Ungewisse Zukunft für Auszubildende?

Fertig mit der Schule – und was nun? Während manche bereits in jungen Jahren wissen, welchen Weg sie später einmal gehen möchten und sich durch nichts davon abbringen lassen, fällt anderen der Übergang ins Berufsleben schwer. Die coronabedingte Situation bringt dabei zusätzliche Herausforderungen mit sich, egal, ob man sich für eine Ausbildung oder für ein Studium entscheidet. Zum einen erschweren technische Probleme den Schulalltag beim heimischen Unterricht. Zum anderen ist es oft nicht möglich, praktische Erfahrung zu sammeln.

„Die Corona-Pandemie beeinflusst den Ausbildungsmarkt erheblich“, bestätigt Stefanie Klemmt, Geschäftsführerin Berufsbildung bei der Industrie- und Handelskammer Magdeburg. „Zahlreiche Auszubildende blicken in eine ungewisse Zukunft. Die Corona-Pandemie hat den Ablauf der Ausbildung durcheinandergebracht. Zwar haben viele Azubis keine großen Probleme, manche Unternehmen mussten ihre Azubis jedoch in Kurzarbeit schicken, einige haben komplett aufgegeben.“ Von der Pandemie besonders betroffen seien Azubis aus dem Hotel- und Gaststättengewerbe, in der Veranstaltungsbranche und in Reisebüros. Für sie ist der praktische Teil ihrer Ausbildung fast vollständig zum Erliegen gekommen. Zu ihrer Unterstützung will man Zusatzangebote zur Prüfungsvorbereitung konzipieren, die noch im März 2021 umgesetzt werden. Auch die Prüfungen werden mittels eines Sondererlasses des Landes Sachsen-Anhalt geregelt. „Unmittelbar auf Prüfungen vorbereitende Lehrgänge und Unterweisungen dürfen in Präsens stattfinden, sofern die Prüfung vor dem 31. August 2021 abgelegt wird“, so Stefanie Klemmt. „Die Prüfungen 2021 finden nach aktuellem Stand alle wie geplant statt – natürlich unter Berücksichtigung der geltenden Schutz- und Hygienebestimmungen, weshalb wir größere und mehr Prüfungsorte angemietet haben, um die Abstandsregelungen einhalten zu können.“

Zwar seien nicht alle Entwicklungen ausschließlich auf die Coronabedingten Einschränkungen zurückzuführen, aber doch ein großer Teil. „Zunächst findet die Berufsorientierung derzeit hauptsächlich in online-Formaten statt, was jedoch nicht das persönliche Kennenlernen eines Berufes oder einer Branche durch ein Praktikum ersetzen kann“, meint die Geschäftsführerin Berufsbildung der IHK Magdeburg. „Es ist problematisch, Schülerinnen und Schüler zu erreichen. Das Matching zwischen Bewerbern und Ausbildungsunternehmen wird erschwert.“ Um dem entgegenzuwirken, plant die IHK Magdeburg im März eine virtuelle Berufsfindungsmesse.
Unternehmen, die trotz Schwierigkeiten in der Pandemie weiter ausbilden, erhalten bis zu 3.000 Euro pro Ausbildungsvertrag. Die Bundesregierung will damit nach eigenen Angaben kleine und mittlere Betriebe unterstützen. Finanzielle Hilfe gibt es auch für Betriebe, die Azubis aus insolventen Unternehmen übernehmen. Bis Mitte 2021 wurde das Förderprogramm „Ausbildungsplätze sichern“ im vergangenen Dezember verlängert. „Dennoch kommt es zu deutlich mehr Kündigungen der Ausbildungsverhältnisse“, bestätigt Stefanie Klemmt. Insgesamt 1.389 Ausbildungsverhältnisse wurden im vergangenen Jahr im Kammerbezirk aufgelöst, davon 358 noch vor dem Ausbildungsbeginn. Zudem ist auch die Zahl der abgeschlossenen Verträge im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen (siehe Grafik). Ein ähnliches Bild zeichnen die Zahlen der IHK Halle-Dessau sowie die der Handwerkskammern Halle und Magdeburg. Auch sie vermelden einen leichten Rückgang der abgeschlossenen Berufsausbildungsverträge.

Um betroffenen Unternehmen und ihren Auszubildenden zur Seite zu stehen, hat die Industrie- und Handelskammer Magdeburg eine Hotline eingerichtet und ein online-Beratungsangebot erstellt. „Dabei können sich Interessierte über digitale Prüfungsvorbereitungsmöglichkeiten und Lernangebote informieren, über die Themen Kurzarbeit für Auszubildende oder Versicherungsschutz während des Homeschoolings, über die Antragstellung der Ausbildungsprämie I und II bis hin zu Informationen zum Prüfungsgeschehen“, zählt Stefanie Klemmt auf. Zusätzliche Informationen gibt es im Internet unter: magdeburg.ihk.de/bildung. | Tina Heinz