Samstag, Oktober 16, 2021
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In der Handball-Bundesliga dominierten in den letzten Jahren die beiden Nordklubs Kiel und Flensburg. Setzt sich dies in der gerade begonnenen neuen Spielzeit fort? | Von Rudi Bartlitz

Auf Dauer droht es ein wenig langweilig zu werden in der Bundesliga. An der Spitze tut sich nämlich, sieht man vom überraschenden Punktverlust der Flensburger gegen Erlangen einmal ab, herzlich wenig. Der THW Kiel stürmte mit dem Erfolg im Supercup und zwei ungefährdeten Liga-Siegen gleich wieder nach vorn. In vielem ähnelt die Handball-Liga inzwischen fast den Fußballern. Ein kleiner Unterschied existiert gottseidank noch: Nicht ein Verein – nämlich der FC Bayern mit neun Titeln in Folge – hat beim kleinen Bruder in den letzten Jahren das Sagen, sondern es sind immerhin zwei: der THW Kiel und die SG Flensburg. Sie verlo­ren in der vergan­ge­nen Serie fast gar nicht, hatten nur acht Minus­punk­te in der Abschluss­ta­bel­le, der nächs­te „Verfol­ger“, der SCM, satte 23.

Kiels Meistertrainer Filip Jicha hat für diesen mehr als deutlichen Abstand, der sich gegenüber den Spielzeiten davor noch vergrößerte, diese Erklärung: „Viele Teams haben in drei Wochen alles verspielt. Das passiert schnell. Das ist das Bruta­le an der Bundes­li­ga. Oder das Schöne. Deswe­gen kommen einige Stars aus dem Ausland nicht in die Bundes­li­ga. Du kannst es als Heraus­for­de­rung sehen oder als Anstren­gung. Die Lehre daraus ist, dass du von Anfang an voll da sein musst. Die Quali­tät der Teams ist doch ziem­lich gleich, nur der Fokus entschei­det: Meis­ter wird, wer ein Jahr lang alle drei Tage fokus­siert ist. Das ist der ganz norma­le Bundes­li­ga-Wahn­sinn.“

In diesem Wahnsinn behaupteten sich die Nordlichter eben am besten. Seit 2017 machten die beiden den Meister unter sich aus; letztmals wanderte der Siegerpokal 2016 (Rhein-Neckar Löwen) nicht nach Schleswig-Holstein. Und wenn man den Umfragen der 18 Erstliga-Trainer und anderer Experten trauen darf, wird sich an der Situation auch nichts gravierend ändern. Couragierte Kampfansagen an das dominierende Nord-Duo gab es jedenfalls vor dem Saisonstart keine. Keiner der potentiellen Herausforderer (SC Magdeburg, Rhein-Neckar Löwen, Füchse Berlin) wagte sich so richtig aus der Deckung, wollte öffentlich den Fehdehandschuh hinwerfen, bekannte sich dazu, endlich den nächsten Schritt machen zu wollen.

Die Meinung von Liga-Boss Uwe Schwenker (“Es wird wieder auf einen Zweikampf zwischen dem THW Kiel und der SG Flensburg-Handewitt hinauslaufen”) wird in der gesamten Bundesliga geteilt. Hier und da fallen die Namen Magdeburg, Löwen, Berlin und Melsungen – doch den ganz großen Coup traut diesem Quartett niemand zu. „Bereits in der vergangenen Saison hat sich zwischen diesen beiden Teams und dem Rest der Liga ein Leistungsunterschied abgezeichnet”, sagt Roi Sánchez, Trainer des TVB Stuttgart. Die Mehrheit der Vereinsverantwortlichen sieht den Titelverteidiger aus Kiel um eine knappe Nasenlänge vorn. Dazu gehört auch Flensburgs Trainer Maik Machulla. “Meister wird der THW Kiel, weil er noch immer den eingespieltesten und den bes-ten Kader hat. Die sind von der Qualität, der Breite und der Erfahrung her am besten aufgestellt”, so der 44-Jährige.
Und der SCM? Den der Handballsender Sky als „das einzige Team“ sieht, das den beiden Spitzenvereinen „in die Quere kommen“ könnte. “Sportlich haben wir wieder die Möglichkeit, um drei Titel mitzuspielen. Und da wollen wir solange es geht, dabei sein und – wenn möglich – unseren Titel auf internationaler Ebene verteidigen”, sagte SCM-Geschäftsführer Marc-Henrik Schmedt der Deutschen Presse-Agentur. Nicht ganz so vorsichtig äußern sich die Spieler. Als der MDR vor Saisonbeginn eine Umfrage unter ihnen machte, klang es nahezu einstimmig so: Wir wollen auf jeden Fall einen Titel holen. „Dafür bin ich nach Magdeburg zurückgekehrt“, unterstrich Nationalspieler Philipp Weber, so etwas wie der Königstransfer der Grün-Roten in diesem Sommer. Vom Gewinn der Meisterschaft war ausdrücklich nicht die Rede, wenngleich der eine oder andere verwegen gleich von mehreren Titel träumt.

Nun, der Saisonauftakt hätte wahrscheinlich kaum besser laufen können. 4:0 Punkte, ein vielbeachteter Auswärtserfolg beim Mitkonkurrenten Rhein-Neckar Löwen (28:25), Rang vier in der Tabelle. „Der Start war nicht allzu schlecht“, räumte selbst der stets kritische Trainer Bennet Wiegert ein, der noch vor der Partie in Mannheim noch einmal darauf hingewiesen hatte, dass es in der Vorsaison vorrangiges Ziel gewesen sei, den Abstand zu Kiel und Flensburg zu verkleinern. Aber genau das sei eben nicht gelungen. Nun also: Neue Spielzeit, neues Glück.

Und schon in der ersten Oktoberhälfte bietet sich dem SCM die Chance, gleich den ersten Titel zu holen. Denn neben Liga, European League (Titelverteidiger) und nationalem Pokal sind die Magdeburger erstmals seit 19 Jahren wieder beim IHF Super Globe in Saudi-Arabien, der inoffiziellen Klubweltmeisterschaft, vertreten. Zusammen mit den beiden Champions League-Finalisten FC Barcelona und Aalborg Handbold vertreten sie Europa. Seit der vergangenen Woche liegt der Spielplan vor. Als Besitzer einer sogenannten Wild Card werden die Sachsen-Anhalter in der Qualifikation für das Viertelfinale auf die Sydney University treffen. Bei einem Sieg würde der Bundesligist dann gegen Al Duhail SC Doha spielen, den Sieger der asiatischen Champions League. Das Halbfinale sollte also mindestens drin sein. Zumal dem Sieger ein Preisgeld von knapp einer halben Million Euro winkt …

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