Telemanns Taufkirche

Die Grundsteinlegung für den Bau einer Heilige-Geist-Kapelle als Hospitalkirche des zur gleichen Zeit gegründeten Heilig-Geist-Hospitals südlich der Johanniskirche (heute Goldschmiedebrücke) erfolgte um 1214. 75 Jahre später wurde südlich davon eine weitere Kapelle (Sankt Anna), finanziert durch fünf Gewandschneider, errichtet. Es erfolgten mehrere Erweiterungen, in deren Folge 1490 erstmals die Heilige-Geist-Kirche erwähnt wurde. 1524 wurde in ihr durch den Franziskanermönch Johannes Fritzhans die Reformation eingeführt – Ausgangspunkt für ihre neue Rolle als Pfarrkirche. Dort wirkte im 17. Jahrhundert Heinrich Telemann als Diakonus, der seinen Sohn Georg Philipp Telemann 1681 hier taufen ließ. Mehrere Pfarrer wurden im 18. Jahrhundert von hier aus als Hauptpastoren nach Hamburg berufen, auch der Lessing-Gegner J. M. Götze.

Beim Sturm auf Magdeburg durch die kaiserlichen Truppen unter Tilly am 10. Mai 1631 brannte die Kirche nieder. Nach Um- und Wiederaufbau nutzten die Magdeburger sie 1693 wieder als Gotteshaus. 1752 errichteten Steinmetze das Epitaph des Magdeburger Unternehmers und Regierungsrats Gottlieb von Haeseler in der Heilige-Geist-Kirche. 1778 wurde Georg Heinrich Berkhan Diakon an der Heilige-Geist-Kirche. Von 1786 bis 1800 war Konrad Gottlieb Ribbeck, späterer erster Ehrenbürger Berlins, Pastor der Kirche. Mitte des 19. Jahrhunderts war der Komponist Rudolph Palme als Organist in der Kirche tätig. Noch mehrmals wurde die Heilige-Geist-Kirche zum Asyl für Gemeinden, die ihre Kirche verloren hatten: 1806 und 1813 für Dom und St. Ulrich und 1951 für alle Innenstadtgemeinden.

In Folge der Luftangriffe Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 wurde die Kirche durch Bombentreffer stark beschädigt. 1948 erfolgte der Wiederaufbau als Notkirche für die fünf der sechs Innenstadtgemeinden mit ausländischer Unterstützung, der sehr mühselig und mit vielen Pausen vonstatten ging. Ab Pfingsten 1951 gab es hier wieder Gottesdienste. Jedoch stand der Sakralbau dem sozialistischen Wiederaufbau im Wege. Nach einem letzten Gottesdienst am 30. März 1959 besiegelte Ende Mai 1959 Dynamit das Ende der Kirche. Eine 1957 von der Zittauer Firma A. Schuster & Sohn ursprünglich für diese Kirche gebaute Orgel mit 27 Registern und elektropneumatischer Traktur wurde aufgrund der geplanten Sprengung im Dom aufgestellt und ist jetzt in der Nikolaikirche in der Neuen Neustadt zu finden. Heute ist die Heilig-Geist-Gemeinde in der Kirchengemeinde Magdeburg-Altstadt (Kirchspiel Altstadt-Martin) aufgegangen und in der Wallonerkirche zu Hause. An der Stelle der Heilige-Geist-Kirche (Goldschmiedebrücke Höhe Regierungsstraße) steht heute zur Erinnerung ein kleines Modell der Kirche.

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