Dienstag, Juli 5, 2022
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Traum von freiberuflicher Existenz

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Beratungen und Workshops für Existenzgründer gehören zu den Aufgaben von Heike Bodemann-Schenk, selbst Freiberuflerin. Seit Beginn der Existenzgründerkurse am TGZ (Technologie- und Gründerzentrum) in Genthin gehört sie zum Dozententeam. Birgit Ahlert unterhielt sich mit ihr über ihre Erfahrungen.

Für wen sind die Kurse und was wird gemacht?

Heike Bodemann-Schenk: Es ist ein Hilfsangebot für junge Unternehmer beim Start in die Selbstständigkeit. Inhaltlich geht es um Themen wie Kommunikation, Buchführung, Auftragsbearbeitung, Gewerbe- und Steuerrecht, Finanzierungen, Marketing. Die Kurse werden gefördert mit Mitteln des Landes Sachsen-Anhat und der EU. Voraussetzung für die Teilnahme ist, dass eine Firmengründung zum Haupterwerb erfolgt und sich der Unternehmenssitz in Sachsen-Anhalt befindet. Außerdem gibt es zeitliche Begrenzungen.   

Sie beraten seit vielen Jahren beim TGZ Existenzgründer. Was hat sich seitdem verändert?

Zum einen ändern sich die Projekte zur Förderung. Zum anderen änderte sich die Klientel. Deutlich ist, dass Gründer jetzt bewusster in die Selbstständigkeit gehen, aus Festanstellungen. Früher war es nicht selten so, dass die Selbstständigkeit als letzte Möglichkeit angesehen worden ist, um aus langjähriger Arbeitslosigkeit zu entkommen. Heute gehen verstärkt Menschen diesen Weg, die aus dem Laufrad des Berufes ausscheiden wollen. Die sich ganz bewusst sagen: Das will ich nicht mehr, ich gehe einen anderen Weg. Es sind vorrangig berufserfahrene Leute, die wissen, was sie tun und wollen. Nur selten ist noch jemand dabei, der blauäugig in die Selbstständigkeit geht, nach dem Motto „das wird sich finden“. 

Entsprechend hat sich die Fachlichkeit geändert. Eine Zeit lang gab es eine regelrechte Schwemme an Nagelstudios, die von Frauen eröffnet wurden, die das eben schick fanden. So einige mussten feststellen, dass das allein nicht ausreicht. Jetzt gibt es zwar auch noch diese Berufswahl, aber ausgeübt von fachlich Erfahrenen, wahren Künstlerinnen, die eine gute Chance in der Selbstständigkeit haben. 

In welchen Bereichen gibt es Firmengründungen?

Das ist eine relativ große Spannbreite. Da sind zum einen die Handwerker, vom Tischler bis zum Maler, alles, was zu Haus und Hof gehört – Reinigungsunternehmen, Gärtner, Maurer. Einige wenige wollen in den Gastronomie-Bereich, gefragter sind Fitnessstudios. Wir haben Softwareentwickler, Programmierer, Konditoren, Hochzeits- oder Trauerredner und Gründer von Werbeagenturen.

Wie leicht oder schwer wird es Firmengründern gemacht, bezogen auf Voraussetzungen, staatliche Anforderungen, Bürokratie? 

Das ist unterschiedlich. Für jede/n ist es wichtig, genau hinzuschauen und abzuwägen. Möglich sind Kredite zu Sonderkonditionen, für Anschaffungen, Firmen-Ausstattung. Steuerliche Vorteile für Kleinunternehmer sind mit Vorsicht zu genießen, die Höchstgrenze des Umsatzes kann leicht überschritten werden. Strikte Vorschriften gibt es im Gastronomiebereich. Das schreckt ab, geht aber nicht anders, schon aus hygienischen Gründen. Fachlich gut zu sein, genügt nicht. Wie bewusst das Gründern ist, wird beim Interesse der Kursteilnehmer/innen deutlich. War bis vor ein paar Jahren vor allem Marketing gefragt, wollen sie zunehmend Informationen zum Steuerrecht. Da kann „Bürokratie“ existenziell werden.

Sie geben Kurse für Marketing. Gibt es Unterschiede, ob Selbstständige in der Stadt oder auf dem Land für sich/ihr Unternehmen werben?

Aber ja. Es stehen unterschiedliche Aspekte im Mittelpunkt. Beispiel Visitenkarte: In den Städten ist es wichtig, dass sie aussagekräftig und möglichst individuell ist, kein Billigblättchen. Auf dem Land ist eine hochwertige Karte eher kontraproduktiv, man gilt schnell als abgehoben. Dort wirbt man eher mit Firmenaufdruck auf Kleidung, Caps, Autos, bringt sich bei Dorffesten ein und sorgt dafür, im Gespräch zu sein. Es kennt jeder jeden und es spricht sich rum, wer gute Arbeit leistet und verlässlich ist. 

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