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Einzigartige Sammlung gibt Einblicke
in früheres Leben

Sie sind mehr als nur Puppen: Sie erzählen Zeitgeschichten „en miniature“. Von Barockfiguren bis zum Bördebauern. Zusammengetragen von Alwine Arnold, Tochter des Fabrikanten Christian Budenberg.

Ebenfalls zu sehen in der Ausstellung: Puppen mit Schweizer Kantonstrachten

In einer neuen Sonderausstellung gibt das Kulturhistorische Museum Magdeburg Einblicke in seine vielfältige und einzigartige Sammlung von Mode- und Trachtenpuppen. Unter dem Titel „Alwines Puppen. Kostümgeschichte en miniature“ wird ein Großteil der umfangreichen Sammlung präsentiert, die von Alwine Arnold Zeit ihres Lebens zusammengetragen wurde und die sie dem Museum 1906 anlässlich seiner Eröffnung übergab. Der Detail- und Facettenreichtum der Puppen vermittelt einen Eindruck davon, wie zur Zeit ihrer Entstehung auf Trachten, Tradition und Mode geblickt wurde.


Alwine Arnold (1848-1907) war die älteste Tochter des erfolgreichen Gründers und Fabrikanten Christian Budenberg. Neben ihrem ausgeprägten karitativen Engagement war sie auch als Sammlerin sehr aktiv. Dabei konzentrierte sie sich besonders auf Handschriften berühmter Persönlichkeiten sowie Kostüm- und Trachtenpuppen samt Trachten in Originalgröße. Während die Handschriften durch einen Brand 1945 verloren gingen, ist die Sammlung der Puppen nahezu vollständig erhalten. Sie umfasst lebensnahe Nachbildungen von Modeerscheinungen und Trachten aus verschiedenen Zeiten und Regionen. Die Puppen und ihre Kostümierung bestechen dabei durch die beeindruckende individuelle Gestaltung ihrer Gesichter und die Detailtreue ihrer Kleidung, die auch Schuhe, Unterröcke, Hüte und Accessoires beinhaltet.


Zur Eröffnung der Sonderausstellung sagte Dr. Gabriele Köster, Direktorin der Magdeburger Museen: „Puppen gelten allgemein als Spielzeug für Kinder. Die Objekte, die wir in unserer neuen Sonderausstellung präsentieren, sollten einen ganz anderen Zweck erfüllen. Mit ihnen wollte man Trachten und Traditionen veranschaulichen und konservieren. Die Schenkung einer systematisch aufgebauten Sammlung mit mehr als 100 Objekten ist ein frühes Beispiel bürgerlicher Partizipation an der Museumsarbeit. Sie ermöglicht uns heute diese besondere Ausstellung. Durch die Objekte erhalten wir einen lebendigen Eindruck von den Interessen und Sichtweisen des Bürgertums der damaligen Zeit.“ Sabine Ullrich, Kuratorin der Sonderausstellung, ergänzte: „Alwine Arnold entstammte einer wohlhabenden Familie, die bis heute in Magdeburg ihre Spuren hinterlässt. Dieser finanzielle Hintergrund war für ihre Sammelleidenschaften sicherlich ein entscheidender Vorteil, als weibliche Sammlerin war sie zu ihrer Zeit dennoch eine Ausnahme. Vielleicht erklärt sich auch daraus, dass wir heute eine außergewöhnlich viel-fältige Ausstellung präsentieren können, die in der Anzahl und der künstlerischen Qualität der Objekte aus dieser Zeit wohl einzigartig ist.“


Die Sonderausstellung wurde von der Landeshauptstadt Magdeburg und der Stiftung Kloster Unser Lieben Frauen gefördert. Für das Publikum wird sie vom 1. Dezember 2023 bis zum 20. Mai 2024 im Kulturhistorischen Museum Magdeburg zu sehen sein.


Ein Besuch ist dienstags bis freitags von 10 bis 17 Uhr sowie samstags und sonntags von 10 bis 18 Uhr möglich. Der Eintritt beträgt regulär 5 Euro, ermäßigt 3 Euro, Kinder bis einschließlich 18 Jahre haben freien Eintritt. Zur Ausstellung ist auch ein Begleitband mit Fotografien von Charlen Christoph erschienen, der im Museumsshop erworben werden kann.

Seite 13, Kompakt Zeitung Nr. 246, 10. Dezember 2023