Sonntag, August 14, 2022
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Zukunftszentrum Hermann-Gieseler-Halle

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Die bisherigen Vorschläge für die zukünftige Nutzung der 1922 von Bru-no Taut und Johannes Göderitz errichteten Halle „Stadt und Land“ reichen von Eislaufhalle über Gesundheits- und Sportzentrum bis zur ursprünglichen Nutzung als Markthalle. Ich möchte unsere Stadtverordneten bitten, ihren Blick auf die bereits erfolgte Bewerbung Magdeburgs als Standort eines Zukunftszentrums für Europäische Transformation und Deutsche Einheit zu richten und gegebenenfalls neu zu unterlegen.

Was spricht für Magdeburg bzw. die Herrmann-Gieseler-Halle? Im Beschluss des Bundeskabinetts vom 17. März 2021 wird das Ziel des „Zukunftszentrums für Europäische Transformation und Deutsche Einheit“ beschrieben. Demnach soll es eine Errichtung eines Forschungs- und Kulturzentrums neuen Typs durch enge Verknüpfung von Forschung, Begegnung und Kultur sein. Es soll ein Knotenpunkt zum Thema Transformation in der Gesellschaft sein, indem es internationale gesellschaftsrelevante Forschung zu Transformationsprozessen in Deutschland und Europa mit öffentlicher Vermittlung verbindet. Eine kontinuierliche Vermittlung von unten nach oben, genauso wie von oben nach unten kann über Ausstellungen als auch mit Mitteln der Kunst gelingen (ausführliche Informationen sind im Internet einzusehen).

Die Rechtsform des Zentrums soll eine GmbH sein. Als Standort des Zukunftszentrums bietet sich ein Ort an, an dem es eine Universität oder Hochschule mit sozialwissenschaftlicher Ausrichtung gibt. Der Standort soll für nationale und internationale Gäste gut erreichbar sein und die Kommune soll ein Konzept für die Einbindung des öffentlichen Raumes rund um den Standort vorlegen. Am Standortwettbewerb soll sich nach Empfehlung der Arbeitsgruppe ein internationaler Architekturwettbewerb anschließen, das Zukunftszentrum soll über das Bauwerk selbst als Leuchtturm funktionieren. Standort und Bauwerk (in das auch vorhandene Bauwerke integriert werden können) sollen schon auf Grund intrinsischer Attraktivität zum Anziehungspunkt werden. Magdeburg mit seiner Hermann-Gieseler-Halle erfüllt die Voraussetzung, die für so ein Zukunftszentrum beschrieben werden.

Die 1922 – also genau vor 100 Jahren – von Bruno Taut und Johannes Göderitz errichtete Halle „Stadt und Land“ mit dem vorhandenen Potenzial im engeren Umfeld ist genau in diesem Sinne ein bereits vorhandenes Bauwerk intrinsischer Attraktivität. Bruno Taut hat Werke geschaffen, die heute zum Unesco-Weltkulturerbe gehören. Die Stadt Magdeburg verfügt neben einzelnen herausragenden Werken des Neuen Bauens (Stadthalle und Ausstellungsgelände zur Theaterausstellung mit Albin-Müller-Turm und Pferdetor und AOK-Gebäude von Carl Krayl) über mehrere geschlossene Wohnsiedlungen wie die Beims-Siedlung, die Curie-Siedlung, die Siedlung Cracau und die Gartenstadt Reform.

In unserer europäischen Geschichte gingen schon einmal von Magdeburg aus lebenswichtige Transformationsprozesse nach Europa und wieder zurück: Das berühmte „Magdeburger Recht“, erstmals schriftlich nachgewiesen für die Gerichtsbarkeit im Jahre 1188, hat von unserer Stadt ausgehend einen erheblichen Einfluss in Mittel-und Osteuropa verursacht. Bau-und Handelsrecht, Ehegüter- und Erbrecht, Strafrecht und Prozessordnung haben sich danach entwickelt und sind in großen Teilen bis zum heutigen Tag im europäischen Recht enthalten. 1494 wurde der heutigen Hauptstadt der Ukraine Kiew das Magdeburger Recht verliehen. Damit kommt dem Magdeburger Recht vor dem Hintergrund strukturellen gesellschaftlichen Wandels dem Bedürfnis der Menschen nach Zuordnung und Beheimatung eine nicht zu unterschätzende Bedeutung zu.

Der Standort des geplanten Zukunftszentrums wird im Rahmen des laufenden Wettbewerbs bis zum Ende des 2. Halbjahres entschieden. Die von der Stadt für 2025 geplante Verbundausstellung „Feeling East“ zur Ergründung ostdeutschen Lebensgefühls sollte in diesem größeren strukturellen Zusammenhang neu bewertet werden, auch die Bundesausstellung „70 Jahre Kunst am Bau“ könnte einen innovativen Impuls für den Standort des Zukunftszentrums in Magdeburg setzen.
Gabriele Putz

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