Sonntag, Juli 3, 2022
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Was sagt der Marktwert über FCM-Spieler

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In der Rangliste der wertvollsten Profis der dritten Fußball-Liga haben die Magdeburger sichtbar an Boden verloren. Nur zwei von ihnen konnten sich verbessern. Ein Indikator für nachlassende individuelle Qualität? | Von Rudi Bartlitz

Dass der FCM zur Winterpause, gelinde gesagt, auf der Stelle trat, machte sich nicht nur an Tabellenplatz 12, an der allgemeinen Unzufriedenheit im Umfeld und letztlich an der Trennung von Cheftrainer Stefan Krämer am Tag vor Heiligabend bemerkbar. Es gibt noch ein anderes Indiz, das diese Ernüchterung belegt: der individuelle Marktwert der Spieler. Der der FCM-Akteure hat sich in der Hinrunde tendenziell und teils  signifikant verschlechtert. Und Marktwert ist immer, so umstritten er für einzelne Fachleute sein mag, ein Zeichen für Qualität. Oder eben nicht.

Zugrunde gelegt wird beim Marktwert hierzulande in der Regel ein vom Portal Transfermarkt.de geschaffenes und längst auch international von Klubs und Verbänden weitgehend anerkanntes System, das sich aus verschiedenen Faktoren zusammensetzt (siehe Info-Kasten). Es handelt sich quasi um eine Art Spieler-Börse. Die vorgelegten Zahlen sind ein Orientierungsmittel, die bei realen Transfers dann durchaus herangezogen werden. Wobei Subjektivität natürlich nicht gänzlich ausgeschlossen werden kann. Da die Angaben aber aus einem mehr oder weniger neutralen Umfeld kommen, sollte eine strikte Voreingenommenheit gegen sie nicht a priori ins Feld geführt werden.

Als Tranfermarkt.de kurz vor Weihnachten 2019 also seine neuesten Zahlen veröffentlichte, sah es für den FCM alles andere denn berauschend aus. Was sicher auch mit dem Abstieg aus der zweiten Liga zu tun hatte. Gleich neun Akteure, darunter eine Reihe Leistungsträger, hatten sich gegenüber dem Sommer verschlechtert. Nur zwei gelang eine minimale Verbesserung, der Rest des Kaders stagnierte. Oder wohlwollender ausgedrückt: Er hat zumindest seinen Marktwert gehalten.

Die größten Verluste bei den Blau-Weißen verzeichnen mit jeweils 100.000 Euro Torhüter Alexander Brunst und Mittelfeldakteur Charles-Elie Laprevotte. Beide werden nunmehr mit 250.000 Euro taxiert. Dahinter folgen mit einem Minus von je 75.000 Euro Christian Beck (nunmehr 350.000) und Marcel Costly (275.000).  Mit einem Rückgang von je 50.000 Euro sind Rico Preißinger und Dustin Bomheuer (beide jetzt bei 400.000), Björn Rother (350.000) und Timo Perthel (300.000) gelistet. 

Über einen Sprung nach vorn können sich nur Torhüter Morten Behrens (von 100.000 auf 175.000) und Abwehrspieler Brian Koglin (marginal um 25.000 auf 225.000) freuen. Behrens profitierte dabei sicher davon, dass er sich im Laufe der Hinrunde im Duell mit Brunst die Position des Stammkeepers gesichert hatte.

Insgesamt wird der Wert des Kaders der Blau-Weißen aktuell mit 6,18 Millionen Euro beziffert. Er nimmt als Zweitliga-Absteiger damit in der dritten Liga nur Position acht ein. Spitzenreiter ist mit riesigem Abstand die U 23 des FC Bayern München, die einen Wert von 25,1 Millionen Euro verkörpert und wegen der engen Verknüpfung an die Profis des deutschen Rekordmeisters eine Ausnahmerolle einnimmt. Diese 25 Millionen sind mehr als das Dreifache des Zweitplatzierten 1. FC Kaiserslautern  (8,13 Millionen), dahinter folgt der FC Ingolstadt (7,95 Millionen).

Und wer ist nun der wertvollste Akteur in Liga drei? Es verwundert wenig, dass die Nachwuchsstars der Bayern in einer individuellen Rangliste der höchsten Marktwerte die ersten Plätze besetzen. Spitzenreiter ist der Franzose Michael Cuisance mit neun Millionen Euro. Der Kanadier Alphonso Davies, der lange Zeit mit 15 Millionen Euro geführt wurde, ist zu Jahresbeginn aus der Wertung herausgenommen worden. Der Mann auf der linken Außenbahn kam zuletzt regelmäßig beim Bundesligisten zum Einsatz. Als bester Nicht-Bayer wird Uerdingen-Angreifer Franck Evina mit 800.000 Euro geführt. Dahinter folgen Dennis Ayensa (Ingolstadt / 750.000) und dessen Vereinskamerad Björn Paulsen (650.000). Als erste FCM-Spieler tauchen Sören Bertram und Tobias Müller mit einem Marktwert von 450.000 Euro auf Position 23 auf. Preißinger, Bomheuer und Mario Kvesic (alle 400.000) folgen auf den Rängen 35, 38 und 49. Insgesamt schafften es acht Magdeburger Profis unter die Top 100.  

Neben dem Marktwert geben auch verschiedene Ranglisten, die in der Winterpause gern erstellt werden, gewisse Aufschlüsse über spielerische Qualität. Und da fällt auf, dass die Magdeburger gerade bei den Zugängen, und das waren ja im Sommer immerhin mehr als ein Dutzend, hinterher hinken. Als das Portal „3.Liga online“ zu Jahresbeginn seine Einschätzungen zu den Neulingen in den Klubs veröffentlichte, suchte man FCM-Akteure unter den Top Ten vergebens. Als Beste wurden auf den Positionen zwölf und dreizehn Bertram und Abwehrspieler Dominic Ernst geführt.

„Acht Tore und zwei Vorlagen gelangen dem offensiven Mittelfeldspieler, der sich aber zu Beginn der Hinrunde auch auf beiden Flügeln sowie als hängende Spitze postierte“, heißt es zu Bertram. „Nur an der Konstanz könnte der 28-Jährige noch arbeiten, das gilt aber für fast alle Magdeburger Profis.“ Eine Menge Lob gab es für Ernst: „Satte acht Vorlagen stehen in der Saisonbilanz – für einen Außenverteidiger ist das ein herausragender Wert. Ernst wurde zu genau jenem Spieler, der für einen Absteiger so wichtig ist: Er hat nicht nur große Erfahrung in der 3. Liga, er verkörpert mit seinem Willen, seiner Robustheit und seinem Einsatz auch jene Tugenden, die an schwachen Tagen für Punkte sorgen.“

Fazit: Natürlich könnte man nun sagen, die größte Stärke des FCM ist seine mannschaftliche Geschlossenheit. Doch jahrzehntelange Erfahrung – und das gilt keineswegs nur für Magdeburg – lehrt: Ohne Individualisten, ohne den einen oder anderen herausragenden Einzelkönner sind längerfristige Erfolge im Fußball kaum denkbar.

Bildunterschrift: Torhüter Morten Behrens, hier bei einer Aktion gegen den FSV Zwickau, gehört zu den wenigen Aufsteigern beim FCM in der neuen Marktwert-Rangliste. Foto: Peter Gercke

Marktwert von Fußballern

Das Fußball-Portal Transfermarkt.de ermittelt in der Regel zweimal im Jahr den sogenannten Marktwert von Profispielern. Der basiert auf einer Mischung verschiedenster Faktoren. So wird beispielsweise nicht der reine Transferwert übernommen. Der Marktwert ist also nicht identisch mit dem Preis, für den ein Spieler von einem Verein zum anderen verkauft wird. Als Faustregel gilt: Fußballer sind, was Wert und Preisfindung angeht, eher mit Kunstobjekten als mit Gebrauchtwagen zu vergleichen. Transfermarkt.de arbeitet mit Experten und Fußball-Fans zusammen. Sieht die Transfermarkt-Community also enorm viel Potenzial in einem Spieler, gewinnt dieser daraufhin an Wert und steigt im Ranking auf. Noch deutlicher: Spielt ein Profi gut, steigt sein Wert, spielt er schlecht, sinkt er. Ähnlichkeiten mit der Börse sind nicht zu übersehen. Faktoren wie Alter und Gesundheit spielen ebenfalls eine Rolle in der Tabellenliste. Der Wert eines Einzelnen hängt jedoch nicht nur von den Spielqualitäten ab. Junge Spieler sind mehr wert, da sie noch größeres Potenzial besitzen als ihre älteren Mannschaftskollegen. Und je höher der Verein spielt (auch international, z. B. Champions League), umso größer wird auch die Bedeutung des Werbewerts eines Spieles (z. B. Trikotverkäufe) für dessen Marktwert.

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