Montag, November 28, 2022

Zeitreise Breiter Weg 202

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Der ehemalige Domherrenkeller, auch Fabrikenkeller (fabrica ecclesia = Fonds für bauliche Unterhaltung und gottesdienstliche Verrichtungen) genannt, war die einzige mittelalterliche Schenke und Gaststätte in der Domfreiheit (nach 1631 wurde auch in einer Bude am Sudenburger Tor Bier ausgeschenkt). Sogar die kirchlichen Würdenträger ließen sich von hier ihren Trunk holen. Das Grundstück, das der Gerichtsbarkeit des Domkapitels unterstand, lag neben der Paulinerkirche und gehörte ursprünglich zum Klosterbesitz der Dominikaner. Als 1546 die Mitglieder des Domkapitels infolge der Reformationswirren aus der Stadt flüchteten, belegte der Rat alle Grundstücke des Kapitels mit Beschlag, so auch den Keller, dessen Wettbewerb den Altstädtern immer ein Ärgernis war. 1585 muss der Domkeller neu erbaut worden sein, denn die Jahreszahl befand sich noch im Ausgang des 18. Jahrhunderts über dem Eingangsportal. Gleich nach der Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg betrieb ein Joachim Sarau auf der Brandstätte eine Schankhütte. 1639 verkaufte dessen Witwe die Hütte (nicht den Grund und Boden). Der Käufer erhielt vom Domkapitel die Genehmigung zum Ausschank. Auf Verlangen der Stadt, die sich in ihren Einnahmen geschädigt fühlte, erließ der Administrator Augustus von Sachsen den Befehl, dass Bürger und Soldaten, die in dem Keller zechen, mit Gewalt hinausgetrieben werden sollen, was jedoch nicht lange hielt. 1681 erfolgte ein erneutes Verbot an die Bürger, den Keller zu besuchen. Da die Räumlichkeiten des Domherrnkellers sehr beschränkt waren, es gab z. B. nur eine Gaststube und unzureichende Kellereien, kaufte das Domkapitel 1765 das benachbarte Kahlesche Haus hinzu, um die Schenke zu vergrößern. Zum Hause gehörte auch ein Kegelhaus mit Kegelbahn. Nach 1810, dem Jahr der Aufhebung des Domkapitels, ging die berühmte Schankstätte ein. Das dreigeschossige, fünfachsige Wohn- und Geschäftshaus, dessen Baujahr unbekannt ist, wurde Anfang der 1980er Jahre abgerissen. Heute ist es ein Wohn- und Geschäftshaus der WOBAU, in dem sich unter anderem der Verlag der KOMPAKT Zeitung befindet. Bildquelle: Stadtarchiv Magdeburg

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