Samstag, Juni 25, 2022
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Zoom auf die Online-Lehre

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Die Corona-Krise hat Hochschulen und Universitäten landesweit zum Umdenken gezwungen. Wo seit Jahren von Digitalisierung und deren Vorzügen gefachsimpelt wird, ergibt sich jetzt die Chance zu zeigen, wie weit wir wirklich sind. Gleichermaßen haben Lehrende und Studierende mit dem drastischen Umschwung zu kämpfen. Statt eines müden Gemurmels hinter dampfenden Kaffeebechern am Morgen verschieben Vorlesungen und Seminare sich nun vom Hörsaal in virtuelle Räume.

Die erste Herausforderung ergibt sich bereits in der Planung. Welche Plattformen und Materialien werden genutzt? Wie kann jeder Studierende erreicht werden und wie werden Prüfungsleistungen und Gruppenarbeiten gehandhabt? Jetzt, wo niemand sich mehr von Angesicht zu Angesicht gegenübersitzt.

Besonders hart kann es Erstsemester treffen. Sich an einer neuen Institution wie einer Hochschule zurechtzufinden, kann schon einschüchternd genug sein. Problematischer wird es, wenn jene den normalen Hochschulalltag und die Strukturen vor Ort nie kennengelernt haben.

Aber auch Dozenten und Professoren haben es nicht leicht. Manch einer wusste gerade so, wie der Beamer im Hörsaal sich bedienen lässt. Nun müssen sämtliche Wege zu lehren neu durchdacht werden. Wo einer einfach eine Mail mit Termindaten und einem Zoom-Link an seinen Kurs verschickt, brauchen andere erstmal Zeit umzuplanen. Es werden Videos mit aufgezeichneten Vorlesungen verschickt, Anhänge mit seitenweise Lektüre zum Durcharbeiten im Homeoffice.

Vorlesungszeiten weichen nun ab vom ursprünglichen Stundenplan. Manchmal blockieren mehrere Termine verstreut über 24 Stunden den ganzen Tag für Vorhaben außerhalb der eigenen vier Wände. Völlig verständlich, wo nun auch Lehrende sich gleichzeitig mit Kindern, die nicht zur Schule oder in den Kindergarten dürfen, dem Partner, wahrscheinlich ebenfalls im Homeoffice und Eltern, die möglicherweise pflegebedürftig sind oder einer Risikogruppe zugehörig sind, beschäftigen müssen. Die Lebensplanung wird völlig über den Haufen geworfen.

Doch es lassen sich auch kleine Vorteile ausmachen. So können Studierende beispielsweise während einer online-Vorlesung ganz einfach im Bett liegen bleiben, im Gammel-Look und einer Schüssel Müsli daneben. Niemand stört sich an Kau- oder Schmatzgeräuschen wenn das Mikro aus ist und niemand erfährt, wenn du vorher nicht geduscht hast. Sogar duschen während der Vorlesung ist möglich, weil eine Kamera schnell ausgestellt oder abgeklebt ist und ein simples „mhm“ alle halbe Stunde reicht, um die Anwesenheit zu bestätigen oder Aufmerksamkeit zu indizieren. Man kann putzen oder eine rauchen gehen und niemand wird sich gestört fühlen. Jedoch leidet unter diesen Vorteilen auch schnell die eigene Teilhabe und Konzentration. Zu schnell kann ein wichtiger Satz zwischen einer Stunde monotonen Geredes überhört werden.

Ebenso schnell kann es passieren, dass eine E-Mail zu verschobenen Terminen oder neuen Gruppenkonstellationen verpasst wird. Hängt jemand hinterher oder kann nicht folgen, fällt das weniger auf als im normalen Hochschulalltag. Lehrende schauen in keine bekannten Gesichter mehr, wenn sie Wissen vermitteln, meist sprechen sie nur ins Leere. Nicht sicher, ob sie jemand hört, geschweige denn jemand aufpasst.
Die Umstellung gestaltet es schwieriger als zuvor, die Planung von Unialltag, Familie, Arbeit und dem Versuch, in der Krise nicht verrückt zu werden, unter einen Hut zu bekommen. Dass das erste deutschlandweite und noch dazu aufgezwungene Onlinesemester keine Glanzleistung war ist nicht schlimm. Es hat alle Beteiligten vor Herausforderungen gestellt. Um am Ende zu zeigen, was wir alles noch nicht können. Doch immerhin gibt es jetzt einen realen Ansatz zur Ausarbeitung einer echten Digitalisierung in der Lehre. | Swantje Langwisch

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