Zwischen Zweckgemeinschaft und Zwei-Zimmer-Wohnung

Erfahrungen und Träume zur Gestaltung des eigenen Lebensraums. Eine Selbstbetrachtung
der 24-jährigen Studentin Theresa Stelzer.

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Fragt man Studierende, warum Sie sich für Magdeburg als Studienstadt entschieden haben, hört man oft, dass die geringen Mietpreise ausschlaggebend gewesen seien. Nicht etwa das vielfältige Angebot an Studiengängen oder die Innenstadt, sondern günstiger Wohnraum.

Seit meiner Immatrikulation vor drei Jahren habe ich die unterschiedlichsten Wohnmöglichkeiten meiner Kommilitonen kennengelernt und musste immer wieder feststellen, dass ein Zusammenleben mit fremden Menschen für mich nie in Frage kommt. Von Zweckwohngemeinschaften über Ein-Zimmer-Wohnungen in Containerkomplexen ist alles vertreten. Teilweise teilen sich zehn Menschen eine Wohnung am Hasselbachplatz – ob es dort auch manchmal eine ruhige Minute gibt? Spontan fällt mir kein Dutzend Freunde ein, mit denen ich mir eine Wohnung teilen möchte.

Ich war 19 Jahre alt und gerade mit dem Abitur fertig, als ich mich entschloss, mein Elternhaus zu verlassen und vom beschaulichen Dorf in die Großstadt zu ziehen. Magdeburg hatte für mich immer eine perfekte Größe – nicht so erdrückend wie Berlin aber dennoch alles Notwendige in der Nähe.
Die Heimat, Familie und Freunde sind mit dem Auto schnell erreichbar. Auch nach sechs Jahren bin ich noch ein kleines Landei und genieße es, wenn ich Zeit dort verbringe.

Nach drei Umzügen kann ich aus eigener Erfahrung sagen, dass Wohnungsbesichtigungen als junger Mensch ermüdend sein können. Sicher geht das Älteren jedoch nicht viel anders. Besonders ist, dass es gerade zu Semesterbeginn im Oktober fast unmöglich ist, eine finanzierbare Wohnung zu finden. Finanzauskunft, Bürgschaft, Bewerbungsformulare und dann das Warten auf eine Rückmeldung. Schließlich die Absage. Die Suche geht wieder von vorne los. Wenn man dann endlich etwas gefunden hat, geht die Planung für den Umzug los. Die meisten meiner Kommilitonen haben nicht einmal ein Auto. Also, wenn Sie demnächst in Magdeburg einen kleinen blauen Audi sehen, vollbepackt bis unter das Dach und tiefergelegt – dann fahre ich wohl gerade wieder Möbel und Kartons meiner Freunde durch die Stadt.

Leere Wohnungen sehen bei der Besichtigung immer trüb und kalt aus. Es bedarf großer Vorstellungskraft, das Potenzial darin zu erkennen. Schöne Möbel, helle Wandfarben, Deko und vor allem Pflanzen sorgen bei mir für Gemütlichkeit. Lange habe ich mir einen kleinen Balkon gewünscht und in meiner aktuellen Wohnung hat es endlich geklappt. So banal es klingen mag, aber ein Balkon ist für mich echter Luxus. Laue Sommernächte, Grillabende, eine schöne Bepflanzung und der Morgenkaffee auf 6 Quadratmetern Freiheit. Gerade in Neubauwohnungen ist das für viele Menschen während Corona und in Quarantäne das einzige Stück Natur.

Mit Mitte 20 denkt man häufig darüber nach, wie die Wohnsituation später aussehen soll. Ein kleines Häuschen wäre schön, am Stadtrand und mit einem großen Garten. Die eigenen vier Wände. Ohne Rücksicht auf andere einfach die Musik laut aufdrehen und nicht ständig die Gespräche der Nachbarn durch die Wände hören. Im Garten ein Gemüsebeet anlegen und von der eigenen Ernte im Sommer profitieren. Keine Straßenbahnen, die direkt vor der Tür langfahren und ein eigener Parkplatz auf dem Grundstück. Das wäre mein Wunsch.