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Wie Elfe Tinka Weihnachten rettete

Wie Elfe Tinka Weihnachten rettete Larissa Insinger Kompakt Zeitung Fünf Tage vor Heiligabend und am Nordpol beim Weihnachtsmann machen die Elfen die letzten Vorbereitungen für den großen Tag. Sie stellen die letzten Spielzeuge her, verpacken die Geschenke und die Wichtel beobachten den großen Globus, der anzeigt, wo in der Welt jemand glaubt und wo nicht. An den Orten auf der Welt, an denen man an den Weihnachtsmann und den Zauber der Weihnacht glaubt, sind für jeden Menschen kleine leuchtende, goldene Punkte auf dem Globus, dort wo man jedoch nicht glaubt, leuchtet nichts und es gab genau einen Ort, an dem nur ein einziger Punkt leuchtete. Wichtel Elvin ist einer der Wichtel, die den Globus beobachten und dem Weihnachtsmann alles Wichtige erzählen. Elvin sah sich den Globus genau an und sah, dass an einem Ort nur ein Licht war. Er ging zum Weihnachtsmann und erzählte es ihm, woraufhin der Weihnachtsmann lange überlegte, bis er sagte: „Ich muss einen Elfen dorthin schicken!” Elvin antwortete daraufhin: Und wie wollen Sie das anstellen? Bevor der Weihnachtsmann seinen Plan erklärte, rief er Tinka zu sich, sie war eine Elfe mit glattem, dunkelblondem schulterlangen Haar und erklärte ihr die Situation und was sie zu tun hat: Sie muss die Menschen in dem Dorf dazu bringen, wieder an Weihnachten zu glauben, indem sie als Austauschschülerin hingeht! Am nächsten Morgen wurde sie ins Dorf gebracht. Tinka schaut sich um, überall sieht es trostlos und trist aus, nirgends ist Weihnachtsdekoration zu sehen. Sie entscheidet sich dazu, an der Tür zu klopfen, nach kurzer Zeit macht eine Frau ihr die Tür auf und sagt: „Du musst Tinka sein, ich bin Yara, komm doch rein, meine Tochter Livia und ich haben Plätzchen gemacht.” Tinka kam rein und schaute sich um, nirgendwo konnte sie Weihnachtsdekoration sehen. Die Frau sagte zu ihr: „Stell deine Koffer ruhig erstmal hier ab, wir bringen sie nachher zusammen hoch in Livias Zimmer, ihr werdet zusammen in ihrem Zimmer schlafen, ich hoffe, das ist kein Problem für dich.” Tinka stellte ihre beiden Koffer ab und sagte dann: „Nein, alles gut, das ist kein Problem für mich.” Yara lächelte freundlich und sagte: Geh ruhig schon mal ins Wohnzimmer, ich mache euch eine heiße Schokolade und hole die Plätzchen. Mit den Worten ging sie ins Wohnzimmer, dort saß ein circa 9-jähriges Mädchen mit langen braunen welligen Haaren auf dem Sofa. Das Mädchen sah Tinka an und sagte: „Hallo, du musst die Austauschschülerin Tinka sein, Ich bin Livia, es freut mich dich kennenzulernen.” „Hallo Livia, ja ich bin Tinka, freut mich auch dich kennen zu lernen. Du, sag mal, ich hab mich vorhin im Dorf etwas umgesehen und festgestellt, dass es bei euch keinerlei Weihnachtsdekoration gibt, woran liegt das? Hast du eine Ahnung, wie schön und belebt es aussehen kann mit ein bisschen Dekoration? Ohne Weihnachtsdekoration würde ich gar nicht in Weihnachtsstimmung kommen.” Livia antwortet: „Unser Bürgermeister ist vor einiger Zeit schwer erkrankt und er hat sich immer um die Deko gekümmert und es hat alle so traurig gemacht, dass keiner sich darum gekümmert hat.” Tinka schaut Livia erstaunt an und sagt dann: „Dann ist es doch gerade jetzt die richtige Zeit, um dem Bürgermeister ein vielleicht letztes schönes Weihnachten zu ermöglichen!” Livia stimmte zu und überlegte, bis ihr einfiel: „Morgen ist im Gemeindehaus eine Versammlung mit Kaffee und Kuchen, vielleicht können wir da unsere Idee vorstellen.” Im nächsten Moment kam auch schon ihre Mutter mit den Plätzchen und der heißen Schokolade herein, stellte alles auf den Tisch vor ihnen und setzte sich zu den Mädchen. Die Mutter sah an Livias Gesichtsausdruck, dass sie was im Schilde führt und fragt, was los ist, woraufhin Livia und Tinka ihr ihren Plan erzählen. Livias Mutter überlegte einen Moment und stimmte dann schließlich zu. Am nächsten Morgen beim Frühstück besprechen sie ihr Vorhaben, bis sie sich zur Versammlung losmachen. Im Gemeindehaus angekommen sitzen alle aus dem Dorf an Tischen, die zu einem Kreis zusammengestellt sind, Tinka, Livia und Yara setzen sich an den Tisch. Nachdem alle anderen alles angesprochen und erzählt hatten, meldet sich Tinka zu Wort und meint: „Als ich hier ankam, habe ich mich gefragt, wieso hier nirgends etwas geschmückt oder dekoriert ist, also habe ich nachgefragt und ich finde, wir könnten dem Bürgermeister ein vielleicht letztes schönes Weihnachten ermöglichen, indem wir alles so dekorieren wie es vorher immer war.“ Ein etwas älterer Mann widersprach daraufhin: Wieso sollten wir Weihnachten feiern, während es unserem geliebten Bürgermeister so schlecht geht? Livia entgegnete ihm: Ich bin mir sicher, dass er gerne nochmal so ein schönes Weihnachtsfest wie vor seiner Krankheit erleben möchte. Eine ältere Dame stimmte ihr zu: Sie hat recht, der Bürgermeister liebt Weihnachten mehr als alle anderen Feste, wir sollten es tun, ich werde gleich meine Dekoration aus dem Keller holen und anfangen. Währenddessen schaute der Weihnachtsmann am Nordpol mit Elvin auf den Globus und meinte: „Tinka scheint schon gute Arbeit zu leisten, es sind schon fünf Punkte mehr, ich hoffe bis Heiligabend hat sie es geschafft.“ Zu Hause holen auch Tinka, Livia und Yara die ganze Weihnachtsdekoration aus dem Keller und die drei fangen an, das Haus und den Garten zu dekorieren. Alle anderen Dorfbewohner beginnen ebenfalls, ihre Häuser und Gärten zu dekorieren. Heiligabend nähert sich mit großen Schritten. Tinka hat nur noch zwei Tage Zeit. Nur die Häuser und Vorgärten zu schmücken, war ihr noch nicht genug. Sie spricht mit Livia und Yara, denn sie fand, dass auf dem Marktplatz auch ein großer Weihnachtsbaum stehen und ein kleiner Weihnachtsumzug stattfinden sollte, an dem auch der Bürgermeister teilnimmt. Livia und Yara finden die Idee super, aber wo sollten sie jetzt noch auf die Schnelle eine große Tanne herbekommen? Sie fragen bei allen im Dorf nach, wer ihnen helfen könnte, eine große Tanne aus dem Wald zu holen. Viele erklären sich bereit zu helfen, bis sie den perfekten Baum gefunden haben. Nun kann der Heilige Abend endlich kommen. Alle versammeln sich am letzten Haus im Dorf, denn dort startet der Umzug mit dem Bürgermeister und endet beim Marktplatz mit der Erleuchtung

Ich schwöre, ich komme digital

Ich schwöre, ich komme digital Die Welt ist im Wandel. Grundfesten bröckeln. Wie steht es in diesen Zeiten um die Institution Weihnachtsmann? KOMPAKT hat dem Rauschebart ein Gespräch aufgedrängelt und auf Fragen unangenehme, ganz unweihnachtliche Antworten erhalten. Entstanden ist ein pessimistischer Ausblick eines ewig gestrigen Optimisten. Kompakt Zeitung KOMPAKT: Herr Weihnachtsmann, Sie stehen für Tradition und Kontinuität, erscheinen jedes Jahr zur selben Zeit und sollen Kindern Freude bringen. Dabei lösen sich um uns herum so viele vertraute Bräuche und kulturelle Fundamente auf. Wie machen Sie das, im Tohuwabohu dieser Welt nicht unterzugehen?Weihnachtsmann: Meine gedruckte Ersterwähnung geht auf das Jahr 1770 zurück. Da wurde mein Name „Weyhnachtsmann“ erstmals in der Berliner Wochenzeitschrift „Mannigfaltigkeiten“ gedruckt. Später, 1835 hat der Schriftsteller August Heinrich Hoffmann von Fallersleben das Lied „Morgen kommt der Weihnachtsmann“ geschrieben. Und dann vergessen Sie den amerikanischen Konzern „Coca-Cola“ nicht, der mir ein Kostüm verpasste. Kulturhistorisch ist das gar nicht so alt, wie vielleicht gemeinhin gedacht wird.Wo wollen wir anfangen, beim heiligen St. Nikolaus? Rundliche, freundliche alte Männer mit langem weißem Rauschebart gab es doch schon immer. Auch der Weihnachtsmann muss mit der Zeit gehen. Des Tierwohls wegen kann ich keine Rentiere vor den Schlitten spannen. Schornsteine, über die ich in der Vergangenheit in jede Stube kommen konnte, werden immer seltener. Ich spüre denselben Veränderungsdruck wie jeder Mensch auch. Das Weihnachtsmobil mit den vielen Geschenken fährt heute elektrisch?Unfug. Woher im hohen Norden soll ich den Strom bekommen? Wie lange und oft muss ich laden, um alle Kinder besuchen zu können. Bei winterlichen Temperaturen halten die Akkus nicht so lange. Nein, nun ist endlich Schluss mit der Weihnachtsmann-Mobilität. Das heißt, Kinder werden künftig auf den Weihnachtsmann verzichten müssen?machen genau das, was Sie ohnehin tun. Ich erscheine auf ihren Smartphones, Tablets, Smart-TVs und Computern. Das ist meine Digitalisierungsoffensive. Aber dann unterscheiden Sie sich nicht mehr von anderen digitalen Inszenierungen?Das ist nicht nötig. Im Gegenteil. Analog hatte ich doch nur wenige Minuten für jedes Kind Zeit. Heute kann ich ihnen stundenlang über jeden Bildschirm flimmern und noch mehr Scheinflimmerei schenken. Da werden die Kinderzimmer nicht mehr mit lauter Krimskrams vollgemüllt. Sind Sie sicher, dass es künftig an Spielzeug karge Kinderzimmer geben wird?In unsicheren Zeiten ist gar nichts mehr sicher. Traditionen lösen sich auf, Kultur geht verloren, Rituale wechseln heute so schnell wie Spitzenreiter in Hitparaden. Also wird auch der Weihnachtsmann zu einer flüchtigen Figur aus Bits und Bytes. Die Künstliche Intelligenz wird bald ihr Übriges tun und mich zu einem Wesen ohne Kontur machen und beliebig modellieren. Jeder wird sich seinen Weihnachtsmann so machen wie es gewünscht wird.   Sie malen ein düsteres Bild. Wann wurden Sie vom Optimisten zum Generalpessimisten?Ich war noch nie das eine oder das andere. Sehen Sie das bitte ein, dass man mir schon immer alles Mögliche andichtete, ich loben oder strafen musste, wie Eltern das gern für ihren Nachwuchs haben wollten. Meine Digitalisierung ist nur das konsequente Ergebnis eines langen Individualisierungsprozesses. Heute muss ich nicht mehr das Rollenbild eines alten, weißen Mannes erfüllen. Glauben Sie mir, das hat mich in der Vergangenheit auch nicht glücklich gemacht. Das ist verständlich. Wagen Sie bitte dennoch eine Prognose, wohin sich der Weihnachtsmann künftig entwickeln wird?Prognosen sind etwas für Politiker, die ihren Wählern gern erzählen, wohin sich ihrer Meinung nach alles wenden sollte. Ich bin ohnehin die reine Erzählung. Warum sollte ich mich da auf eine Zukunft einlassen. Die Weltmacht hat Pippi Langstrumpf übernommen. So wollen es die Menschen und ich muss mich ihrem Willen unterwerfen, genauso, wie ich einst durch sie herbeierzählt wurde. Digital zu sein, ist besser als gar nicht zu existieren. Also frohe Weihnachten! Das Gespräch hat sich Axel Römer ausgedacht. Seite 18, Kompakt Zeitung Nr. 246, 10. Dezember 2023

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