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Flächendeckende ambulante Versorgung in Gefahr

Die niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten in Sachsen-Anhalt stehen unter einem enormen Kostendruck. Steigende Praxis-, Personal- und Investitionskosten machen den Betrieb einer Praxis zunehmend unrentabler. Eine Inflationsrate von aktuell mehr als sechs Prozent lässt auch die Ausgaben der Praxen in die Höhe schnellen. Eine ausreichende Gegenfinanzierung ist wegen der Budgetierung der ärztlichen und psychotherapeutischen Leistungen kaum möglich. Die Praxen müssen die gestiegenen Kosten aus eigener Tasche bezahlen. Die Einnahmen decken immer weniger die notwendigen Ausgaben.


„Die Stimmung bei den Ärzten und dem Praxispersonal ist auf dem Tiefpunkt. Ältere Mediziner überlegen, eher in den Ruhestand zu gehen. Jüngere Mediziner überlegen, sich erst gar nicht niederzulassen. Medizinische Fachangestellte verlassen die Praxen in Richtung Krankenhäuser, weil sie dort besser verdienen. Die bereits angespannte Versorgungslage wird weiter strapaziert. Die dann noch vorhandene Arztzeit wird eine immer wertvollere Ressource“, gibt Dr. Jörg Böhme, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen-Anhalt (KVSA), zu bedenken und fordert: „Die Versorgungsleistung der Ärzte und Psychotherapeuten, die für die Bevölkerung erbracht und von dieser auch eingefordert wird, muss angemessen vergütet werden. Es kann nicht sein, dass ein Mehr an Leistung eine Quotierung der Vergütung zur Folge hat. Das Bundesgesundheitsministerium und die Krankenkassen müssen jetzt dringend handeln, da sonst eine flächendeckende ambulante Patientenversorgung nicht mehr gewährleistet werden kann.“


In den nun anstehenden Finanzierungsverhandlungen zwischen Kassenärztlicher Bundesvereinigung und Krankenkassen müsse daher eine deutliche Steigerung des Orientierungswertes und damit der Preise für alle ärztlichen und psychotherapeutischen Leistungen erzielt werden. Aus Sicht des Vorstands der KVSA muss Schluss sein mit den „ritualisierten Nullrunden-Forderungen der Krankenkassen“. Sollten die Krankenkassen nicht bereit sein, Verantwortung für ihre Versicherten zu übernehmen und ausreichend Geld für die ambulante Versorgung zur Verfügung zu stellen, werde sich die schwierige wirtschaftliche Lage der Praxen weiter verschlechtern. Die möglichen Folgen: weniger Termine für Patienten, längere Wartezeiten auf Behandlungstermine, kürzere Behandlungszeiten. (eb)

Seite 9, Kompakt Zeitung Nr. 239

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