KM_LOGO_rb_100px

Römers Reich: Donald Trump im Rathaus?  

Von Axel Römer

Der Bösewicht Donald Trump treibt bald im Magdeburger Rathaus sein Unwesen. Jedenfalls vermuten das einige Medienvertreter, weil der CDU-Kreisverband für die Wahl zum Stadtrat am 9. Juni den Wahlwerbe-Slogan „Magdeburg zuerst.CDU“ verkündete. Um zu unterstreichen, dass „America first“ und „Magdeburg zuerst“ vom ähnlich inhaltlichen Kaliber sein müsse, wurde vom MDR-Journalisten Engin Haupt die Wissenschaft bemüht. Das macht man gern, um dem Bürger eine politische Einordnung anzudienen. So konnte der Politikwissenschaftler Dr. Danny Schindler von der Uni Halle, der außerdem Direktor des Instituts für Parlamentarismusforschung in Berlin ist, seine Auffassung darlegen. Selbst wenn die CDU den Slogan nur nutzen wolle, um anschließend mit ihrem Programm zu überzeugen, nehme sie mindestens billigend in Kauf, dass der Spruch eine populistische Lesart habe. So wird Schindler vom MDR-Kollegen wiedergegeben.


Ob nun „Deutschland gemeinsam machen“ (CDU 2021), „Macht das Land gerecht. Jetzt.“ (Linke 2021) oder „Zukunft wird aus Mut gemacht“ (Grüne 2017) irgendwie antipopulistischer daherkamen, muss jeder für sich entscheiden. Beim Spruch „SPD – Scholz packt das an“, mit dem die Sozialdemokraten 2021 um Wähler warben, ist nach zweieinhalb Jahren Regierungszeit viel populistische Fassade geblieben. Die Magdeburger Grünen-Stadträtin Julia Mayer-Buch bemüht auch den Trump-Rathaus-Vergleich: „Tatsächlich halte ich es inhaltlich für einen gefährlichen Slogan, der nicht dazu beiträgt, unsere Stadt voranzubringen“. Ihrer Meinung nach würde der Spruch genauso für Spaltung sorgen, wie Trump es in den USA tat.


Magdeburg ist ein buntes Gemeinwesen, mit Menschen unterschiedlicher Herkunft, vielseitigen Ideen und verschiedenen kulturellen Hintergründen. Warum soll die Entwicklung dieser Stadt für alle, die hier gern leben wollen, nicht an die erste Stelle gerückt werden? Wer macht aus zwei Worten eigentlich den Populismus? Jene, die sie aussprechen oder eher solche, die ihn unterstellen? Das ist eine knifflige Frage. Oder nicht? Ich kann allen Losungen auf Wahlplakaten Populismus andichten. Mehr als drei bis vier Vokabeln sind da nicht aufgedruckt. Zu guter Letzt muss natürlich noch die AfD-Förderung benannt werden. Die rechte Partei profitiere angeblich ständig von solchen Aussprüchen. Ich halte so eine Schlussfolgerung für genauso kurz gedacht, wie Werbesprüche.


Ich habe mal zehn Jahre lang in Berlin gelebt und bin in die Magdeburger Heimat zurückgekehrt. Hier dreht sich mein Lebenszentralgestirn. Wie wir in dieser Stadt zusammenleben und wie die Entwicklung vorangetrieben wird, das steht für mich an erster Stelle. Und nur weil Trump mal „America first“ zu seinem Motto erkoren hatte, ziehen Trumps Gedanken nicht in unser Rathaus ein. Alles Otto, oder was? Obwohl der Kaiser in unserem Dom liegt und seine Person mit vielen Otto-Slogans herumgereicht wird, zieht sein Eroberungsgeist am Alten Markt auch nicht wieder ein.         

Seite 3, Kompakt Zeitung Nr. 249