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Sport und jede Menge Geld

Sport und jede Menge Geld Rudi Bartlitz Zunehmende Begeisterung für American Football in Deutschland – und was sich dahinter noch so alles verbirgt. Kompakt Zeitung Begeisterungswellen und einen wahren Hype lösten Anfang November hierzulande die beiden Gastauftritte der US-amerikanischen National Football     League (NFL) aus. Sport-Puritaner, die auf urdeutsche Sportarten wie Faustball oder Tauziehen schwören, schüttelten den Kopf ob derart überbordender Begeisterung. Nachdem sich der Pulverdampf ein wenig gelegt hat, lohnt ein Blick auf das Gewerbe und die Zahlen dahinter allemal. Sagen sie doch viel aus über das tatsächliche Verhältnis von Sport und Geld in Deutschland – und über die weiter zunehmende Hinwendung zu Disziplinen, die auf der anderen Seite des Großen Teiches riesige Popularität genießen. Als im Juni erstmals der Verkauf für die beiden Novemberpartien der NFL in Frankfurt/Main freigeschaltet wurde, balgten sich 1,5 Millionen Bewerber um die Tickets. Binnen 15 Minuten waren alle Karten weg. Laut NFL-Deutschland-Boss Alexander Steinforth gingen auch schon zum Munich Game im vergangenen Jahr – dem ersten Regular-Season-Spiel auf deutschem Boden – rund drei Millionen Ticketanfragen ein. Der allergrößte Teil der Kartenjäger musste entsprechend leer ausgehen. Woher rührt diese gewaltige Nachfrage für einen Sport, der in Deutschland nur von einer kleinen Schar Enthusiasten betrieben wird? Der Branchendienst Statista Daily Data legte dafür dieser Tage aufschlussreiche Zahlen vor, die vor allem die monumentale wirtschaftliche Macht der NFL illustrieren. Sie ist die umsatzstärkste Sportliga weltweit. Mit insgesamt 272 Begegnungen (plus Playoffs) pro Saison trägt sie vergleichsweise wenige Spiele aus. In der Basketball-Liga NBA sind es über vier Mal so viele (1.230). Dennoch erwirtschaftete die NFL im vergangenen Jahr mit 18,6 Milliarden US-Dollar annähernd doppelt so hohe Umsätze wie die NBA (etwa 10 Milliarden US-Dollar). Sie übertrifft sogar die gebündelten Umsätze der fünf größten europäischen Fußball-Ligen um etwa 1,4 Milliarden US-Dollar. Wie alle US-Ligen, schreibt Statista, sei die NFL eine wahrhafte Marketing-Maschine: „Mit dem kleinen Unterschied, dass wirklich alles an ihr enorm aufgeblasen ist“. Die Stadien der NFL zählen zu den größten weltweit und sind bei nahezu jedem Spiel voll ausgelastet. Gleichzeitig wird jede Partie wie ein großangelegtes Event zelebriert. Hinzu kommen die Markenstärke und das Merchandising der einzelnen Teams. Mit dem Super Bowl hat die NFL zudem eines der größten Sportevents der Welt geschaffen, bei dem es für viele Zuschauer vor allem um das Drumherum geht. Allein mit den in der Halbzeitshow des Super Bowls gezeigten Werbeclips verdient die NFL jährlich zig Millionen. Ein 30-sekündiger Spot kostete beim jüngsten NFL-Endspiel durchschnittlich etwa sieben Millionen Euro. In den vergangenen Jahren hat die NFL ihre Präsenz auch auf Märkte außerhalb Nordamerikas ausgeweitet. Während es in den Neunzigern bei der NFL-International-Series noch vermehrt Spiele in Japan gab, fokussiert sich die Football-Liga seit den 2010ern auf den europäischen Markt. Regelmäßig finden NFL-Partien im Londoner Wembley-Stadion statt. 2022 wurde das erste Mal seit 1994 ein Spiel in Deutschland ausgetragen, allerdings nur ein Freundschaftsspiel. In diesem Jahr durften sich deutsche Football-Fans gleich auf zwei Punktspiele in Frankfurt freuen, unter anderem mit dem amtierenden Champion der Kansas City Chiefs. Bereits im vergangenen November wurden ernsthaft Pläne diskutiert, in den nächsten Jahren vier europäische Teams, darunter eines aus Deutschland, ganz regulär in den NFL-Spielbetrieb einzubeziehen. Nur so, war zu vernehmen, ließen sich weitere Gewinn-Steigerungsraten umsetzen. Der US-Markt scheint ausgereizt. Während sich bei den Deutschland-Gastspielen die Eintrittspreise zwischen 225 Euro und 75 Euro beliefen, werden in den USA ganz andere Summen aufgerufen. Für den absoluten Saison-Höhepunkt, eben den Super Bowl, liegt der durchschnittliche (!) Ticketpreis bereits im fünfstelligen Bereich; exakt bei 10.959,29 Dollar. Beim letztjährigen Super Bowl in Los Angeles lag laut „The Sporting News“ der niedrigste (!) Preis bei knapp über 5.800 US-Dollar. Wer nach einer besseren Sicht auf das Geschehen einen Platz auf dem Oberdeck suchte, musste für den teuersten Sitzplatz dort (laut SI Tickets) dafür unglaubliche 40.723 Dollar hinblättern. Kleiner Trost: Dafür säße er im begehrten Abschnitt 108, direkt auf Höhe der Mittellinie. Dagegen nehmen sich Tickets für die deutsche Fußball-Bundesliga wie wahre Schnäppchen aus. So kosten laut Statista Sitzplätze beim FC Bayern in der aktuellen Saison für Vollzahler beispielsweise zwischen 40 und 80 Euro, bei Borussia Dortmund ist es mit 35 bis 70 Euro ähnlich teuer. Neuaufsteiger wie Darmstadt 98 sind dagegen mit 36 bis 57 Euro ein wenig günstiger. Stehplätze kosten bei den drei genannten Klubs 15 bis 19 Euro. Nur einmal zum Vergleich: Beim Zweitligisten 1. FC Magdeburg bewegen sich nach Clubangaben die Preise für Tageskarten zwischen 17 und 39,50 Euro.   Dass die Bundesliga-Vereine von Jahr zu Jahr immer mehr Geld von ihren Fans verlangen, ist freilich nichts Neues. Aber: Wie viel sind Fußballinteressierte in Deutschland überhaupt noch bereit zu zahlen? Diese (angesichts der momentanen Wirtschaftslage) nicht unerhebliche Frage hat Statista im Rahmen der European Football Benchmark knapp 1.800 Personen gestellt. Die meisten der Befragten, 38 Prozent, würden etwa 20 bis 30 Euro für eine Karte ausgeben. Mit diesem Budget wären beim Großteil der Bundesligavereine jedoch nur Stehplätze drin. 20 Prozent der Befragten wiederum sind noch nicht einmal bereit, mehr als 20 Euro zu zahlen. Immerhin elf Prozent ist ein Stadionerlebnis hingegen mehr als 100 Euro wert. Geld ist eben doch nicht alles … Seite 39, Kompakt Zeitung Nr. 245, 22. November 2023

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