Montag, Juni 27, 2022
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Theatergeschichte bewegend erzählt

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Magdeburg hat mit dem Puppentheater etwas ganz Besonderes: Neben den ständigen Angeboten für Kinder, Jugendliche und Erwachsene prägt es die Stadt mit zusätzlichen Aktionen von den Kinderkulturtagen bis zu den großen FigurenTheaterFestivals, wie gerade jetzt wieder eins begonnen hat und bei dem sich Künstler wie Besucher aus Nah und Fern begegnen. Das Theater blickt nicht nur auf eine mehr als 60-jährige Geschichte zurück, sondern auch auf eine einmalige Entwicklung, im positivsten Sinne. Es ist ein „Theater in Bewegung“, über das ein Buch mit ähnlich lautendem Titel erschienen ist, ein literarisches Memorial, wenngleich als Zwischenbilanz. Denn die Bewegung, die von diesem Haus ausgeht, wird hoffentlich noch lange erhalten bleiben.

Dabei sah es zur „Wendezeit“ alles andere als gut aus für das Haus. „Sie haben Null Überlebenschance“, erklärte damals ein eigens von der Stadt engagierter Berater, „es wird niemand mehr Ihr Haus besuchen“. Ensemblepuppentheater gab es schließlich in den alten Bundesländern nicht, warum also sollte es die im Osten geben? Künstlerische Qualität oder gesellschaftliche Verantwortung, in der sich das Ensemble sah, spielten bei diesen Vorhaben keine Rolle, ebenso wenig, was mit den Mitarbeitern passierte. Doch das Puppentheater sah sich in der Verantwortung – sowohl den Mitarbeitern des Hauses als auch dem Publikum gegenüber. Das nämlich war nach wie vor regelmäßig zu Gast. Besucherzahlen allerdings zählten wenig. Die würden mit der Zeit nachlassen, hieß es, bei all den kulturellen Angeboten deutschlandweit. Doch das Puppentheater setzte auf sein Publikum. Und das hielt zu ihm. Die Magdeburger protestierten, es entstand eine Art Bürgerbewegung für das Puppentheater in Magdeburg. Sie zeigte, wie verwurzelt dieses Haus mit der Kunst in der Stadt ist, beliebt bei Kindern wie Erwachsenen.

Von ehemals 17 Puppentheatern in Deutschlands Osten 1990 haben bis heute lediglich 8 überlebt, dabei 3 Ensembletheater – und nur 1 in kommunaler Hand, insgesamt wieder mit fast 40 Mitarbeitern. Das Magdeburger schaffte es, weil es sich ständig neu erfunden hat, immer nach Herausforderungen suchte und diese erfolgreich umsetzte. Das Puppentheater entwickelte sich zu einer Größe, in mehrerer Hinsicht. Es ist gefragtes Ensembletheater mit Gastspielen weltweit und hat sich zudem örtlich wesentlich erweitert. Anstelle einer kleinen werden nunmehr mehrere Bühnen und der Hof bespielt, die Jugendkunstschule wurde angegliedert, die villa p. als FigurenSpielSammlung eröffnet. Und natürlich: Das Puppentheater ist regelmäßig Gastgeber für internationale Künstler, beginnend beim Weltfestival UNIMA bis zum eigenen Internationalen FigurenTeaterFestival „Blickwechsel“, dessen 13. Auflage am 16. November eröffnet worden ist.

Einen Einblick in die Entwicklung und die Arbeit in den einzelnen Bereichen gibt das Buch „Ensemble in Bewegung. Wie sich das Puppentheater Magdeburg stetig neu erfindet“, erschienen beim Verlag Theater der Zeit. Nachdem zweimal pandemiebedingt die Buchpremiere verschoben werden musste, konnte nun endlich die öffentliche Präsentation nachgeholt werden. Mehr als das: Sie wurde als Teil des diesjährigen FigurenTheaterFestivals inszeniert. Das Ensemble des Hauses präsentierte Auszüge aus Buch-Beiträgen. Unterhaltsam und bewegend! Dank dafür! Aus der Ferne angereist waren die Herausgeberinnen Silvia Brendenal und Anke Meyer sowie Theaterwissenschaftler Dr. Gerd Taube, der als Gastredner nicht nur Einblicke ins Buch gab, sondern zudem den ASSITEJ-Preis für besonderes Engagement im Kinder- und Jugendtheater übergab (Association Internationale du Théâtre pour l’Enfance et La Jeunesse ist die Internationale Vereinigung des Theaters für Kinder und Jugendliche).

Spannend geht es beim Puppentheater weiter. Bevor im März 2022 der „2. Akt“ des Internationalen Festivals beginnt, bietet das Haus an der Warschauer Straße einen vollen Spielplan mit Angeboten für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Von „Der kleine Häwelmann“ bis zum „Menu d’amour“, vom „Fall Hamlet“ bis zur „Wilden Reise durch die Nacht“ | Birgit Ahlert

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