IHM Buchstabensuppe, Leseratte, Honigkuchen, Buntwäsche usw. genannt, aufgepappt.   Heil und Lob den Zahlen, denn sie bereiten weder Kopfschmerz noch Höllenqualen.   Sie vermitteln den Untertanen seine Benimmkultur. Die 1 zeigt ihnen die aufrechte, die 2 die unterwürfig gebeugte Körperhaltung an. Die 3 mit zwei Öffnungen für den Papiereinwurf ist das Symbol für den Moloch Verwaltung und die 4 reimt sich auf Papier. Zählt man weiter bis zur 8, heißt das, es folgt eine lange Nacht, bis man sie zur 9 aufgerundet hat. Man macht sich dabei viele Gedanken! Nimmt man dazu Brüche oder Dezimalzahlen, helfen Ab-, Um-, Aus- oder Wegbuchungen? Braucht man einen oder mehrere Schuldenberater? Was hilft gegen das aufkommende Schuldenbewusstsein? Soll man psychologisch Bremsen oder Durchstarten?   Knusper, knusper, knäuschen, wer knuspert an meinem Potemkin’schen Kartenhäuschen? Das Gericht, das Gericht, wenn es spricht: Papier ist zwar geduldig, beim Haus der Finanzen aber bleibst DU was schuldig.   Schließlich kommen sie doch noch zum Zuge, die lauernden Nullen, die sich überall vordrängen und sich wie Kletten anhängen wollen, um beim Haben und Soll zu tricksen, bis sie sich zu einer einzigen großen Null, dem schwarzen Loch, zusammengerollt haben. Man muss nur das Komma richtig setzen! Ha! Da sind wir so frei und legitim demokratisch, ganz ohne rot zu werden. Rot ist was Soziales, und wenn die Ampel Rot zeigt, dann bleibt man stehen. Hauptsache der Verkehr rollt. Die Grünphase für Fußgänger und Radfahrer gilt es also abzuschaffen! Sie behindert nur uns Bewegliche, wir sind der Jobmotor, wie haben Benzin im Blut. Auch bekannt als Wi(r)ssing-Suppe. Und wer sie nicht mag, für den gibt’s was vom Mann aus dem Busch mit der Keule aus Lind(n)erHolz. Doch wird ER sich später, mit dem Mut zur Lücke, überhaupt noch daran erinnern können? Denn bei IHM ist die Drei-Affen-Kultur heilig.   Wenn man von der 0, diesem ovalrunden Nichts, deren zwei an die Tür hängt, dann kann man hinter dieser gut über große oder kleine Quellen sinnieren, wie: Sollen wir mit unserem Kack-Produkt unsere Wälder düngen, wo das Rohprodukt Papier wächst?   Mittels Rechnungsbüchern füllen wir sein Akten-Meer auf, worin der Herrscher voller Begier badet. Auch bereitet IHM große Freude, huldigt man IHM fristgerecht mit römischen Ziffern im Tabellenformat, denn sie dienen IHM in seiner Algebra und bei der Kunst der Cameralistik, wo es Zahlen nur als Luftbuchungen gibt. Die Spielwiese nennt sich Neudeutsch INTERNET. Oder wie wär’s mit einer Runde MONOPOLY zum Zocken. Das moderne Geld braucht kein Papier mehr, längst inflationär zum Spielgeld abgewertet, so wie der moderne Brief keine Briefmarke benötigt. Das sind ja eh alles nur Peanuts, sagt der Nussknacker. Dafür gibt’s eine Runde Konfetti! Und der Banker ruft dazu auf, Papiergeld zu verbrennen, deren Reste man sich am Aschermittwoch zur Buße aufs Haupt streut. Aber wenn erst einmal die Papiertiger losgelassen wurden, dann, Leute, kommt es bestimmt zum Papierkrieg. Laut klagt das Volk über seine Herrschaft. Hieb man jedoch dem König einen Kopf ab, so wuchsen IHM an dessen Stelle neun neue geschwind. Und fragt man IHN, wie geht es nun weiter, kommt nichts als Toten-Stille, kein Wums, kein Rums-Bums aus der gefräßigen Maschine. Kein Echolaut dringt aus der Abtauchstation.   Das geduldige Papier sagt, bevor es zerrissen und eingeweicht in den Brei-Kochtopf wandert: Lebt wohl, menschlicher Verstand und Gedächtnis. Gern wär‘ ich noch einmal eine Tüte, sie war mein schönstes Leben. Jetzt macht ER daraus sein Fressen und nennt es Makulatur. Und die Zeche gibt’s nicht auf einem Bon, dafür reicht kein Kassenzettel. Die dicke Rechnung kommt später, ohne Wenn und Aber. Ich hör‘ schon euer Palaver.   Heil IHM! Denn mehr als alle anderen Monarchen der Erde hat er viel

„Das unsichtbare Visier“

„Das unsichtbare Visier“ Michael Ronshausen Vor 50 Jahren begann die Ausstrahlung der erfolgreichen DDR-Serie. Kompakt Zeitung Vor 50 Jahren – am 23. Dezember 1973 – begann das Fernsehen der DDR mit Ausstrahlung der TV-Serie „Das unsichtbare Visier“. Kein Geringerer als der später auch im „Westen“ und in Hollywood erfolgreiche Schauspieler Armin Mueller-Stahl mimte Achim Detjen (eigentlich Werner Bredebusch), einen in die BRD eingeschleusten Agenten des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR (MfS), der alte faschistische Strukturen aufdeckt und den neuen Kriegstreibern in der Zeit des beginnenden Kalten Krieges nicht nur das Fürchten, sondern auch das Handwerk lehrt. Die unter erheblicher Beteiligung des MfS produzierte Serie war auch damals – in der DDR – bereits ein Publikumserfolg. Die Herstellung der Aufnahmen erfolgte republikweit, zum Teil auch im sozialistischen Ausland – und sogar in Westberl…, pardon, in Berlin-West. Bei einigen Schlüsselszenen diente Magdeburg als Ersatz für das westdeutsche Frankfurt am Main der frühen 50er-Jahre. Das Vorhaben, einen durchaus lebenslustigen und gleichzeitig erfolgreichen Geheimagenten ins heimische DDR-Fernsehen zu schicken, war nicht nur eine Frage der Unterhaltung, es ging – wie so oft – auch um die Politik. Die Serie, die in der DDR schnell zu einem Straßenfeger wurde, versprach genau das zu zeigen, was man auch im Westkino/-fernsehen – beispielsweise bei James Bond – zu sehen bekam. Eine einigermaßen einleuchtende Geschichte, Spannung und Abenteuer – und vor allem einen Hauptdarsteller, der sich hinter Sean Connery nicht verstecken musste. Diesen hatte man in Armin Mueller-Stahl gefunden, der genau alles das mitbrachte, was einen verdeckt, aber an vorderster Front kämpfenden Geheimdienstler sympathisch machte. Mueller-Stahl spielte seine Rolle nicht nur mit Witz und Charme, sondern auch mit hoher Weltgewandtheit und einer beinah überrumpelnden Eloquenz. Die Geschichte ist einfach, aber auch einleuchtend erzählt. Werner Bredebusch, Flieger der Deutschen Luftwaffe, läuft (bzw. fliegt) während des Krieges gegen die Sowjetunion über und nimmt wenige Jahre nach Kriegsende die Identität des tatsächlich gefallenen Luftwaffenoffiziers Achim Detjen an. Im Auftrag des MfS lässt er sich in das Umfeld der bundesrepublikanischen Revisionisten einschleusen. Zuerst in Südamerika, doch dann in der noch jungen Bundesrepublik, krabbelt er zügig eine neue militärische Karriereleiter empor und bekommt so immer wieder die Gelegenheit, seinen sozialistischen Genossen aus Ost-Berlin die Pläne des imperialistischen Gegners zu übermitteln – und diese zu hintertreiben. Beendet wird sein kämpferisches Engagement schließlich auch durch einen mehr oder weniger dummen Zufall, als sich nach fast 20 Jahren die frühere Jugendliebe des echten, aber längst toten Achim Detjen bei ihm meldet. Er kann die Dame zwar am Ende noch täuschen, flieht aber im Anschluss an ein weiteres etwas unglücklich gelaufenes Spiel und unter Vortäuschung seines eigenen Todes zurück in die DDR. Für Armin Mueller-Stahl endet in diesem Moment und nach acht Folgen auch seine Zeit als geheimdienstlicher Agent für den Frieden. 1976 war er wegen seines Protestes gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns schauspielerisch und persönlich in Ungnade gefallen, seinen künstlerischen Weg setzte er ab 1980 erfolgreich im Westen fort. Fortgeführt wurde die insgesamt 16-teilige Serie schließlich mit anderen Schauspielern, die Rolle Mueller-Stahls übernahm Horst Schulze. Beeindruckend war jedoch bereits von Anfang an die Auswahl der Mimen, unter ihnen befanden sich zahlreiche bekannte Namen wie etwa Alfred Struwe, Jessy Rameik, Wilfried Ortmann, Wolfgang Greese und Walter Niklaus. Und ins Kulissenspiel kam schließlich auch die Stadt Magdeburg. Hier diente unter anderem das „Interhotel International“ als Drehort, inklusive der Lobby mit der Rezeption, des Haupteingangs und der benachbarten Juanitabar. Das Magdeburger Kloster Unser Lieben Frauen fungierte als römische Anlaufstelle für geflohene Nazis, und in den Magdeburger Gewächshäusern trafen sich Mueller-Stahl und eine mitspionierende Kollegin (Rameik) zum Agententreff. Auch nach 50 Jahren sind alle 16 Folgen heute wieder erhältlich, unter der berechtigten Rubrik „Straßenfeger“ wurden sie auf zwei DVDs veröffentlicht. Seite 22, Kompakt Zeitung Nr. 246, 10. Dezember 2023

Stille Nächte

Stille Nächte Tina Beddies-Heinz Kompakt Zeitung Die Mütze hatte ich mir etwas zu tief ins Gesicht gezogen, aber es reichte aus, um mit den Augen unter ihrem Rand hervorzublinzeln und die Umgebung wahrzunehmen. Immerhin war so ein kleiner Teil meines Gesichts – zwischen Wollmütze und Schal – das einzige, das der beißenden Kälte ausgesetzt war.  Mit schweren Schritten schlurfte ich die Schönebecker entlang, während mir mein Atem den Weg wies, und bog schließlich in den Engpass ab, der zu dieser Zeit des Jahres von Lichterketten erleuchtet war. Doch ihr wärmender Schein, der zumindest das Gemüt etwas zu erhellen vermochte, ließ mich diesmal kalt. Da ich es zu Hause nicht mehr ausgehalten hatte, war ich überhastet aus der Wohnung gestürmt, hatte dabei zwar an Kopfbedeckung und Schal gedacht, die Handschuhe jedoch auf dem kleinen Schrank im Flur liegen lassen. Also vergrub ich meine Hände so tief wie möglich in den Taschen meines Wintermantels, der so noch stärker an meinen Schultern zog. Links und rechts waren zahlreiche Fenster der Häuser, die den Engpass säumen, erleuchtet. Hier und da huschte der Schatten einer Person durch das Bild und ich fragte mich, was die Menschen hinter den Fensterscheiben in diesem Moment wohl taten. Ob sie einen Weihnachtsbaum aufgestellt hatten? War dieser schon fertig dekoriert? Oder gab es noch Uneinigkeit darüber, welches Ornament, welche Kugel an welchem Ast zu hängen hatte? Was würde bis morgen noch alles zu erledigen sein? Waren bereits alle Geschenke eingepackt? Und würden diese heimlich unter dem Weihnachtsbaum landen, wenn die Kinder abgelenkt waren – um ihnen dann später zu sagen: „Ihr habt den Weihnachtsmann verpasst …“? Oder hatte sich ein Freund der Familie dazu breitschlagen lassen, am Heiligabend den Dicken mit seinem weißen Bart und roten Anzug zu mimen, den Kleinen das Versprechen abringend, dass sie natürlich immer brav sein würden? Und schließlich die Frage aller Fragen: Was würde es zu essen geben? Kartoffelsalat mit Würstchen am 24. Dezember und Gans mit Klößen und Rotkohl am 25. Dezember? „Weil wir das schon immer so gemacht haben!“ Oder würde jemand aus der Reihe tanzen und etwas Neues probieren? All diese Fragen gingen mir durch den Kopf, während ich den Weg hinab zur Elbe eingeschlagen hatte. Und als ich jenseits des Mückenwirts die Lichter der Stadt hinter mir ließ – weder diesseits noch jenseits des Flusses gab es etwas, das ein Leuchten oder Funkeln erzeugt hätte, ja noch nicht einmal im Himmel war ein Stern zu entdecken – sagte eine innere Stimme: Was kümmert es dich, wie andere Weihnachten verbringen? Was kümmert dich Weihnachten überhaupt? Im Dunkeln setzte ich einen Fuß vor den anderen. Wohin mich meine Beine trugen, war mir unbekannt. Mein Magen zog sich plötzlich zusammen. In einem Moment hatte ich noch über Kartoffelsalat und mögliche Varianten eines Festtagsmenüs nachgedacht, im nächsten Moment war mir zum Kotzen zumute. Weihnachten … das Fest der Liebe! Ich versuchte den Würgereiz zu unterdrücken. Wie sollte ich dieses Kammerspiel nur ohne dich überstehen? Dieses Mal und all die anderen Male? Du hattest dich vor wenigen Wochen verabschiedet. Kampflos warst du gegangen. Mit Ankündigung zwar. Doch das hatte mich nicht auf das Danach vorbereiten können. Und während alle anderen zu Hause versuchten, die Fassade aufrecht zu erhalten und mir das schönstmögliche Weihnachtsfest zu bereiten, saß ich regungslos auf einer Bank im Dunkeln an der Elbe. Ich starrte geradeaus, dorthin, wo sich der Fluss in mäßiger Geschwindigkeit stromabwärts bewegte. Das Wasser vor mir konnte ich nur erahnen. Den Wind an meiner Wange hingegen spürte ich sehr deutlich. Die Kälte hatte meinen Körper übernommen und weder Mütze noch Schal konnten dagegen etwas ausrichten. Selbst die Handschuhe – hätte ich sie nicht zu Hause vergessen – würden ihren Zweck nicht erfüllen. In der Hoffnung, die eisige Luft könnte die grausigen Gedanken aus meinem Kopf vertreiben, atmete ich lange und tief ein. Dabei keimte die Frage in mir auf, wie sich wohl Virginia Woolf an jenem Tag im März 1941 gefühlt hatte, als sie die Entscheidung traf, die Taschen ihres Mantels mit Steinen vollzupacken und in den Fluss in der Nähe ihres Landhauses bei Lewes im englischen Sussex zu waten.Ich seufzte und wartete, dass sich der Schmerz einen Weg nach draußen brechen würde. Doch nichts geschah. Gedankenversunken und ahnungslos, wie lange ich auf dieser Bank gesessen hatte, kam ich erst wieder zu mir, als ein Tropfen meine Wange hinabrollte. Mit dem Zeigefinger wischte ich ihn ab und berührte mit der Fingerkuppe meine Lippen. Kein Salz. Keine Träne. Mutlos sah ich mich um und brauchte eine Weile, um zu erkennen, woher der Tropfen gekommen war: Schneeflocken tanzten durch die Dunkelheit und wurden nur durch den Wind in einen anderen Rhythmus gezwungen. Vorsichtig lächelnd lehnte ich mich auf der Bank zurück, legte den Kopf in den Nacken und schloss meine Augen … Seite 34, Kompakt Zeitung Nr. 246, 10. Dezember 2023

Standpunkt Breiter Weg: Der Verfall von Wirklichkeit

Standpunkt Breiter Weg: Der Verfall von Wirklichkeit Thomas Wischnewski Kompakt Zeitung Die Tage am Ende eines Jahres sollen besinnlich sein. Man trifft sich in der Familie, verbringt gemeinsame Zeit und beschenkt sich mit Aufmerksamkeit. Hoffentlich finden viele solche Momente. Kürzlich fragte ich eine 15-jährige Schülerin, wieviel Zeit sie mit Freunden verbringen würde. Die Antwort lautete: “manchmal träfe man sich einmal pro Woche, manchmal mehrere Monate nicht.” Mich hat das Bekenntnis erschüttert. Und eine weitere gleichaltrige Jugendliche bestätigte für sich eine ähnlich karge Treff-Frequenz. Die Klagen über eine zunehmende Ellenbogen-Mentalität, über mehr Egoismus und Individualismus existieren seit vielen Jahren. Sie werden vorwurfsvoll und vehement geäußert. Wollen wir nicht bemerken, dass wir diese Gesellschaft, das Verhalten miteinander und die Verantwortung füreinander alle selbst verändern. Kürzlich sagte ein Warenhauschef, dass zentrale Lagen für das Einkaufen in Innenstädten nicht mehr wichtig wären. Alle verändern mit ihrem Online-Verhalten in der Virtualität die Wirklichkeit. Es nutzt nichts, wenn engagierte Menschen aus Stadtpolitik, Einzelhandel, Kammern und Verwaltung die Köpfe zusammenstecken und darüber nachdenken, wie man Stadtzentren attraktiver macht. Die Mehrheit mit ihrem Verhalten verändert die Welt. Wohin entwickeln sich junge Menschen, die gar mit ihresgleichen nur noch selten zusammenkommen. Freundschaft, Verantwortung füreinander, soziales Engagement, Erfahrungen miteinander machen – all das erfordert Lebenswirklichkeit. Genauso wenig, wie ein Video über eine verheißungsvoll leckere Speisenzubereitung niemanden satt macht, sind auch Schriftzeichen oder Sprachschnipsel wenig hilfreich, um eine gemeinsame Erlebniswelt zu erzeugen. Wer meint, im politischen Raum würde da Lösung für eine verantwortungsvollere Gesellschaft erzeugt werden können, macht sich klar, dass Politik selbst nur eine Kommunikationssphäre ist. Nicht das Internet verändert uns, wir alle in Summe sind die Kraft der Veränderung. Je mehr jemand einen Missstand auf irgendwelchen Plattformen anprangert, umso weniger geschieht dagegen. Wahrscheinlich fördert das Online-Schimpfen ein Wenig genau das, was beklagt wird. Die Ampel-Regierung in Berlin steht unter starkem Beschuss. Energiepolitik, Finanzpolitik, Migrationspolitik, Außenpolitik, sinkende Wirtschaftskraft, steigende Arbeitslosigkeit etc.  – die Liste lässt sich beliebig fortschreiben. Überall hört man Menschen schimpfen, meckern, klagen. Was passiert? Nichts! Was wir selbst nicht tun – und zwar in Summe vieler – wird zu keinen Verbesserungen, sondern zur Verschlimmbesserung führen. Wir haben uns an die Fenster zur Welt – wenn wir damit Bildschirmchen der Handys, Computer und Fernseher meinen – fesseln lassen, reden in diese Apparate hinein und glauben, mehr als die Lippen oder Augen bewegen zu können. Wer daran glaubt, ist einem Irrglauben aufgesessen. Es ist wie zu Weihnachten: nur wenn man gemeinsam das Fest verbringt, entsteht die Zeit, die gemeinhin gewünscht ist. Alles andere macht einsam und belegt nur den Verfall an Wirklichkeit. Seite 2, Kompakt Zeitung Nr. 246, 10. Dezember 2023

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