Dienstag, November 29, 2022

Vom digitalen Leben auf die Bühne

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Das Digitale ist aus fast keinem Bereich mehr wegzudenken. Auch nicht aus dem Theater. Doch meist bekommt das Publikum davon nichts mit, weil sich Technisches im Hintergrund abspielt. Anders ist es schon, wenn Künstliche Intelligenz (KI) auf die Bühne kommt wie derzeit in der beeindruckenden Inszenierung „Das Leben ein Traum“ im Magdeburger Schauspielhaus. Jetzt geht es im selben Haus noch einen Schritt weiter: Bei „Nessun Dorma“ übernehmen zwei Roboter die Hauptrollen! Umrahmt von Opernarien. 
„Wenn ich dich sehe, steht mein nicht vorhandenes Herz still“, sagt Putzini zum Industrieroboter ARKA, der im Mittelpunkt der Bühne „gedankenversunken“ malt. Es gibt ein Umkreisen, ein Blinken, Hin- und Wegsehen. Und was anfangs unmöglich schien, ist plötzlich sichtbar: Die Liebe zwischen zwei Maschinen, die eigentlich gar nicht möglich sein kann. Sie flirten, tanzen, streiten, lieben. Es bahnt sich ein großes Drama an. Denn wer intensiv leben will, der wünscht auch zu sterben, heißt es im begleitenden Text. Das geht ans Herz. Faszinierend.
Möglich wurde das durch die Zusammenarbeit von Regisseurin Elsa-Sophie Jach, Bühnenbildnerin Thea Hoffmann-Axthelm, Creative Technologist Markus Schubert und Creative Engineer Sebastian Arnd. Grundlage war die Frage, wie der Mensch mit Künstlicher Intelligenz (KI) und Maschinen koexistieren wird. Entstanden ist ein künstlerisches Experimentierfeld. Von der Idee bis zur Umsetzung hat es drei Jahre gedauert, und die haben sich gelohnt. Die Maschinen wurden so programmiert, dass sie sich sowohl nach Vorgabe verhalten als auch freien Spielraum haben. So erhält ARKA nur den Befehl zu malen – wie er das tut, entscheidet er selbst. Somit entstehen bei jeder Aufführung andere Bilder. Ansonsten entstehen menschliche Assoziationen durch die Bewegungen, Worte und die Musik. „Was ich am meisten fürchte, denke ich, ist der Tod der Fantasie“, heißt es zum Schluss. Dieser Fantasie ist überlassen, ob es ein Weiterbestehen der KI gibt und wie dieses aussehen könnte. Die Aufführung ist für Besucher ab 12 Jahren und dauert rund 60 Minuten. Anschließend werden Publikumsgespräche angeboten.

Cybermobbing  

Von einer ganz anderen Seite nähert sich dem Thema digitale Welt die Inszenierung „Like me – das Cybermobbing Musical“. Das Genre wird verständlich, wenn man weiß, wo es entstanden ist: an der Magdeburger Schule Musical Young­stars. Zu deren Leitgedanken gehört „gemeinsam kreativ und gemeinsam mutig“ zu sein. Und so haben sich die jungen Mitwirkenden mit ihren Gedanken und Ideen eingebracht, um dieses Thema auf die Bühne zu bringen. Die Auswahl fiel auf Cybermobbing, weil das ein wachsendes Problem ist, erklärt Leiterin Marie Matthäus. Es wird emotional, wenn die Schüler auf der Bühne vielschichtig die Probleme aufzeigen. Weitere Aufführungen vor Ort sind für den 16. und 20. November geplant. Es können aber auch Auftritte in Schulen gebucht werden (ab Klasse 5). Weitere Informationen und Buchungsanfragen unter www.musical-youngstars.de

Seite 27, Kompakt Zeitung Nr. 219

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