Donnerstag, Juni 30, 2022
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Wollitz-Effekt schon verpufft?

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Immer, wenn ein Verein, der sich gerade in einer nicht eben komfortablen Lage befindet, seinen Trainer austauscht, knüpfen sich an den neuen Übungsleiter besondere Hoffnungen. Und in einer Reihe von Fällen klappt es: Die Mannschaft ist danach kaum wiederzuerkennen, Sieglos-Serien enden plötzlich, es wird sogar wieder gewonnen. Man spricht dann von einem sogenannten Trainer-Effekt. Dass der nicht immer eintritt, diese bittere Erfahrung muss der FCM dieser Tage machen. Als Claus-Dieter („Pele“) Wollitz im Januar bei den Blau-Weißen antrat, verbanden sich mit ihm vielfältige Erwartungen. Schließlich ist er bereits der vierte Coach binnen 18 Monaten, der sich in der MDCC-Arena versucht. Dieser Schuss sollte sitzen.

Dass ausgerechnet die Wollitz-Premiere vor eigenem Publikum gegen den gewiss nicht als Übermannschaft daherkommenden FSV Zwickau (Trainer Joe Enoch: „Wir brauchen dringend jeden Punkt im Abstiegskampf“) bei der 1:2-Niederlage in die Hose ging, ließ viele am Krügel-Platz zweifeln: Ist der Wollitz-Effekt schon verpufft, bevor er möglicherweise so richtig zum Tragen kommt? Die Berechtigung einer solchen Frage zu bestreiten, würde relativ wenig Sinn ergeben, zieht man allein das Ergebnis und die erneut offenbarten Schwächen heran. Fakt ist: Der Zweitliga-Absteiger dümpelt weiter im Mittelmaß. Kurios: Selbst dieses Mittelmaß eröffnete nach Ende der Winterpause – auf Grund der Unausgeglichenheit der meisten Mannschaften, Spitzenteams eingeschlossen – immer noch Chancen, den Aufstiegsplätzen Stück für Stück näher zu kommen. Zumal Wollitz die Orientierung vorgegeben hatte, den Aufstieg „schnellstmöglich“ anzustreben. Diese Möglichkeiten schwinden jedoch mit jeder Niederlage zusehends. Jetzt beträgt der Rückstand auf den zur Relegation berechtigenden Platz drei bereits neun Punkte, auf die Aufstiegsränge sind es schon elf beziehungsweise 13. Wahrlich keine guten Aussichten, zumal es nur sechs Zähler zur Abstiegszone sind.

Bei der Chancenverwertung machen die Blau-Weißen genau dort weiter, wo sie unter den Wollitz-Vorgängern Oenning und Krämer aufgehört hatten. Sie treffen einfach nicht. Allein 1:0-Torschütze Sören Bertram hatte noch weitere zwei, drei Riesenmöglichkeiten, gleiches gilt für Marcel Costly. Am Ende registrierte Wollitz ein Chancenverhältnis „von vielleicht 9:3“. Dass das Team in der zweiten Hälfte wie ein Kartenhaus in sich zusammenfiel, kaum noch Struktur und Zuordnung zu erkennen war, tat ein Übriges. „Wir haben grobe individuelle Fehler gemacht“, sagte der Trainer. Fragen zur Qualität innerhalb des Kaders (siehe nebenstehenden Beitrag) drängen sich da zwangsweise geradezu auf.

Hinzu kamen unter Wollitz, und das lässt längerfristig zumindest einen Hoffnungsfunken klimmen, auch ein paar völlig neue Töne. Der Trainer zeigte sich – das wiederholte er in gleich mehreren Statements nach der Partie – nicht bereit, das 1:2 auf vergebene Chancen und möglicherweise falsche Schiedsrichterentscheidungen zu reduzieren. Er hält nichts von Ausreden: „Wir haben zu Recht verloren. Für die Niederlage sind ganz allein wir verantwortlich. Wenn wir so verteidigen, wie vor den beiden Gegentoren, dann ist es mir zu billig, über vergebene Chancen und mögliche Elfmeter zu reden. Es reicht nicht, das Spiel nur für 45 Minuten unter Kontrolle zu haben.“

Einmal dabei, legt der 54-Jährige noch nach. Ihm geht es um Mentalität schlechthin. „Wir haben uns“, sagte er, „auch nach dem 1:2 nur eine Chance erspielt. Das ist zu wenig. Die Körpersprache war nach dem Rückstand nicht gut. Da gibt es sehr viel zu besprechen.” Schon bei seinem Amtsantritt hatte er gefordert, man müsse „raus aus der Komfortzone“. Wenn damals noch im Ungefähren blieb, was er konkret meinte, sieht man es jetzt deutlicher. Wenn nicht alle Zeichen trügen, stehen den FCM-Spielern unbequeme Tage bevor … Rudi Bartlitz

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