Theater Magdeburg: Spielfreude digital und analog für junge Zuschauer

Das Theater Magdeburg ist derzeit für Besucher geschlossen. Doch für das junge Publikum ist so einiges in Bewegung. Birgit Ahlert befragte dazu Matthias Brandt, Leitender Theaterpädagoge, und seine Mitarbeiterin Veronika Riedel.

Welchen Projekten widmen Sie sich gerade?

Matthias Brandt: Die Vermittlung der für den Spielplan geplanten Stücke läuft weiter. Neben der theaterpädagogischen Betreuung und Vorbereitung von professionellen Inszenierungen, die teilweise bis zur Generalprobe geprobt wurden und hoffentlich noch gegen Ende dieser Spielzeit aufgeführt werden können, haben wir drei Gruppen des Theaterjugendclubs mit spielfreudigen Kindern und Jugendlichen.

Veronika Riedel: Wir führen diese Gruppen zurzeit in digitalen Proben weiter und denken gemeinsam über mögliche Präsentationsformate der selbstentwickelten Stücke nach. Zum Welttag des Kinder- und Jugendtheaters am 20. März planen wir einen Videobeitrag, in dem SchülerInnen ihre Wünsche ans Theater im Lockdown äußern und arbeiten zurzeit gemeinsam mit den DramaturgInnen aus Musiktheater und Schauspiel an Formaten, die „lockdown-kompatibel“ sind.

Tierisch musikalisch

Matthias Brandt: Unter dem Motto „Tierisch musikalisch!“ wird es einen kreativen Spaziergang durch Magdeburg zu der Musik aus „Der Karneval der Tiere“ von Camille Saint-Saëns geben. Die Magdeburgische Philharmonie hat das berühmte Werk aufgenommen. In mehreren Videobeiträgen können die ZuschauerInnen ab Mitte März Assoziationen zu dieser Musik entwickeln und die Stadt einmal mit anderen Augen sehen.

Veronika Riedel: Im Schauspiel arbeiten wir an einem Audio-Walk auf den Spuren des französischen Austauschlehrers Jacques Decour. Dieser war 1930 am Domgymnasium tätig und schildert in seinem Roman „Philisterburg“ seine Sicht auf das Magdeburg zu dieser Zeit.
Matthias Brandt: Als theaterpädagogisches Team haben wir eine Plakataktion erdacht, die zum Nachdenken und Mitmachen anregen soll. Zu ausgewählten, noch nicht gezeigten Inszenierungen findet man auf dem Plakat zum Beispiel eine passende theaterpädagogische Aufgabe, die gerne einfach mal ausprobiert werden darf! Die Plakate werden übrigens von meiner Kollegin Veronika Riedel illustriert und sollen auch an Schulen verschickt werden.

Was liegt Ihnen derzeit besonders am Herzen – und warum?

Matthias Brandt: Mit dem Publikum in Kontakt zu bleiben. Ich versuche die Unmittelbarkeit, die das Live-Erlebnis „Theater“ ausmacht, aufrechtzuerhalten und sie auf neuen Wegen zu ermöglichen. Es ist mir wichtig, den Menschen in dieser Zeit Kreativität und neue Sichtweisen zu eröffnen, indem sie zum Beispiel ihre gewohnte Umgebung einmal ganz neu entdecken.

Veronika Riedel: Mir ist es wichtig, weiter den Kontakt zu Kindern und Jugendlichen zu halten – durch die fehlenden Schnittstellen ist das schwieriger als sonst, deshalb bin ich über jedes Lächeln und jedes Lachen froh, das uns digital erreicht! Besonders glücklich bin ich darüber, die Kinder und Jugendlichen in den Clubs begleiten zu können, ihnen eine Abwechslung in ihrem Alltag zu bieten und sie dazu zu ermutigen, die aktuelle Situation kreativ zu verarbeiten!

Wichtig bleibt das Live-Erlebnis

Es gibt auch Online-Projekte – welche sind das und wie werden sie umgesetzt?
Veronika Riedel: Neben den vorhin bereits genannten Projekten haben wir gerade einen wunderbaren Online-Workshop als Winterferien-Aktion hinter uns und bieten in dieser Spielzeit erstmals ein Osterferiencamp im digitalen Format an. Jugendliche von 15 bis 18 Jahren können mit uns per Videochat und begleitender Anleitung ihre Umgebung und ihr Viertel zu dem Thema „Urfaust“ neu kennenlernen und dort Gretchen, Faust und Mephisto inszenieren!

Was ist das Besondere an der Theaterpädagogik in diesen Zeiten?

Matthias Brandt: Umdenken oder besser gesagt: neu denken. Sich öffnen und in den Herausforderungen auch neue Chancen sehen, zum Beispiel digitale Nutzungen. Aber, ganz wichtig, immer die Verbindung zu einem möglichen „Live“ des Theaters behalten.
Veronika Riedel: Wenn sowohl Kinder als auch Erwachsene das eigene Haus nur selten verlassen und viel selbstständig vor dem Bildschirm arbeiten, möchte ich einen Raum schaffen, in dem sie davon Abstand gewinnen können. Wenn unser Publikum gerade nicht in unseren Zuschauerräumen verzaubert werden kann, kommen wir mit interaktiven Formaten nach Hause bzw. in die öffentlichen Räume der Stadt! Außerdem ist es uns ein großes Anliegen, die Arbeit im Haus transparent zu machen – die Ensembles und Mitarbeitenden arbeiten fleißig an Alternativprogrammen und bereiten den Fortlauf der Spielzeit vor, der hoffentlich im Frühjahr kommt!

Mit dem „Osterferiencamp“ gegen Langeweile im Lockdown: Digital und analog. Für Jugendliche von 15 bis 18 Jahren. Vom 29. bis 31. März, täglich von 10 bis 16 Uhr. Die Theaterpädagogen wollen mit den TeilnehmerInnen, Faust, Gretchen und Mephisto die Umgebung erkunden … Du benötigst einen Rechner mit Webcam und Internetzugang sowie ein Smartphone mit Kamera. Vorkenntnisse sind nicht notwendig. Teilnahmebeitrag: 5 Euro. Verbindliche Anmeldung bis 21. März bei: veronika.riedel@theater-magdeburg.de