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Denken an Schmeling

Von unten nach ganz weit oben – SES-Boxschwergewichtler Agit Kabayel erkämpft sich Recht auf einen WM-Kampf.

„Nicht hier und nicht mit diesen Gedanken“

Der 21-jährige Aschersleber Julian Vogel holte mit dem Junioren-Weltmeister-Gürtel einen weiteren Titel für SES. Der Magdeburger Boxstall greift in nächster Zeit nach weiteren internationalen
Titeln. Reizvolle Aufgaben für Kabayel, Deines und Eifert.

Der unaufhaltsame Aufstieg des Agit Kabayel

Der unaufhaltsame Aufstieg des Agit Kabayel Rudi Bartlitz Der Schwergewichtler vom Magdeburger SES-Box-Team kommt seinem Traum vom WM-Gürtel immer näher. Jetzt ist er für einen Ausscheidungskampf nominiert worden. EBU-Europameisterschaft im Schwergewicht zwischen Agit KABAYEL (SES Boxing) und Aaron SMAKICI (Kroatien) am 4. März 2023 in Bochum. Foto: Norbert Schmidt Kompakt Zeitung Wie lange hatte sich das deutsche Boxen doch wieder nach einem Weltstar im Schwergewicht gesehnt. Einer vom Schlage eines Axel Schulz, dem letzten in dieser Kategorie. Ein Vierteljahrhundert ist das nunmehr her. Aber jetzt ist ein neuer Stern aufgegangen. Endlich. Agit Kabayel vom Magdeburger SES-Team hat die Chance, in absehbarer Zeit um eine der begehrtesten Gürtel anzutreten, die der internationale Faustkampf zu vergeben hat, den des Weltverbandes WBC im Schwergewicht. Derzeit trennt den Deutschen mit kurdischen Wurzeln nur noch ein einziger Schritt davon: nämlich ein sogenannter „Eliminator“, ein Ausscheidungskampf für ein WM-Duell. Der Verband World Boxing Council (WBC), einer der „Großen Vier“ des Profiboxens, ordnete dieses Gefecht Ende Januar an. Kabayel muss sich dabei mit dem in den USA lebenden Kubaner Frank Sanchez messen. Sollte der SES-Fighter siegen, wird er offiziell zum WM-Herausforderer erklärt. Er könnte dann, voraussichtlich 2025, um die Weltmeisterschaft boxen.Die aktuelle Situation an der Spitze zu beschreiben, ist, wie vieles bei den Preisboxern, ein wenig kompliziert. Aktueller Weltmeister bei der WBC ist Tyson Fury. Der Engländer sollte eigentlich am 17. Februar in Riad im Duell der zwei amtierenden Weltmeister gegen den Ukrainer Oleksandr Usyk antreten. Da sollte sich herausstellen, wer zurzeit auf dem Box-Olymp ganz oben thront. Fury hält, wie gesagt, den Gürtel der WBC, Usyk die Titel der Verbände WBA, WBO und IBF. Wegen einer Verletzung Furys wurde das Gefecht der beiden dominierenden Athleten des aktuellen Profiboxens nun auf den 18. Mai verlegt. Egal, wie es zwischen ihnen ausgeht, ein Rückkampf ist vertraglich bereits vereinbart. Der, der danach den WBC-Titel innehat, könnte, einfach gesagt, dann 2025 der Gegner für Kabayel sein. Derzeit laufen hinter den Kulissen erst einmal intensive Kontakte, wann und wo Kabayels Qualifikations-Fight stattfindet. „Bei einem WM-Ausscheidungskampf ist es gar nicht so einfach, eine Lösung zu finden“, sagte SES-Pressesprecher Christof Haverkamp auf Kompakt-Anfrage. Es müsse sondiert werden, welche Orte oder gegebenenfalls andere Veranstaltungen sich möglicherweise anbieten würden. Zumal ein sogenanntes „Purse Bid“, also eine Art Versteigerung, nicht in Frage kommen dürfte. Die in Medien genannten Monate Mai und Juni oder der Frühherbst nannte Haverkamp „noch reine Spekulationen“, fügte dann jedoch hinzu: „Es kann aber auch alles sehr schnell gehen.“ Kabayel jedenfalls ist gerüstet. Nach seinem sensationellen Auftritt einen Tag vor Heiligabend – als er auf der bis dahin spektakulärsten Veranstaltung in der Geschichte des Profiboxen im saudi-arabischen Riad die bis dahin unbesiegte russische K.o.-Maschine Arslanbek Makhmudov bezwang und sich endgültig in die absolute Weltspitze katapultierte – hat er nur eine kurze Ruhepause eingelegt. „Er ist bereits wieder im vollen Training“, bestätigt Haverkamp. Zudem hat er sich durch seinen glorreichen Sieg über Makhmudov in der unabhängigen Computer-Weltrangliste des renommierten Portals Boxrec schon auf Nr. 6 im Schwergewicht nach oben katapultiert. Ein deutsches Boulevardblatt zitiert Kabayel so: „Das ist eine tolle Auszeichnung und eine große Chance für mich. So nah war ich meinem großen Traum, Weltmeister zu werden, noch nie.“ Der 31-Jährige, der in Bochum lebt, bekam die Information, dass der Ausscheidungskampf gegen Sanchez angeordnet wird, von WBC-Präsident Mauricio Sulaimán (54/Mexiko) höchstpersönlich per Whatsapp-Nachricht. Die Mega-Chance hatte sich angedeutet. Bereits zwei Wochen zuvor hatten Kabayel und Manager Benedikt Poelchau ein Video-Telefonat mit Sulaimán. Für SES bedeutet der phänomenale Aufstieg Kabayels ein „weiterer Gewinn an internationaler Strahlkraft“, hebt Haverkamp hervor. Bereits im Halbschwergewicht ließ im vergangenen Jahr ein Magdeburger international aufhorchen. Michael Eifert besiegte im März im kanadischen Quebec in einem WM-Ausscheidungskampf des Verbandes IBF den Kanadier Jean Pascal (ehemaliger WBC- und WBA-Weltmeister). Durch seinen sensationellen Erfolg ist der SES-Boxer zum Pflichtherausforderer des in Kanada lebenden Russen, Weltmeister Artur Beterbiev, aufgestiegen. Aber er muss warten. Beterbiev absolviert erst noch im Juni, natürlich in Saudi-Arabien, das lange herbeigesehnte Super-Duell gegen seinen Landsmann, WBA-Champion Dmitry Bivol. Zurück zu Kabayel. In der WBC-Rangliste steht er aktuell auf Platz vier, Sanchez ist die Nummer zwei. Ein Blick in die Statistik offenbart einige verblüffende Ähnlichkeiten. Beide sind gleichaltrig und ungeschlagen, der Deutsche gewann alle seine 24 Gefechte (davon 16 durch K.o.). Sanchez, der aus Guantanamo stammt und den Kampfnamen „the cuban flash“ (der kubanische Blitz) trägt, kletterte einmal mehr in den Ring und verließ ihn 17mal vorzeitig. In der Körpergröße trennen beide nur zwei Zentimeter (Kabayel 1,91 m/Sanchez 1,93 m). Agit, der Junge aus dem Ruhrpott, hat lange auf seine Chance warten müssen. Schon vor zwei Jahren war der Ex-Europameister immer wieder im Gespräch für einen Big Fight, einmal sollte der Gegner Tyson Fury heißen, ein anderes Mal Anthony Joshua. Er war immer im Training und hat auf seine Chance gewartet – und als er sie in Riad bekam, hat er der Boxwelt gezeigt, dass mit ihm zu rechnen ist. All das ist auch ein großes Verdienst seines Trainers Sükrü Aksu, diesem harten Hund. Schon vor zwei Jahren hatte er gesagt, Agit verfüge über das Potenzial, mit den ganz Großen mitzuhalten. Diese Kämpfe wolle man. Jetzt kommt sein Schützling dem WM-Traum wieder ein Stückchen näher. Und Börsen im siebenstelligen Bereich natürlich ebenso. Seite 28, Kompakt Zeitung Nr. 250, 21. Februar 2024

Raus aus dem Ghetto

Raus aus dem Ghetto Rudi Bartlitz SES-Schwergewichtler Agit Kabayel gehört zum erlesenen Kreis jener Boxer, die sich am Vorweihnachtstag bei einer Millionen-Gala in Saudi-Arabien präsentieren können. Da hat es bums gemacht: Auch US-Altstar Kevin Johnson hatte gegen Agit Kabayel (r.) das Nachsehen. Foto: Peter Gercke Kompakt Zeitung Wohl nur die wenigsten hätten in dem jungen Mann, der da im Februar 2017 im Holzfäller-Shirt gutgelaunt durch die Lobby des Magdeburger Maritim-Hotels schlenderte, einen künftigen Box-Europameister der Profis vermutet. Agit Kabayel präsentierte sich schon damals so, wie er auch heute daherkommt: bodenständig, bescheiden. Keiner, der zu öffentlichen Terminen mit goldenem Basecap oder glitzernder Panzerkette um den Hals erscheint. Keiner, der die kessen Sprüche nur so rausspuckt. Knapp sieben Jahre später sitzt derselbe Kabayel in der Londoner Wembley-Arena. Die Scheinwerfer sind auf ihn und ein gutes Dutzend weiterer Hochkaräter des internationalen Box-Business gerichtet. Auf einem terrassenförmig aufgebauten Präsidium thronen sie da wie CEO von Aktienunternehmen, nur in den Schultern eben ein bisschen breiter geraten. Der Deutsche mit kurdischen Wurzeln, inzwischen in den Farben des Magdeburger SES-Teams tatsächlich zu Europas Bestem im Schwergewicht aufgestiegen, gehört zum erlesenen Kreis jener Fighter, der sich anschickt, Geschichte bei den Preisboxern zu schreiben. Am 23. Dezember sollen sie im saudi-arabischen Riad bei einer millionenschweren Gala auftreten. Eine Gala, die es so noch nicht gegeben hat. Ein Event, bei der jeder einzelne, sagen Experten, bei jeder anderen Veranstaltung ein Hauptkämpfer wäre. Fans wie Fachleute finden dieser Tage immer neue Superlative für den so betitelten „Day of Reckoning“ (Tag der Abrechnung), der am christlichen Vorweihnachtstag im muslimischen Saudi-Arabien in der Kingdom Arena von Riad über die Bühne gehen soll. „Tag der Abrechnung“ – als müsse das Ganze nur hoch genug gepriesen werden, um von etwaigen Einwänden gegen das wirtschaftlich so potente, politisch jedoch höchst zweifelhafte Land der Gastgeber abzulenken. Auch im Magdeburger Boxstall SES Boxing, dem Kabayel seit fast acht Jahren angehört, wollte man nicht nur von einem „Riesenabend“, sondern gar von der „spektakulärsten Fightcard der Boxgeschichte“ sprechen, wie es in einer Pressemitteilung heißt. Kabayels Gegner wird der in Montreal lebende 34-jährige Russe Arslanbek „Lion“ Makhmudov sein. Mit einer Bilanz von 18 Siegen in 18 Kämpfen, davon 17 durch K.o., kann er einen beeindruckenden Kampfrekord nachweisen. Der Nummer drei der WBC-Weltrangliste geht der Ruf voraus, ein regelrechter „Killer“ zu sein. Mit einer Größe von 1,97 Meter besitzt er zudem leichte körperliche Vorteile. Kabayel-Coach Sükrü Aksu ficht das nicht an: „Wir haben auch für einen harten Puncher wie Makhmudov eine Lösung – dies werden wir zeigen und siegen!“ Sein Schützling wird es in Riad auf jeden Fall mit einer alten Faustregel seines Gewerbes halten wollen: In einem Boxkampf Zweiter zu werden ist nicht gerade das Erstrebenswerteste. Initiator des „Abrechnungstags“ ist der Chef der saudischen Sportbehörde, Turki Al-Shikh. Ein Mann, dem enge Verbindungen zum Königshaus nachgesagt werden und der auch Besitzer des spanischen Fußball-Erstligavereins UD Almería ist. Er möchte sein Land zum neuen Epizentrum des Boxgeschäfts machen: Was bisher in Las Vegas geschah, soll jetzt und in Zukunft am Rande einer anderen Wüste steigen. Darum hat er schon Ende 2019 die WM-Revanche zwischen Anthony Joshua (England) und Andy Ruiz (USA) nach Diridyah, einer Vorstadt von Riad, geholt. Rund 100 Millionen Dollar soll Kronprinz Mohammed bin Salman, der starke Mann in Saudi-Arabien, das Spektakel wert gewesen sein. Darum hat dort der exzentrische britische WBC-Champion Tyson Fury kürzlich einen entbehrlichen WM-Kampf mit dem früheren Mixed-Martial-Arts-Champion Francis Ngannou ausgetragen. Und darum nun ein weiteres „Signature Event“ – knapp zwei Monate vor dem ultimativen WM-Duell zwischen Fury und Dreifachweltmeister Oleksandr Usyk aus der Ukraine. Natürlich gleichfalls in Riad. „Sehr großer Gegner, sehr gute Organisation“, lobte in Wembley der bisher ungeschlagene Kabayel (23 Siege, davon 15 vorzeitig). Darauf folgten genau sieben Wörter zur persönlichen Stimmungslage: „Ich bin happy, und ich bin bereit.“ Abschließend reihten sich die Profis und Promoter zu einem Gruppenbild auf. Das dürfte der 31 Jahre alte Gast aus Deutschland von nun an wie kostbaren Schmuck in seinem Besitz bewahren. Schließlich ist er darauf so festgehalten, wie er sich das über etliche, mühsame Jahre hinweg immer gewünscht hat: als allseits respektiertes Mitglied der globalen Faustkämpfer-Elite. Denn Boxen, das ist die Welt des Agit Kabayel. Obwohl er erst relativ spät zu dem Zweikampfsport kam. Da war er schon fast 17. „Davor habe ich Fußball gespielt. Aber irgendwann bin ich da nicht mehr weiter vorangekommen. Da habe ich es mit Kickboxen versucht. Aber ich wollte lieber richtig boxen, das lag mir und hat auch mehr Spaß gemacht.“ Und da steckte wohl noch etwas anderes dahinter, was ihn den Weg ausgerechnet zum Boxen einschlagen ließ. „Ich bin im Ghetto im Ruhrpott auf der Straße groß geworden. Da musst du kämpfen, dich gegen allen möglichen Dreck durchsetzen. Irgendwie standest du immer mit einem Bein auf dem Weg in die falsche Richtung. Aber ich wollte raus aus dem Ghetto. Über das Profiboxen habe ich es geschafft, darauf bin ich stolz.“ Seite 47, Kompakt Zeitung Nr. 246, 10. Dezember 2023

Ein neuer SES-Krieger?

Ein neuer SES-Krieger? Rudi Bartlitz Mit Artur Reis könnte ein weiterer Stern am hiesigen Boxhimmel aufsteigen. Anfang Oktober greift er bei seiner Premiere für das Magdeburger Team gleich nach einem Weltmeister-Gürtel. Kompakt Zeitung Als Artur Reis Ende 2022 von einem Box-Portal nach seinen Wünschen für das kommende Jahr gefragt wurde, antwortete er selbstbewusst: „Einen Titelkampf.“ Nun kann im Boxen, wo mit dem Wort Titelkampf ziemlich großzügig umgegangen wird, darunter vieles verstanden werden. Einen Fight um einen anerkannten Weltmeister-Gürtel hatte der Mann aus Wolfsburg dabei garantiert nicht im Sinn. Zumindest nicht ernsthaft. Und einen vertraglich gebundenen Promoter, der das alles im Hintergrund regelt, wusste er zudem eben so wenig an seiner Seite. Aber genauso, zum WM-Fight nämlich, kommt es jetzt.   Anfang Oktober trifft der 30-Jährige in Magdeburg auf den Kubaner Osleys Iglesias. Da geht es um die Krone im Supermittelgewicht des Weltverbandes IBO. Der Mann aus der Karibik ist der Titelverteidiger. Bei der IBO handelt es sich um eine Box-Organisation, die gleich hinter den „Großen Vier“ des Faustkampfes (WBA, WBC, WBO, IBF) angesiedelt ist. IBO-Gürtel hielten immerhin schon solche Ring-Heroen wie Willie Ball, Rick Thornberry, Karl Willis, Eddie White und Mads Larsen. Um Kleingeld geht es da also nicht.   Es kommt noch schöner: Dieser 7. Oktober im Maritim-Hotel der Landeshauptstadt hält für Reis gleich eine doppelte Premiere bereit. Neben dem ersten WM-Kampf im Boxring gibt er auch sein Debüt für die Farben des Magdeburger SES-Teams. Erst vor kurzem unterzeichnete er einen Vertrag bei den Magdeburgern. Dessen Chef Ulf Steinforth sagt: „Artur boxt jetzt unter der SES-Flagge, weil er in seinen letzten Kämpfen aufgezeigt hat, welch Potenzial in ihm steckt.“   An ein Potenzial, das ihn beim neuen Arbeitgeber auf Anhieb für einen WM-Kampf qualifizierte, war freilich zunächst nicht zu denken. Es stimmt zwar, dass der Junge, der mit sechs Monaten mit seinen Eltern aus dem sibirischen Nowosibirsk nach Deutschland übersiedelte, schon früh ein Faible für Kampfsportarten entwickelte. Wie übrigens andere klangvolle Namen aus dem SES-Stall auch, die in den Nachfolge-Staaten der UdSSR geboren wurden und später nach Deutschland kamen: Robert Stieglitz, Adam Deines, Roman Fress. Beim neuen Jung-Star Michael Eifert, der sich in diesem Jahr das Recht aus einen WM-Kampf im Halbschwergewicht erboxte, stammen die Eltern aus Russland.   „In Wolfsburg beim AKBC gab es Kickboxen und Boxen parallel“, erzählt Reis. „Mein Trainer hat mich damals gefragt: Kannste kicken. Da habe ich gesagt: Denke schon.“ Die erste Kickboxmeisterschaft stand gleich nach einer Woche an. „Im Kickboxen ging es für mich sofort steil aufwärts. Bei den Profis wurde ich dreimal Weltmeister. Bei den Amateuren war ich Vizeweltmeister. Das lief für mich lange parallel. Damals bin ich beispielsweise nur einen Tag nach der Kickbox-Weltmeisterschaft bei den deutschen Meisterschaften der Elite im Boxen angetreten.“ Eigentlich wollte der Mann, der 98 Gefechte bei den Amateuren zu Buche stehen hat, schon immer Profiboxer werden. „Aber die Verhandlungen mit einem Promoter zogen sich zu lange hin. Dann habe ich sogar einmal fünf MMA-Kämpfe (Mixed Martial Arts, eine Vollkontakt-Sportart, d. Red.) gemacht.“   Seit nunmehr fünf Jahren verdient er sein Geld als Profi zwischen den Seilen. Elf Gefechte hat er, den das Fachportal „boxrec“ als Nummer zwei in Deutschland im Supermittelgewicht ausweist, bisher bestritten. In keinem verließ er den Ring als Verlierer. 72 Prozent der Duelle beendete er sogar vorzeitig. Und trotzdem: Der WM-Kampf in Magdeburg muss ihm vorkommen wie ein Neustart – in eine andere Welt. Hießen die Wettkampforte bisher beispielsweise Eisstadion Braunlage, Boxmühle Gifhorn oder Berufsschule Schönebeck, ist es diesmal das Maritim Hotel Magdeburg, für SES-Chef Steinforth vom Ambiente her so etwas wie das „deutsche Las Vegas“.   Mit dem in Berlin lebenden Kubaner Olseys Iglesias erwartet ihn dort allerdings auch ein Gegner von anderer, neuer Qualität. Der 25-Jährige ist noch ungeschlagen. Er wird vom einstigen Uli-Wegner-Co Georg Bramowski trainiert und hatte sich den WM-Titel, den er jetzt erstmals verteidigt, im Dezember 2022 im polnischen Gliwice gegen den Ukrainer Andrii Velikovskyi geholt. Dennoch ist Reis von sich überzeugt: „Ich will beweisen, dass ich zur Weltspitze gehöre. Meinen ersten Aufritt unter SES-Flagge will ich natürlich gleich mit einem Sieg und dem WM-Gürtel krönen!“   Da auch Iglesias nicht als Kuschelbär daherkommt (K.o.-Quote: 87,5 Prozent), dürfte es kaum ein Duell jener Art werden, das nach dem Motto verläuft, das einst Trainer-Legende Wegner in einem Gefecht für seinen Schützling Sven Ottke vorgegeben hatte: „Tu doch nur so, als ob du schlägst!“ Auf die Frage, wie er denn seinen Schützling in den verbleibenden Wochen vorbereiten werde, um die zwölf Runden gut zu überstehen, entgegnete SES-Trainer Dirk Dzemski, der Reis seit längerem betreut, lapidar: „Artur ist ein Krieger und kann Gegner boxerisch brechen. Der Kampf wird nicht über 12 Runden gehen.“   SES-Kompakt Der Magdeburger SES-Boxstall wurde am 16. März 2000 ins Leben gerufen. Es war seinerzeit der erste Profi-Boxstall in Deutschland. Die erste eigene Gala fand einen Monat nach der Gründung in Dessau statt. Inzwischen hat das von Promoter Ulf Steinforth geleitete mittelständische Unternehmen (mit einem Jahresumsatz im unteren einstelligen Euro-Millionenbereich) 165 Veranstaltungen in Deutschland, Tschechien, Slowenien, Russland, Albanien und den USA organisiert; oder war als Co-Partner engagiert. Dem SES-Team gehören derzeit gut ein Dutzend Boxer an. Weltmeister wie Robert Stieglitz, Lukas Konecny, Jan Zaveck, Natascha Ragosina und Dominic Bösel trugen den Ruf der Magdeburger in die Welt. Europameistertitel konnten sich Agit Kabayel, Dominic Bösel, Robin Krasniqi, Stefan Härtel und Nina Meinke sichern. Seite 37, Kompakt Zeitung Nr. 240

Jugend schlägt sich …

Weltmeistergürtel der Junioren sind im Profi-Boxen inzwischen ein durchaus wertvolles Gut. In der Liste der Titelträger rangiert der Magdeburger SES-Stall mit ganz oben.

Die Macht der Fäuste

Definierte sich Magdeburgs Spitzensport, einmal abgesehen von den glorreichen „Siebzigern“ der FCM-Fußballer, bis zur Jahrtausendwende zuallererst über herausragende Erfolge in Disziplinen, die alle irgendwie mit den in sich verschwungenen olympischen Ringen zu tun haben, sollte sich dies fortan ein wenig ändern.

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