Technik, die begeistert

Öffnet man die Türen zum Technikmuseum, ist man sofort gefangen. Öliger Geruch und brachiales Industriedesign vermitteln sofort über die Sinnesorgane einen Teil der Magdeburger Stadtgeschichte, die von Maschinenbau und technischem Erfindergeist geprägt ist. Das Gelände in der Dodendorfer Straße, das eine einzigartige Exposition über die industrielle Entwicklung der Elbestadt beherbergt, steht für Absturz, Katastrophen und Neubeginn der Menschen in Magdeburg, für Mut und Erfinderkraft.

Bereits 1855 beginnt im Stadtteil Buckau die Geschichte des Maschinenbaus. Hermann Gruson gründet eine Maschinenfabrik und entwickelt ein Gusseisen, das an Stabilität und Festigkeit alle bis dahin bekannten Produkte übertrifft. Magdeburg wird zur „Wiege des Maschinenbaus“. Aber genau diese Technologie machte die Gruson-Werke zum Weltmarktführer für Panzertürme und Geschütze und zum Ziel der Alliierten Streitkräfte im Zweiten Weltkrieg. Am 16. Januar 1945 fielen 90 Prozent der Innenstadt in Schutt und Asche und tausende Menschen verloren innerhalb von 30 Minuten ihr Leben. Nach dem Krieg begann zügig der Wiederaufbau der zerstörten Grusonwerke. Statt Panzer baute man nun Kräne und Walzwerkanlagen. An die bis heute anhaltende Geschichte der Maschinenbaustadt Magdeburg erinnert das Technikmuseum auf dem ehemaligen SKET-Gelände. Es ist auch ein lebendiger Ort des Austausches zwischen den Generationen.

Als eines von neun Museen in Magdeburg vermitteln die Inhalte der zahlreichen Sonderausstellungen und die Dauerexponate des Technikmuseums den Aufbruch der Menschen in das Industriezeitalter. Spannende Sammlungen und technische Sachzeugen aus den Bereichen Industrie und Handwerk, Luftfahrt, Feuerwehr, Landwirtschaft und Fahrzeuge geben vielfältige Einblicke in die technikhistorische Bedeutung der Elbestadt und seiner Region, die auf eine 200-jährige industrielle Blütezeit zurückblicken kann. Neben funktionsfähigen Großexponaten – wie verschiedene Dampfmaschinen, ein Hallenkran mit Kurvenfahrwerk und eine transmissionsbetriebene mechanische Werkstatt – kann man auch unzählige Produkte der maschinellen Fertigung bestaunen. Unter dem Motto „Erleben, Erfahren und Anfassen“ finden Familientage und Vorträge zur Technikgeschichte statt.

Mitte letzten Jahres übernahm die Stadt das Museum in eigene Trägerschaft. In einem mehrstufigen Projekt soll das Technikmuseum zu neuen Höhenflügen ansetzen und auch über die Grenzen Magdeburgs hinaus Menschen anziehen. Museumsleiter Dr. Hajo Neumann, der seit einigen Monaten das Zepter des Technikmuseums in die Hand genommen hat, ist optimistisch, mit neuen Ausstellungskonzepten und Erweiterungen eine Art „Landesmuseum für Arbeit und Geschichte“ zu installieren. Er kann auf einen reichhaltigen Erfahrungsschatz aufbauen, den er bis 2019 über Jahre hinweg im Technoseum Mannheim als Leiter sammeln konnte. Er sieht zahlreiche Potentiale hinter den Mauern in der Dodendorfer Straße und will gemeinsam mit seinem Team ehrgeizige Pläne zur Neukonzeption umsetzen. Die Messlatte, die die zahlreichen ehrenamtlichen Helfer um den ehemaligen Museumsleiter Gerhard Unger auflegten, ist laut Neumann sehr hoch.

Vor allem möchte der neue Museumsleiter die Ausstellung um die sozialgeschichtliche Komponente erweitern und dazu auch Zeitzeugen aus neuerer Zeit zu Wort kommen lassen. Da die Geschichte mit der Wende 1989 nicht aufhörte, will der neue Museumsleiter die Geschichte fortschreiben und die Ausstellung um die Magdeburger Industriegeschichte nach 1989 ergänzen. Die Ausstellung wird dafür auch umgebaut, sagte Neumann. Wie genau, das sei zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht klar. Ungewiss ist ebenfalls, ob und wie das Gebäude gegebenenfalls erweitert werden muss. Künftig soll ein Museumspädagoge die Besucher an die Ausstellungsobjekte heranführen und sie ihnen näherbringen. Auch bauliche Veränderungen für mehr Ausstellungsflächen sind in Planung.

Technikmuseum
Dodendorfer Straße 65, 39112 Magdeburg
Telefon: 0391 6 22-39 06
info@technikmuseum-magdeburg.de
www.technikmuseum-magdeburg.de

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