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Salongeflüster: Fahrten mit der Straßenbahn

Von Wort-Coiffeur Lars Johansen

Um meinen Frisiersalon zu erreichen, nehme ich eigentlich immer schon die Straßenbahn. Ich bin über die Jahre ein richtiger Profi geworden, was die Fahrpläne betrifft. Und natürlich weiß ich, dass ab und an auch mal eine Bahn ausfällt oder der Ferienfahrplan so tut, also ob wir alle Ferien hätten und nicht nur die Schüler. Und ich weiß ebenfalls, dass diese Probleme nicht die Schuld der Menschen sind, welche diese Bahnen steuern. Dass die MVB-eigene App schon länger nicht mehr aktualisiert wird, auch damit komme ich klar, nachdem ich einige Male Bahnen verpasst habe, weil sie zu ganz anderen Zeiten fahren als dort angegeben ist. Schließlich muss man bei der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel ein wenig leidensfähig sein. Das ist nichts für Weicheier. Da muss man schon mal in verkürzten Bahnen zu den Stoßzeiten sich sehr eng an wildfremde Menschen kuscheln, die gerne rauchen und eher ungerne Deospray benutzen. Das schweißt zusammen, da klebt man aneinander an heißen Tagen und man muss sich nicht mal festhalten. Na gut, das Aussteigen verlangt eine gute Planung, doch auch daran habe ich mich gewöhnt.


Aber, liebe Herrscher der MVB, könnt ihr mir den aktuellen Baustellenplan so erklären, dass auch ich ihn verstehe. Ich habe Grenzen in der Auffassung und kann mich nicht ganztags mit Streckenplanungen beschäftigen. Ich will von hier nach da ohne allzu lange darüber nachdenken zu müssen, wie ich das bewerkstellige. Was macht ihr mit der 10? Warum biegt die am Alten Markt auf einmal ab? Und zwar Richtung Cracau. Ich bewundere gerne die neue Brücke, aber doch nicht zwangsweise in einer Bahn, die auf einmal völlig neue Ziele ansteuert. Wo ist da die Logik? Ach stimmt ja, Logistik hat mit Logik nichts zu tun, logisch, also logistisch. Hätte ich auch von alleine draufkommen können. Aber ich biete meinen Kunden doch auch keine Bart-rasur an, wenn ich ihnen dann das Haupthaar abschneide. Auch wenn es draußen kleingedruckt dransteht. Ich frage vorher wenigstens nochmal, ob das in Ordnung ist. Ihr fragt nicht, ihr ändert einfach und denkt, dass wir das schon merken. Tun wir, aber dann ist es meistens zu spät. Ich habe jetzt ein Abendstudium in Logistik angefangen, damit ich endlich wieder mit der Straßenbahn nachhause finde.


In diesem Sinne, der Nächste bitte.    

Seite 6, Kompakt Zeitung Nr. 249