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Magdeburger Gesichter: Richard Wagners Jahre

Magdeburger Gesichter: Richard Wagners Jahre Karin Kanter Kompakt Zeitung 1795 war in Magdeburg ein Schauspielhaus nebst angeschlossenem Konzertsaal gegründet und mit der Aufführung der „Zauberflöte“ eröffnet worden. Nach dem finanziellen Untergang gründete Bürgermeister Francke 1825 ein neues, das ebenso nach einem Jahr bankrott war. Im Lauf der Zeit wiederholten sich die Schwierigkeiten, und das Theater befand sich in einer finanziellen Dauerkrise. Richard Wagners (geboren 1813 in Leipzig, verstorben 1883 in Venedig) Stiefvater war bereits von August 1804 bis Januar 1806 am Magdeburger Nationaltheater engagiert gewesen, die Schwestern Clara und Rosalie sowie Schwager Heinrich Wolfram hatten 1829/30 in Magdeburg gastiert und waren von Wagner während ihres Gastspiels besucht worden. Nachdem Rosalie im Sommer 1833 in Magdeburg erneut aufgetreten war, war seine auf eine Saison befristete Einstellung im Oktober 1834 nicht ungewöhnlich. In dieser Stellung arbeitete Wagner mit dem Direktor der Magdeburger Theatergruppe Heinrich Eduard Bethmann zusammen. Im Oktober 1834 wurde die Saison mit „Don Juan“ von Wolfgang Amadeus Mozart eröffnet. Mit der Erstellung eines Librettos begann er die Vorbereitungen für die Oper „Das Liebesverbot“. In dieser Zeit begann auch seine Beziehung zu der Schauspielerin und seiner späteren Ehefrau Minna Planer. Weniger erfolgreich waren Wagners selbst veranstaltete Konzerte, mit denen er in Konkurrenz zu Dirigent August Mühling trat. Das Vokalkonzert vom 2. Mai 1835 entwickelte sich ungeachtet der Mitwirkung der berühmten Sopranistin Wilhelmine Schröder-Derivent zum finanziellen Fiasko, sodass Wagner nach Ablauf der Spielzeit mit Schulden belastet zurückkehrte. Dennoch wurde er zum 1. September 1835 erneut eingestellt. Wagner setzte in der zweiten Saison die Komposition für das „Liebesverbot“ fort, doch entwickelte sich die Kooperation mit Bethmann wenig erfolgreich. Der Theaterdirektor war zum Saisonende zahlungsunfähig, und der mit neuen Schulden belastete Wagner war außerstande, die Gagen des Ensembles zu bezahlen. Minna Planer spielte mit anderen Schauspielern selbstverwaltet weiter, während Wagner sich nach Leipzig zurückzog. In Magdeburg wurde das „Liebesverbot“ dem Zensor vorgelegt. Obwohl der Titel bedenklich erschien, blieb der Text des Manuskripts ungelesen. […] Im März 1836 meldete Bethmann Bankrott an. Die Uraufführung misslang, und die zweite Aufführung des Stücks am Folgetag inklusive Benefizkonzert wurde aufgrund mangelnder Besucherzahl (drei Zuhörer) abgesagt. Trotz der Umstände waren die beiden Spielzeiten von 1834 bis 1836 Höhepunkte für die Musikgeschichte der Stadt. Wagner verließ Magdeburg im Mai 1836 in Richtung Berlin, zog von dort aus nach Königsberg, um 1839 hoch verschuldet aus Riga vor seinen Gläubigern nach London zu fliehen. Im Folgejahr entstand in Paris die von Eduard Kiez geschaffene Vorzeichnung zu diesem Bild. […] Das Blatt zählt zu den ersten lithografischen Reproduktionen dieser Zeichnungen. Die bislang bekannten Drucke 1851 wurden von Caspar Scheuchzer lithografiert und bei Orell, Füßli & Co in Zürich gedruckt. Wagner ließ bald andere Abbildungen anfertigen, in denen er nicht im Schlafrock dargestellt wurde. Wagner trägt seinen Morgenmantel, ein Hemd und eine schwarze Halsbinde. Seine rechte Hand ist auf Brusthöhe unter den Stoff geschoben. Sein linker Unterarm liegt auf der Armlehne eines Stuhls auf. Er wird sitzend nach halblinks wiedergegeben. Das Kulturhistorische Museum Magdeburg erinnerte 2021 an Magdeburger Gesichter des 19. Jahrhunderts. Die Porträts der Sonderausstellung sind weiterhin in der Kompakt Zeitung zu finden. Seite 10, Kompakt Zeitung Nr. 248, 24. Januar 2024

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