Talente, die hoffen lassen

Beim Pape-Cup 2020 stieß Gastgeber 1. FC Magdeburg erstmals bis ins Endspiel vor. Der Abstand zu Bundesligisten hat sich verringert. | Von Rudi Bartlitz

Als Magdeburgs Jugendtrainer Daniel Petzold vor Wochen gefragt wurde, was denn sein Traumfinale beim diesjährigen Pape-Cup sei, meinte er frank und frei: „1. FC Magdeburg gegen Schalke 04.“ Doch da war wohl eine gehörige Portion Übermut im Spiel und mehr der Wunsch der Vater des Gedankens. Denn für die blau-weißen Talente war in den letzten zehn Jahren stets frühzeitig Schluss, spätestens in der Zwischenrunde kam unweigerlich das Stoppzeichen. Der Abstand zur Konkurrenz – unübersehbar, einfach zu groß. Bei einem der bestbesetzten europäischen Jugendturniere der Unter-15-Jährigen, wohlgemerkt. Und gegen hochkarätige Bundesliga-Konkurrenz.

Aber nun das! Die 3.000 Zuschauer in der Getec-Arena sowie die vielen Experten und Scouts auf den Traversen trauten ihren Augen kaum: Der FCM bestritt tatsächlich das Finale. Schon die erste Vorrundenbegegnung hatte ahnen lassen, wozu die Petzold-Jungs diesmal  in der Lage sein könnten. Nach einem bravourösen 6:0-Kantersieg über Tottenham Hotspur starrte Präsident Peter Fechner fasziniert auf die Blitztabelle auf der riesigen Anzeigetafel. Ein Bild mit Seltenheitswert. Da rangierte sein Club tatsächlich vor dem VfL Wolfsburg, dem SC Paderborn und Hannover 96. „Und das Torverhältnis erst …“, freute sich der erste Mann des FCM.

Die Freude der FCM-Jungs über den zweiten Platz war riesengroß. Noch nie waren sie in der 19-jährigen Geschichte des Turniers besser.
Foto: Peter Gercke

Wie auf einer Riesenwelle surfte das Gastgeber-Team (in dessen Kader zehn Magdeburger und weitere zehn Spieler aus Sachsen-Anhalt stehen) fortan durchs Turnier. Im Endspiel hieß der Konkurrent zwar nicht, wie erhofft, Schalke 04 sondern FC Augsburg, doch das war in diesem Moment völlig egal; die Jung-Stars der Königsblauen hatten die Magdeburger übrigens bereits im Viertelfinale mit 3:1 abgefertigt. Was zählte, war dies: Der Nachwuchs des Drittligisten legte einen wahren Parforceritt hin, sorgte für ausgelassene Partystimmung auf den Rängen – selbst wenn sich am Ende die Gäste aus Bayern mit 3:0 durchsetzten.

Mit viel Wohlgefallen registrierte Sören Osterland, der Sportchef des Magdeburger Nachwuchsleis-tungszentrums (NLZ), das Geschehen unten auf dem blauen Kunststoffbelag. „Natürlich freue ich mich riesig über diesen Erfolg“, sagte der 34-Jährige im Gespräch mit der KOMPAKT Zeitung. „Es ist eine Bestätigung unserer guten Arbeit. Es gab Zeiten, da hätten wir gegen Tottenham nicht 6:0 gewonnen, sondern 0:6 verloren. Wichtig ist, dass wir mit teils hochkarätiger Konkurrenz leistungsmäßig mitgehalten haben. Dieser zweite Platz ist nicht durch Glück und Zufall entstanden, sondern ist verdient.“ Was für ihn besonders zählt: Der Abstand zu den Bundesligisten ist geringer geworden. Osterland: „Wir haben aufgeholt. Vor allem in der Breite und beim Scouting. Auch wenn wir uns noch nicht auf einer Stufe mit den Leistungszentren der Erstligisten sehen, da gibt es schon noch Unterschiede, vor allem finanzieller Art.“

Nicht nur die U15 gibt den Verantwortlichen der Blau-Weißen derzeit Grund zur Freude. Die U19 spielt bereits in der Bundesliga, die U17 soll diesen Schritt demnächst tun. Jetzt gilt es nach den Worten des Sportchefs, die NLZ-Talente, vor allem aus den älteren Jahrgängen, Stück für Stück an das Profiteam heranzuführen. Das dies eine schwierige Aufgabe ist, darüber macht er sich keine Illusionen: „Zwar besitzen vier unserer Jungs einen Profivertrag, aber eine Einsatzminute hat noch keiner aufzuweisen. Hier müssen wir an Tempo zulegen. Es ist durchaus ein realistisches Ziel, einen Spieler pro Jahr nach oben zu bringen.“ Hoffnungsfroh stimmte ihn da, was er am ersten Januarwochenende beim Pape-Cup von den Unter-Fünfzehnjährigen sah. Namen wie Pit Zuther, der als bester Torhüter des Turniers geehrt wurde, Elias Schültke, Conner Schulze oder Carlos Krüger sollte man sich also durchaus merken.

Als Augsburgs Kapitän nach der Siegerehrung den Pokal jubelnd hochriss und sich artig für die großartige Atmosphäre in Magdeburg, für die insgesamt 6.500 Zuschauer (!) an beiden Tagen gesorgt hatten, bedankte, schob er lapidar noch einen Satz hinterher: „Das war ja Bundesliga hier.“ Worte, die den FCM-Fans noch lange in den Ohren klingen werden.

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