Dienstag, September 21, 2021
Anzeige

Wenn in Barleben die Fäuste fliegen

Anzeige

Folge uns

Die Fight Night, die mehr als ein reines Box-Event sein will, erlebt am 10. Juli ihre zweite Auflage. Erstmals Ländervergleich im Armwrestling. | Von Rudi Bartlitz

Das Wort Schwerathletikscheune kommt zunächst etwas sperrig daher. Doch was sich dahinter verbirgt, ist allemal der Rede wert. In Barleben, vor den Toren Magdeburgs, wird seit einiger Zeit in einer alten Scheune versucht, jungen Profiboxern ein Sprungbrett auf dem Weg nach oben zu geben. Und weil das eben mit Training in einem ausgedienten Speicher allein nicht so recht in Fahrt kommen will (und auch weniger Spaß macht), geht Initiator Andreas Günther (Foto oben) einen Schritt weiter: Mit der im vergangenen Jahr aus der Taufe gehobenen Barleber Fight Night bietet er talentierten Faustkämpfern – für die die größeren Hallen der Republik eine Nummer zu groß sind – eine Möglichkeit, sich der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Die Bezeichnung Berufsboxer, selbst wenn sie eine Kampflizenz und die nötigen medizinischen Untersuchungen voraussetze, dürfe nicht falsch verstanden werden, hatte Günther schon vor der Premiere der Fight Night im vergangenen Jahr erklärt. Es bedeute nicht, dass die jungen Männer, die in der Regel zwischen 18 und 26 Jahre alt sind, zunächst einmal vom Boxen leben können. Günther: „Sie werden weiter in ihren Berufen arbeiten oder eine Ausbildung absolvieren. Bei uns können sie sich ein Zubrot verdienen. Wir reden hier vielleicht höchstens von einigen Hunderten Euro. Aber wichtig ist: Sie können sich präsentieren, andere Promoter auf sich aufmerksam machen. Alles weitere Sportliche liegt dann zuerst in ihrer Hand.“

Eine Konkurrenz zu den großen Boxställen im Land strebe man nicht an, entgegnet Günther durchaus skeptischen Blicken. Mit SES Magdeburg, inzwischen eines der erfolgreichsten Faustkampf-Teams in Europa, hat er ja einen solchen Branchenriesen unmittelbar vor der Haustür. „Sich mit ihnen zu messen, wäre völlig illusorisch. Das ist auch nicht unsere Absicht. Wir arbeiten zuweilen sogar zusammen. Mir geht es ebenso nicht darum, großes Geld zu verdienen“, versichert er. „Ich möchte einfach etwas für das Boxen, mit dem ich auf den verschiedensten Ebenen seit langen Jahren verbunden bin, tun. Ich glaube, Veranstaltungen wie die, die wir organisieren, braucht es, um jungen Talenten, die es zum Berufsboxen zieht, vielleicht ein Sprungbrett nach oben zu bieten.“ Kleinring-Veranstaltungen nennt sich das im Fachjargon.
Trotz einschneidender Corona-Hürden wurde die Box-Nacht von Barleben 2020 ausgetragen. „500 Zuschauer durften seinerzeit unter den Pandemie-Beschränkungen in die Mittellandhalle. Wir waren ausverkauft“, erzählt Günther. Das ermutigte den promovierten Dozenten, der – wenn er sich nicht gerade um junge Schwerathleten kümmert – an der Uni Halle Sportlehrer ausbildet, in diesem Sommer eine zweite Auflage zu wagen. Am 10. Juli wird es soweit sein. Diesmal nicht in der Halle selbst, sondern als Sommer-Open-Air auf dem angrenzenden Parkplatz. Günther und sein Team werden dort einen überdachten Ring errichten. „1.000 Zuschauer finden Platz“, freut sich der 57-Jährige. Auf einer LED-Wand können die Kämpfe zusätzlich verfolgt werden.

Für die ambitionierte Fünf-Stunden-Veranstaltung haben sich die Veranstalter ein wahres Mammut-Programm vorgenommen. Allein 16 Faustkampf-Duelle sind annonciert: von den Jung-Profis über das (Olympische) Amateurboxen bis runter zum Nachwuchs. Dabei werden sich auch zahlreiche Talente der im benachbarten Irxleben beheimateten Boxing Akademie, die den Namen des Magdeburger Ex-Weltmeisters Robert Stieglitz trägt, vorstellen. Doch Günther geht noch einen Schritt weiter: Er will aus seinem Event ein wahres Sommerfest für die Gemeinde machen. „Soll heißen“, erläutert er, „dass auch für diejenigen, die nicht nur am Faustkampf interessiert sind, etwas dabei ist.“ Dazu gehört auch eine bemerkenswerte sportliche Premiere: ein Ländervergleich Deutschland gegen Polen im Armwrestling, wie das von deftigen Kirmes-Veranstaltungen bekannte Armdrücken bei den Professionals heißt. „Es ist erstmals in der Geschichte dieser Sportart, dass sich Athleten aus zwei Ländern direkt gegenüberstehen“, betont Günther nicht ohne Stolz. Dabei sitzen sich die Kämpfer im Ring gegenüber, detailliert zu sehen auf einer Video-Wand. Im deutschen Team wird neben den Weltmeistern Jan und Fabian Täger auch Mathias Schlitte (Kampfname: „Hellboy“) aus Haldensleben zu sehen sein.

Ganz neue Wege gehen die Veranstalter ebenso mit der Einbindung von E-Sport-Wettbewerben. Also dem sportlichen Wettkampf mit Computern. Dazu werden sich im Barleber Ring vier Aktive aus der Region gegenübersitzen, die sich im japanischen Kampfspiel Tekken 7 messen. Günther: „Meines Wissens hat es dies zuvor so noch nicht gegeben.“ Abgerundet wird alles mit einer Fotoausstellung zum Thema „Faszination Schwerathletik“, Demonstrations-Wettbewerben junger Barleber Fechter sowie Auftritten von Sängern und Rappern. Ausklingen soll das Ganze mit einer zünftigen After-Show-Party.

Infos zur Boxnacht
Die 2. Barleber Fight Night findet am 10. Juli auf dem Parkplatz der Mittellandhalle statt. Beginn ist 17 Uhr, die Tickets kosten 25 Euro, im Vorverkauf 20 Euro. Neben mehr als einem Dutzend Boxkämpfen stehen auch Armwrestling, eine E-Sport-Competition und Fecht-Demonstrationen auf dem Programm. Veranstalter ist der in Barleben lebende Sportwissenschaftler Andreas Günther, der einst beim ASK Frankfurt/Oder als Ringer aktiv war („Selbst aktiv geboxt habe ich nie“). Günther betreibt auf seinem Grundstück in Barleben auch die Schwerathletikscheune, die sich der Ausbildung junger Faustkämpfer widmet. (rb)

WEITERE
Anzeige
Magdeburg
Bedeckt
14.7 ° C
18.1 °
13.6 °
68 %
0.5kmh
92 %
Di
16 °
Mi
19 °
Do
20 °
Fr
19 °
Sa
22 °

E-Paper