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Auferstanden aus Ruinen

 

Vor 60 Jahren bezogen die ersten Mieter die neuen Wohnungen im Nordabschnitt Breiter Weg.

 

Magdeburg war nach dem Zweiten Weltkrieg eine Trümmerwüste. Einer der verheerendsten Luftangriffe in der deutschen Geschichte hatte am 16. Januar 1945 den Tod unzähliger Menschen zur Folge und mündete in der Zerstörung von rund 90 Prozent der Magdeburger Altstadt. Mehr als 70 Prozent der Häuser waren nicht mehr bewohnbar.


Nach der Trümmerbeseitigung definierten die Magdeburger den Wiederaufbau als wichtigste Aufgabe. Mit symbolischen Hammerschlägen leitete der damalige Oberbürgermeister Philipp Daub am 1. Mai 1951 am Komplex Breiter Weg, Ecke Bärstraße den Neubau ein. 


Anfang der 1960er-Jahre richteten die Stadtplaner ihr Au­genmerk auf den Neubau in der Magdeburger Innenstadt. Wichtiger Schritt zur Belebung: die Übergabe des Ja­kobistraßen-Komplexes mit mehr als 2.000 Wohnungen. Zeitgleich entstand im „Nordabschnitt” der Karl-Marx­-Straße – heute der Breite Weg – eine der modernsten Einkaufs- und Wohnstraßen der DDR. Zum Unverständnis vieler Elbestädter hatten die Stadtoberen bereits 1953 den traditionsreichen Brei­ten Weg nach dem Vater des Kommunistischen Mani­fests, Karl Marx, benannt. Die Anlage des Gebietes zwischen dem Boleslaw-Bierut-­Platz (heute Uniplatz) und der Wilhelm-Pieck-Allee (heute Ernst-Reuter-Allee) erfolgte entsprechend den da­maligen Vorstellungen von Weite und Großzügigkeit als 70 Meter breiter und 800 Meter langer Fußgänger­bereich. Lifestyle à la Stalin: Den Architekten schwebten entsprechend der Vorgaben der politischen Machthaber große Demonstrations-Achsen vor, gefolgt von überdimensionalen Repräsentationsräumen und großzügig geschnittenen Wohnungen. An der westlichen und östlichen Seite des „Nord­abschnitts” entstanden sieben Plattenbauten. 1964 bezo­gen die ersten der insgesamt 800 Mieter die begehrten Neubauwohnungen mitten im Stadtzentrum.


Die Wohnqualität erhöhte sich durch eine Vielzahl von Geschäften und Dienstleistungseinrichtungen, die in eingeschossigen Pavillons den Wohnhäusern vorgelagert waren. Auf der westlichen Seite unterbrachen drei blockartige Gebäude die „Wohnscheiben”. Diese be­herbergten drei stadtbekannte Gastronomieeinrichtungen: das Kindercafé Märchenland, das Wildbrettstübel und die Eulenspiegelbar. Durch Brunnenanlagen, Kleinplastiken und Hochbeete erzielten die Planer eine optische Auf­wertung der sonst stereotypen Fußgängerzone, durch de­ren Mittelteil sie eine Straßenbahntrasse gezogen hatten. Die Architekten des Nordabschnitts hatten sich erwie­senermaßen bei den Planungen an der Treppenstraße von Kassel und der Lijnbaan orientiert: ein Blick nach Wes­ten, der ohne Folgen blieb. Anstelle der unter Protesten abgerissenen Katharinen­kirche entstand zwischen 1969 und 1970 im Nordab­schnitt eine neue Höhendominante: das Haus der Lehrer. Das als kultureller und gesellschaftlicher Mehrzweckbau konzipierte zwölfgeschossige Hochhaus beherbergte eine Reihe von Büro-, Klub-, Lektions- und Zirkelräumen. Im Erdgeschoss eröffneten ein SB (Selbstbedienungs-)Restaurant für den anspruchslosen Magen und eine Im­biss-Bude, in der das Pendant zum westlichen Burger lo­cken sollte – die „Grilletta”. Eine Etage darüber im „Grillspezialitätenrestaurant“ und in der „Weinstube” bildeten sich allabendlich vor dem DDR-typischen Schild „Sie werden platziert” lange Schlangen. Auf dem Nordabschnitt waren drei Kaufhäuser angesie­delt: im nördlichen Teil das Kaufhaus „Olympia” und an der Ecke Julius-Bremer­-Straße ein Kinderkaufhaus. 1973 eröffnete direkt gegenüber das Centrum-Warenhaus, das zweitgrößte seiner Art in der DDR. (rf)

 

Seite 11, Kompakt Zeitung Nr. 252, 20. März 2024

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