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Verspätete kleine Nachlese

Galina Petrowna Schnejder freut sich. Sie sitzt vor dem Fernseher. Inzwischen lebt sie schon vier Jahre in Deutschland, nachdem sie aus Kasachstan als Spätaussiedlerin gekommen ist. Was da auf dem Bildschirm vor sich geht, das gefällt ihr …

Wort, Worte, Wörter

Die berühmten drei Worte: Ich liebe dich … Es ist Andy Borg, der dieses Lied singt. Und er singt nicht „… die berühmten drei Wörter …“, sondern eben „die berühmten drei Worte …“. Da muss es doch einen Unterschied geben zwischen ‚Worte‘ und ‚Wörter‘, oder nicht?

Ich spreche Deutsch: Nur zur Hilfe – oder doch mehr?

Regelmäßig wird in unserer Kompakt-Zeitung, aber auch in anderen Zeitschriften, etwas über Persönlichkeiten aus der Vergangenheit der Stadt Magdeburg geschrieben. Die Biografien geben uns Aufschluss über die Mitwirkung dieser Personen an den Ereignissen und Situationen der damaligen Zeiten, hauptsächlich der vergangenen Jahrhunderte.

Banca rotta

Banca rotta – das ist doch nicht deutsch, höre ich Sie sagen. Richtig, das ist nicht deutsch, sondern es soll italienisch sein. ‚banca‘ ist ein Substantiv und heißt auf Deutsch ‚Bank‘. ‚rotta‘ ist die feminine Form des Partizips Präteritum, ‚rompere‘ ist der Infinitiv …

Vorsicht vor falschen Freunden!

Die folgende kleine Geschichte kennen Sie sicherlich noch aus dem Englischunterricht: Ein deutscher Tourist besucht eine englische Stadt und schaut sich die dortigen Sehenswürdigkeiten an. Zum Mittagessen geht er in ein Restaurant und bestellt ein Beefsteak.

Mit Akzent oder akzentfrei?

Ich spreche Deutsch:Mit Akzent oder akzentfrei? Dieter Mengwasser – Dipl.-Dolmetscher und -Übersetzer Kompakt Zeitung Sicherlich haben Sie auch schon einmal die ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY… Ungelöst“ gesehen. Es geht um tatsächliche Kriminalfälle, bei denen die Polizei um die Mithilfe von Fernsehzuschauern bittet. Überlebende Opfer werden bei den Ermittlungen gefragt, wie die Täter aufgetreten sind, was sie gesagt haben, in welcher Sprache sie gesprochen haben. Und ob bei den Äußerungen, die durch die Täter meist in Form von Befehlen und Anordnungen gegeben werden, ein Akzent, insbesondere ein fremdländischer oder ausländischer Akzent, wahrzunehmen war. Akzent. Zum ersten Mal hörte ich dieses Wort in der 5. Klasse unserer Schule, als wir mit dem zu DDR-Zeiten obligatorischen Russischunterricht begannen. Akzent war das Betonungszeichen, das in den Russisch-Schulbüchern auf den betonten Vokal gesetzt wird. In der russischen Sprache spielt dieser Akzent eine ganz wichtige Rolle, denn mit Hilfe der Betonung lassen sich in der mündlichen Rede Wörter leichter voneinander unterscheiden. Im schriftlichen Gebrauch wird auf das Setzen von Betonungszeichen voll verzichtet, denn es wird davon ausgegangen, dass der Leser der Sprache mächtig ist und solche Hilfen überflüssig sind. Für uns als Ausländer jedoch sind sie in der Regel eine sehr gute Unterstützung, zumal die Betonung innerhalb derselben russischen Wörter je nach grammatischem Fall wechseln kann: gorod (= die Stadt, das erste ‚o‘ ist betont), im Plural: goroda (= die Städte, der Laut ‚a‘ am Ende ist betont). ‚Akzent‘ in der Bedeutung ‚Betonung‘ ist aber auch im Deutschen üblich: ‚Der Grünenpolitiker legte in seinen Ausführungen besonderen Akzent auf die Nachhaltigkeit der Maßnahme.‘ Der Akzent als Zeichen der Betonung in Wörtern oder bei Reden hat aber nichts zu tun mit dem Akzent, den wir häufig in der Aussprache von Ausländern bemerken können. Wenn sie sich auf Deutsch äußern, dann sind es Besonderheiten in der Artikulation von Lauten, die auf unser Ohr treffen. Betrachten wir uns doch einmal selbst, wie wir aufgewachsen sind. Die Eltern Deutsche, alle um uns herum Deutsche; der Umgang in Kindergarten, Schule, Radio, Fernsehen – alles in deutscher Sprache. Wir als Kinder ahmen in unserer Aussprache denen nach, die uns umgeben. Unsere Sprechwerkzeuge sind ausgerichtet, ja getrimmt und dann eingeschliffen auf die Laute, die wir ständig von unserer Umgebung empfangen. Und wir bemühen uns, genauso zu sprechen, nicht davon abzuweichen. Dies führt zu einem Automatismus, und wir können selbst gar nicht mehr empfinden, wie wir sprechen, wie wir unsere deutschen Laute bilden. Zu den Sprechwerkzeugen zählen, von außen nach innen gesehen, die Nase mit ihren Hohlräumen (bei Schnupfen sprechen Sie anders!), die Lippen, die Zähne, die Zunge, die Hohlräume im Inneren des Mundes, der Rachen, die Stimmbänder und -ritzen, die Lunge. (Eine Logopädin kann hier bessere Auskünfte geben.) Alle diese beim Sprechen beteiligten Körperteile sind, wie schon gesagt, darauf trainiert, Laute in der jahrelang eingeübten Weise hervorzubringen. Nun kommt der Fremdsprachenunterricht in der Schule! Hier sollen wir angehalten werden, Laute einer bisher für uns fremden Sprache zu bilden. Vielleicht erinnern Sie sich noch an die ersten Englisch-Stunden, als Sie den englischen Laut bilden sollten, der in der Schriftsprache mit ‚th‘ dargestellt wird. Einen solchen Laut gibt es im Deutschen nicht. Auf jeden Fall haben Sie sich zumindest in der Anfangsphase bemüht, ganz bewusst diesen Laut ‚th‘ zu artikulieren. Es kann natürlich sein, dass Sie auch jetzt noch beim schnellen Englisch-Sprechen unbewusst auf den deutschen Laut ‚s‘ (stimmhaft oder stimmlos) ausweichen. Oder denken wir an den in der DDR obligatorischen Russischunterricht ab der 5. Klasse. In der russischen Sprache gibt es den Laut ‚ы‘ (in Wörtern wie ‚мы‘, ‚вы‘ usw.), der im Deutschen gar nicht existiert. Ferner gibt es das sogenannte Weichheitszeichen ‚ь‘, das den vorausgehenden Konsonanten in der Aussprache „erweicht“, so dass wir einen leichten Anflug eines ‚j‘ hören können. Auch die Vokale ‚и‘ und ‚е’ nach einem Konsonant erfüllen die Funktion einer Erweichung. Ein Russe wird also den Namen ‚Putin’ einen ganz kleinen Deut anders aussprechen als wir Deutsche. Auch wenn Sie ein kleines Kind hören, das auf Russisch nach seiner ‚Mama‘ ruft, dann klingt dies doch etwas anders als bei deutschen Kindern. Älteren Spätaussiedlern aus Russland wird es schwerer fallen, das deutsche Lautsystem akzentfrei beherrschen zu können; zu lange waren ihre Sprechwerkzeuge auf die russische Lautung eingespielt.   So ergeht es natürlich auch den Ausländern, die als Migranten in unser Land kommen. Sie sind mit dem Lautsystem ihrer für uns fremden Sprache aufgewachsen, ihre Sprechwerkzeuge sind auf diese ihre Laute ausgelegt. Auch nach längerer Eingewöhnungszeit und trotz des deutschsprachigen Umfelds ist es auch bei allen subjektiven Bemühungen schwierig für sie, den für uns auffälligen fremdländischen Akzent zu überwinden. Dabei gilt: Je jünger ein Mensch beim Eintauchen in eine fremdsprachige Atmosphäre ist, umso leichter fällt es ihm, sich die Fähigkeiten zur Artikulation der anfangs neuen Laute anzueignen. Ein typisches Beispiel ist hier die Sängerin Helene Fischer. Sie wurde 1984 in Krasnojarsk geboren und kam im Alter von vier Jahren nach Deutschland. Es ist anzunehmen, dass sie dort, im fernen Sibirien, mit der deutschen Sprache nicht in Berührung kam, und ihre Eltern (Vater Sportlehrer, Mutter Ingenieurin) werden wohl kaum in der Lage gewesen sein, ihr ein solch hohes Maß an Aussprachevermögen anzuerziehen, wie sie es jetzt in ihrer Eigenschaft als Unterhaltungskünstlerin mit der deutschen Sprache bietet. Bei ihr gibt es nicht die Spur eines fremdländischen Akzents. Ähnliches trifft für viele andere Menschen in unserer Multi-Kulti-Gesellschaft zu. Ist es nicht erstaunlich, wenn Sie im Fernsehen Personen sehen, die von ihrer Hautfarbe, ihrer Haarfarbe oder der Schreibweise ihres Namens her zu Ausländern zu rechnen wären, die jedoch vorzüglich und ohne jeglichen fremden Akzent die deutsche Sprache beherrschen. Kein Wunder, wenn sie durchgehend in einer deutschsprachigen Atmosphäre aufgewachsen sind. Bleiben wir in Deutschland und bleiben wir bei den Deutschen. Zu Beginn meines Studiums kam ich nach Leipzig, hinein in eine „sächsischsprachige“ Atmosphäre. Die meisten Mitstudenten waren aus Sachsen und sprachen mit einem Akzent, den ich als sächsisch bezeichnen möchte. Dies drückte sich z. B. darin aus, dass es keine deutliche Unterscheidung bei den Lauten gab, die wir mit den Buchstaben ‚d’ und ‚t‘ beschreiben. Bei der Nennung meines

Ich spreche Deutsch: Gedanken und Vergleiche

Ich spreche Deutsch:Gedanken und Vergleiche Dieter Mengwasser – Dipl.-Dolmetscher und -Übersetzer Kompakt Zeitung Im Jahre 2017 war der jetzige Präsident Frankreichs Emanuel Macron für seine neugegründete Bewegung „En Marche“ auf Wahlkampftour. Sie führte ihn auch in das Städtchen Villers-Cotterêts in der Region Aisne, östlich von Paris gelegen. Alexandre Dumas, Autor spannender Romane, darunter „Der Graf von Monte Christo“, ist hier geboren. Beim Rundgang durch den Ort von rund 10.000 Einwohnern kamen Macron und seine Begleiter an einem Schloss vorbei, dessen schlechter Zustand nicht zu übersehen war. Der Innenhof konnte nicht betreten werden, es bestand Einsturzgefahr. Vernachlässigtes materielles und historisches Erbe, das durfte nicht so einfach hingenommen werden. Zumal diese Stätte in früheren Jahrhunderten als Lust- und Jagdschloss königlicher Familien diente.   Am 30. Oktober war Macron wieder in diesem kleinen Städtchen Villers-Cotterêts. Dieses Mal als Präsident nach seiner Wiederwahl in der zweiten Amtsperiode. Und dieses Mal auf dem Innenhof des Schlosses mit einer feierlichen Rede vor auserwähltem Publikum. Er eröffnete hier das mit großem Aufwand restaurierte Schloss als „Internationale Stätte der französischen Sprache“ (Cité internationale de la langue française).   Was hat das alles nun mit unserer Kolumne „Ich spreche Deutsch“ zu tun? Im nachstehenden Text wollen wir einige Auszüge aus der Rede des französischen Staatspräsidenten bringen, und Sie, liebe Leserinnen und Leser, könnten sich fragen, ob bei uns in Deutschland eine so hohe Persönlichkeit des öffentlichen Lebens sich jemals über unsere deutsche Sprache geäußert hat oder sich dazu äußern würde und ob wir – bei allen gegenwärtigen Schwierigkeiten – unserer Muttersprache überhaupt einen solch hohen Stellenwert beimessen.   Betrachten wir doch einige Kernsätze aus der Rede Macrons, die nicht nur für die französische Sprache zutreffen, sondern auch für unsere eigene deutsche Sprache.   Vorerst ist zu erwähnen, dass im Artikel 2 der französischen Verfassung geschrieben steht, dass „die Sprache der Republik das Französische ist“, und im Gesetz Nr. 94-665 vom 4. August 1994 wird ausdrücklich verfügt, dass die Sprache der öffentlichen Dienste das Französische ist. Zum Vergleich mit den Verhältnissen bei uns in Deutschland: Nirgendwo in unserer Verfassung, also dem Grundgesetz, ist festgehalten, dass die deutsche Sprache Nationalsprache ist und dementsprechend im öffentlichen Verkehr anzuwenden ist. Auch nicht bei der Gründung des Kaiserreichs 1871, auch nicht 1919 in der Weimarer Verfassung, und ebenfalls nicht im Grundgesetz der 1949 gegründeten Bundesrepublik Deutschland wird Bezug auf die deutsche Sprache genommen. Wahrscheinlich wurde davon ausgegangen, dass sich die im Verlaufe von rund 1.000 Jahren herausgebildete deutsche Sprache so fest installiert hat, dass sie durch alle Einwohner des Reiches bzw. des Landes verstanden und gesprochen wird und deshalb auch keine besondere Erwähnung in den Verfassungen notwendig war. Die Zahl der Ausländer, die Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache haben könnten, kann sicherlich für die Jahre der Reichsgründung 1871 und der Gründung der beiden Staaten BRD und DDR 1949 vollständig vernachlässigt werden. Macron greift die Gedanken auf, die andere zu einer Sprache vor ihm bereits geäußert haben: „Eine Sprache kann man nicht in ein Museum stecken.“ Ja, eine Sprache ist wie ein lebendes Wesen, sie ist keine abgeschlossene Konserve, sie ist ständig im Wandel. Und sie wird auch in der Politik gebraucht: „Denn die französische Sprache schafft die Einheit der Nation, und die französische Sprache ist eine Sprache von Freiheit und Universalismus.“   Diese Aussage soll auch dazu dienen, das Projekt der Gründung dieser Stätte der Frankophonie in dem besagten Schloss zu rechtfertigen, hat doch die Renovierung der alten Gebäude riesige Geldsummen gekostet. Aber eben gerade an diesem Ort hat der französische König Franz I. (François I.) im Jahre 1539 die Verordnung erlassen, dass das Französische die einheitliche Sprache des Landes, der Justiz und der Verwaltungsorgane ist. Diese Hervorhebung der Sprache sollte auch dazu dienen, den Machtanspruch des Herrschers gegenüber den Fürsten, die ihre Selbstständigkeit in ihren bisherigen Herzogtümern beibehalten wollten, zu bekräftigen. Macron greift dies auf: „Wir sind ein Land, das sich durch die Sprache vereinigt hat.“ Er verweist darauf, dass damals, im Mittelalter, mit dieser Sprache auch das gemeine Volk einbezogen wurde und Justiz und Klerus auf das bisher übliche Latein zu verzichten hatten.   „Die Sprache ist schon immer ein kontroverses Objekt gewesen, und dass es leidenschaftliche Debatten über die französische Sprache gibt, ist ein Zeichen guter Gesundheit.“ Tatsächlich ist aber auch die französische Sprache Angriffen ausgesetzt. Schon 1962 schrieb der damalige Präsident Charles de Gaulle an seinen Verteidigungsminister: „…  Ich habe festgestellt, dass insbesondere auf militärischem Gebiet ein exzessiver Gebrauch der angelsächsischen Terminologie besteht. Ich wäre Ihnen verbunden, wenn Sie Instruktionen geben, dass die ausländischen Begriffe jedes Mal unterlassen werden, wenn eine französische Vokabel eingesetzt werden kann…“   Nun gibt es in Frankreich bereits seit 1634 die Académie française. Angeregt wurde diese Einrichtung durch Kardinal Richelieu, Erster Staatsminister, dessen wesentliches innenpolitische Ziel die Stärkung der königlichen Zentralmacht war. Entgegen dem, was wir in Deutschland unter Akademie verstehen, ist diese Académie française eine Institution, deren alleinige Aufgabe in der Vereinheitlichung und Pflege der französischen Sprache besteht, also den Gebrauch, den Wortschatz und die Grammatik der Sprache zu überwachen. Ihre 40 Mitglieder werden auf Lebenszeit berufen; es sind im Wesentlichen Dichter, Schriftsteller, Philosophen, aber auch Schauspieler, Politiker, Geistliche und Wissenschaftler. Ein gewisses Versagen dieser Einrichtung lässt sich sicherlich nicht leugnen – siehe den Brief von de Gaulle. Und auch im Alltagsleben der Franzosen ist der Vormarsch englischer Ausdrücke unübersehbar. ‚weekend‘ als maskulines Substantiv in der Bedeutung ‚Wochenende‘ ist voll in der Öffentlichkeit und in den Wörterbüchern akzeptiert. ‚C’est cool‘ ist üblich. (Für Freunde der französischen Sprache: Nach ‚C’est cool que‘ folgt der Subjonctif. Beispiel: ‚C’est cool que tu sois là‘ – ‚Schön, dass du da bist.‘). Im Allgemeinen jedoch, so ist unsere Einschätzung, ist der Einfluss des Englischen auf den französischen Wortschatz geringer als der auf unseren deutschen Wortschatz. So wurde zu Zeiten der Corona-Pandemie von ‚confinement‘ gesprochen, während es bei uns den ‚Lockdown‘ gab.   „… Die Sprache muss leben können, sich von anderen inspirieren lassen, Wörter stehlen, auch vom anderen Ende der Welt, … sich erfinden, dabei aber die Grundlagen, die Sockel ihrer Grammatik, die Kraft der Syntax beibehalten und

Ich spreche Deutsch: In Deutsch schlecht, in Englisch gut

Ich spreche Deutsch: In Deutsch schlecht, in Englisch gut Dieter Mengwasser – Dipl.-Dolmetscher und -Übersetzer Kompakt Zeitung Mitte Oktober 2023 gab es die folgende Meldung im Rundfunk, in den gedruckten Medien und auch sogar im Fernsehen der öffentlich-rechtlichen Anstalten: „Die Deutsch-Leistungen von Neuntklässlern haben sich einer Studie zufolge seit 2015 deutlich verschlechtert. Etwa jeder Dritte scheiterte im vergangenen Jahr bei deutschlandweiten Tests an Mindeststandards für den mittleren Schulabschluss im Bereich Lese- und Hörverständnis – mehr als jeder Fünfte verfehlte diese im Bereich Rechtschreibung. Das geht aus dem IQB-Bildungstrend hervor, der zum Abschluss der Kultusministerkonferenz (KMK) vorgelegt wurde.“ IQB ist die Abkürzung für Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen, das als sogenanntes An-Institut zur Humboldt-Universität Berlin gehört. Es wird durch die Bundesländer finanziert. Im vorigen Jahr, also für 2021, hatte das Institut in seinem Bericht zu den gegenwärtigen Tendenzen im Bildungswesen festgestellt, dass die Schülerinnen und Schüler der 4. Klasse immer schlechter lesen und rechnen können. Bezüglich der Neuntklässler liefert die Studie dennoch einen Lichtblick: Im Gegensatz zu den Deutsch-Ergebnissen sind die Fähigkeiten im Fach Englisch „äußerst erfreulich“, heißt es im Bericht. Neuntklässler seien im Jahr 2022 deutlich besser in der Lage, schriftliche Texte und gesprochene Sprache in Englisch zu verstehen als 13 Jahre zuvor. Die Studienautoren gehen davon aus, dass vor allem die stärkere Nutzung von digitalen Medien und Inhalten auf Englisch während der Corona-Pandemie zu dem Ergebnis beigetragen haben könnte. Mit Blick auf Plattformen wie TikTok, YouTube und Streamingdienste sprechen die Autoren von „außerschulischen Lerngelegenheiten“. Eine mögliche Ursache für das schlechte Abschneiden in Deutsch könnten gemäß den Autoren der Studie die Corona-Schutzmaßnahmen sein, die in großem Stil Schulen betrafen. Es sei davon auszugehen, „dass der Fern- und Wechselunterricht, der bundesweit über längere Zeiträume umgesetzt wurde, die ungünstigen Entwicklungen im Fach Deutsch in nicht unerheblichem Maße mit verursacht hat“. Eine weitere mögliche Ursache für die Ergebnisse im IQB-Bildungstrend könnte laut den Forschern der gestiegene Anteil der Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund sein. Dies ist verständlich, wenn wir uns unsere deutsche Sprache ansehen. Sie ist kompliziert, und jemand von uns Deutschen, der behauptet, ganz perfekt Deutsch zu sprechen und auch die Rechtschreibung völlig zu beherrschen, einen solchen Menschen könnte man mit vollem Recht als Prahlhans und Lügner bezeichnen. Gelobt werden in der genannten Studie die Englisch-Kenntnisse der Lernenden. Eigentlich erfreulich. Ob es hier einen Einfluss aufgrund des immer weiter um sich greifenden Trends zur Einfügung englischsprachiger Wörter in unsere deutsche Sprache gibt? Auf jeden Fall werden die meisten Veranstaltungen für Jüngere, aber auch für Erwachsene, fast nur in Englisch oder Denglisch angekündigt. Auch offizielle Stellen beteiligen sich daran. Es wäre jedoch verfehlt zu sagen, dass nun ein solches Niveau der Sprachbeherrschung im Englischen herrsche, dass Deutsch aus unserem Alltagsleben verdrängt werden könnte. Um eine solche Kompetenz zu erreichen, bedarf es viel, viel mehr als nur guter Lernergebnisse in der Schule. Die möglichen Ursachen für das schlechte Abschneiden im Fach Deutsch werden in der Studie nicht besonders ausführlich behandelt. Wir erlauben uns hier, noch eine weitere mögliche Ursache anzuführen, und zwar mit konkreten Beispielen: „Drachen-Herbst-Fest. Der Erlebnisbauernhof erwartet euch mit Hüpfburg, Spielplatz und der Freiwilligen Feuerwehr, Tiere Füttern, Kinderschminken und Ponyreiten sowie natürlich einem Stand zum Drachen bemalen und einer Wiese zum Drachen steigen lassen. Der Baggerlebnispark Magdeburg ist auch vor Ort.“ „Schneewittchen. Muss man wirklich alles glauben, was ein Zauberspiegel sagt? Wer sind die sieben Zwerge – knuffige Kerlchen oder anarchisch-selbstbestimmte Outlaws?“ „Neben endlosen Möglichkeiten zum Spielen, Toben und Spaß haben im Innen- und Außenbereich, wartet ein prächtiger Geburtstagstisch mit eigenem Thron im Restaurant. Wir sind ein Ort zum Treffen, Essen und Ausruhen, umgeben von Kreativwerkstätten, Spider-Tower, einzigartigen Adventurespielplätzen (In- und Outdoor) und spannenden Überraschungen.“ (Puppentheater) „Ein Theater für Kinder über das immer wieder aufgeschobene Projekt Entenessen, über Impulskontrolle und, last but not least, über die Liebe.“   Sie sehen, liebe Leserinnen und Leser, dass Denglisch hier nicht ausgespart wird. Alle hier angeführten Zitate sind vollständig, von unserer Seite ohne Hinzufügungen oder Weglassungen von Wörtern oder Satzzeichen und ohne Korrektur von Druckfehlern und Kommas. Die Zitate sind einem Magazin entnommen, das sich an Kinder und deren Mütter und Väter richtet. Dürfen wir hier die Frage stellen, ob solche Ankündigungen und Texte wie oben kindgerecht sind? Und wie weit sind sie förderlich für das Verstehen und Schreiben der deutschen Sprache? In jeder Sprache, sei es in Französisch, Russisch, Englisch usw., werden Muster, Modelle, Stereotype verwendet. Das heißt, bei fast allem, was wir sprachlich von uns geben, benutzen wir solche Wörter und Wendungen, die schon mal jemand vor uns gesagt oder geschrieben hat. Und das bezieht sich natürlich auch auf die Zitate, die etwas weiter oben angeführt sind. Die Kinder, falls sie schon lesen können, und natürlich die jungen Mütter und Väter greifen bewusst oder unbewusst auch auf das zurück, was sie in dem erwähnten Magazin gelesen haben. Insbesondere bei Kindern verfestigen sich Wörter und Wendungen dieser Art, vor allem, wenn ihnen anderes nicht geboten wird. Insgesamt, so unsere Einschätzung, herrschen ein Klima und eine Atmosphäre in Deutschland, die der deutschen Sprache nicht gut bekommen. Wo werden noch deutsche Volkslieder gesungen? Gibt es Radiosender, bei denen Sie Musiktitel, also auch Schlager, in deutscher Sprache hören können? Über den Deutsch-Unterricht in den Schulen können wir uns kein Urteil erlauben, aber gibt es Verbindungen zwischen den Fächern Deutsch und Fremdsprache? Man könnte sich vorstellen, dass auch im Fremdsprachenunterricht Bezüge zwischen den gerade behandelten Themen, z. B. beim Gerundium im Englischen (im Deutschen häufig mit ‚um zu‘ oder Nebensatz übersetzt), zur deutschen Sprache hergestellt werden. (Solche Möglichkeiten wurden leider auch zu DDR-Zeiten im obligatorischen Russischunterricht wenig genutzt. Vokabeln einpauken, sogenannte Nacherzählungen – auswendig gelernte Texte –, so sah wohl der Alltag aus. Akademiker jedoch, die in ihren Schulzeiten Lateinunterricht mit vielem Übersetzen ins Deutsche hatten, beherrschen im Allgemeinen sehr gut die deutsche Sprache.)  Deutschland hat viele Probleme, und manchmal wird das Land als „kranker Mann“ Europas bezeichnet. Unsere Sprache, eine alltägliche Erscheinung und ständig in Benutzung, ist sie auch „krank“? Was meinen Sie, liebe Leserinnen und Leser?   Buch-Tipp: Die Beiträge von Dieter Mengwasser sind als

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