Samstag, Juni 25, 2022
Anzeige

Von Zweifeln und Marktwerten

Anzeige

Folge uns

Fünf Spieltage vor Ultimo scheint der Aufstieg des 1. FC Magdeburg in die zweite Fußball-Bundesliga nur noch eine Formsache. Aber mit wem könnten die Blau-Weißen das Abenteuer angehen? Eine Sache mit noch vielen Fragezeichen. | Von Rudi Bartlitz

Mit dem Zweifel ist es so eine Sache. Nicht umsonst sagt der Volksmund: Wer zu viel zweifelt, verzweifelt. Wer jetzt, fünf Spieltage vor Ultimo der 3. Fußball-Liga, immer noch ernsthaft bestreitet (oder eben zweifelt), dass der 1. FC Magdeburg den heißersehnten Sprung in die zweithöchste Klasse schafft, muss schon ein grenzenloser Pessimist sein. Satte 14 Punkte beträgt der Vorsprung des Spitzenreiters auf einen Tabellenplatz, der alle Aufstiegshoffnungen von vornherein zerstören würde; also auf Rang vier.

Und trotzdem scheint im Lager der Blau-Weißen das berühmte A-Wort weiterhin auf dem Index zu stehen. Die Verantwortlichen halten es da wohl eher mit dem früheren amerikanischen Präsidenten Abraham Lincoln, der einst postulierte: Besser schweigen und als Narr scheinen, als sprechen und jeden Zweifel beseitigen. Immerhin, Äußerungen, das Leben in der dritten Liga sei doch gar nicht so schlimm, dort gehe es so schön ausgeglichen und spannend zu, da gewinne man zudem öfter und könne sich nicht gegen Große wie Bremen, Schalke oder den HSV blamieren, sind (gottseidank) nur Postulate einzelner – und werden es wohl auch bleiben.

Nun denn also, für nahezu alle Experten – von den Fans ganz zu schweigen – steht seit längerem fest: Das Team von Cheftrainer Christian Titz lässt sich den Aufstieg nicht mehr nehmen. Da brennt nichts mehr an. Zu souverän traten die Magdeburger im Saisonverlauf auf, sieht man einmal über die „Mini-Krise“ im März mit vier sieglosen Partien in Folge geflissentlich hinweg. Dass in den zurückliegenden Monaten die Marktwerte einer Reihe von FCM-Akteuren weiter in die Höhe kletterten, erscheint daher nur folgerichtig. Acht Spieltage vor Saisonende hatte das Portal „Transfermarkt“ – das als eine anerkannte Börse für Marktwerte und deren Errechnung gilt – eine Reihe von Akteuren einem Zwischen-Update unterzogen. Insgesamt 95 Profis wurden neu taxiert. Während die mit vielversprechenden Talenten besetzten zweiten Vertretungen von Borussia Dortmund und des SC Freiburg weiterhin von der Spitze grüßen, verbucht der souveräne Tabellenführer Magdeburg den größten Zuwachs (+700.000 Euro).

Maßgeblich dafür verantwortlich ist Baris Atik. Der offensive Mittelfeldmann legt um 100.000 auf 650.000 Euro zu und sortiert sich im Gesamtranking als wertvollster Spieler, der nicht für BVB II oder Freiburg II aufläuft, auf Rang acht ein. Der 27-Jährige ist der bislang überragende Akteur in der Mannschaft und führt nicht nur die Torschützenliste an, sondern ist auch Top-Scorer der Liga. „Atik ist nach wie vor der absolute Top-Spieler der Liga mit unfassbaren Scorer-Werten und nähert sich nun folgerichtig seinem ehemaligen Top-Wert von 800.000 Euro an“, erklärt TM-Marktwert-Experte Johannes Netzer. Ein Plus erhalten zudem sechs seiner Teamkollegen. Darunter Winter-Zugang Tatsuya Ito (+150.000), der ebenso wie Sirlord Conteh (+150.000), Jason Ceka (+100.000), Raphael Obermair (+50.000) und Dominik Reimann (+50.000) auf 350.000 Euro steigt. Hinter Atik und Andreas Müller (500.000) drittwertvollster Magdeburger ist ab sofort Mittelfeldmotor Amara Condé (+100.000) mit einem Wert von 450.000 Euro. In der Teamwertung schwang sich der FCM durch die neuen „Zuschläge“ von Platz sechs auf drei nach vorn. Mit 7,48 Millionen Euro haben die Sachsen-Anhalter nur noch die beiden U-23-Teams der Bundesligisten SC Freiburg (9,20 Millionen) und Borussia Dortmund (8,93 Millionen) vor sich. Hinter der Titz-Truppe liegen der 1. FC Kaiserslautern (7,43 Millionen), Eintracht Braunschweig (7,20 Millionen) und Wehen Wiesbaden (7,15 Millionen). Letzter ist der TSV Havelse (2,77 Millionen).
So richtig interessant wird der Blick auf den FCM, stellt man sich die Frage, mit welcher Truppe er – den Aufstieg einmal vorausgesetzt – sich denn in das Abenteuer 2. Liga stürzen könnte. Immerhin, viel Zeit für langfristige Kaderplanungen bleibt diesmal nicht. Wegen der Winter-Weltmeisterschaft in Katar (November/Dezember) wird die Zweitliga-Saison bereits am 15. Juli eröffnet – und am 28. Mai 2023 mit dem 34. Spieltag enden. Noch blockt die Chefetage alle konkreten Anfragen ab. Ein wenig gelichtet hat sich zumindest der Nebel, was die beiden wichtigsten Positionen im sportlichen Bereich betrifft: die des Geschäftsführers Sport (Otmar Schork) und des Cheftrainers (Christian Titz).

Das Erfolgsduo Schork&Titz, dem der Club seinen rasanten Aufstieg binnen eines Jahres hauptsächlich zu verdanken hat, steht, so sieht es zumindest aus, vor einer Verlängerung seiner zum Saisonende auslaufenden Verträge. Seit vergangener Woche herrscht zumindest bei Schork schon einmal Klarheit. Er unterzeichnete, nachdem er monatelang gezögert hatte, einen neuen Vertrag als Geschäftsführer Sport. Ungewissheit weiterhin jedoch beim Cheftrainer. Auf einer Pressekonferenz mit Präsident Peter Fechner, Aufsichtsratschef Lutz Petermann und Schork galt das Prinzip der Schmallippigkeit. Man rede mit Titz, erfuhren die Journalisten. Mehr nicht. Unklar blieb, ob der Wochen zuvor von Schork gegenüber dem MDR angekündigte Optimismus weiter gilt: Die Personalie Titz „ist auf der sicheren Seite. Wir freuen uns auf eine weitere Zusammenarbeit. Die Planungen laufen im Hintergrund. Da ist alles so, dass wir die nächsten Schritte gehen wollen und das natürlich auch entsprechend vorbereiten.” Es sei „alles im grünen Bereich” und es gebe „nichts, was wir tun müssten”, ergänzte der 64-Jährige. Titz selbst verwies zuletzt nur darauf, die Gespräche seien „intern“. Pokert er?

Ebenso nebulös stellt sich bis heute die Lage bei den Spielern dar. 30 Akteure umfasst derzeit der Kader. Davon laufen nach KOMPAKT-Informationen mehr als die Hälfte im Sommer aus. Konkret: 18. Zählt man die beiden Ausleihen Tatsuya Ito (vom belgischen Erstligisten VV St. Truiden) und Bernd Leneis (vom Bundesligisten FC Augsburg) noch hinzu, erhöht sich die Zahl sogar auf 20 Kaderplätze, die vakant sind. Ob bei beiden Nebenabsprachen existieren, die eine Verlängerung möglich machten, ist unklar.

WEITERE
Magdeburg
Bedeckt
16.9 ° C
16.9 °
16.9 °
90 %
2.6kmh
100 %
Sa
28 °
So
30 °
Mo
33 °
Di
26 °
Mi
23 °

E-Paper