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Was läuft zwischen
Sport und Sex?

Rudi Bartlitz

Eine Studie aus Deutschland empfiehlt Disziplinen, die das Liebesleben durchaus
potenzieren können. 

 

Sechs (!) Wochen vor wichtigen Kämpfen soll Box-Idol Muhammad Ali auf Sex verzichtet haben. So will es zumindest die Legende wissen. Das wären 42 Tage (oder eben Nächte). Oder 1.008 Stunden. Immerhin erstaunlich für einen Mann, der in seiner über 20-jährigen Karriere – so würde der Sexualpädagoge jetzt vielleicht formulieren – stets voll im Saft stand. Von wenigen schwachen Momenten einmal abgesehen.


Selbst wenn es beim größten Faustkämpfer aller Zeiten meist aussah, als fliege ihm im Ring alles zu, als müsse er sich nicht mühen und schinden. Der Eindruck täuschte. „The Greatest“ nahm es mit den Vorbereitungen auf seine Gefechte, davon 56 als Preisboxer, sehr, sehr ernst. Dazu gehörte, dass im Sexualleben – trotz neun Kindern – ab einem bestimmten Zeitpunkt vor dem ersten Gong nur noch ein Prinzip galt: absolute Enthaltsamkeit.


So wie Ali halten und hielten es viele Größen des Sport-Showgeschäfts. Das geht aus späteren Bekenntnissen hervor und ist in Dutzenden Biografien nachzulesen. Was wiederum einige Sexualwissenschaftler sowie andere sogenannte Experten auf den Plan rief und zum Umkehrschluss-Postulat verleitete. Sport könne sogar schädlich für ein ausgeglichenes Sexleben sein, meinen sie. Dazu kursiert auch ein alter Witz. Und der geht so: Arzt: „Treiben Sie regelmäßig Sport?“ Patient: „Zählt Sex auch dazu?“ Arzt: „Ja, natürlich.“ Patient: „Dann nicht, nein.“


Mit der These, Sport stehe geregeltem Sex entgegen, räumt jetzt erneut eine Studie auf, die von einer deutschen Sporternährungsmarke durchgeführt wurde und dafür auch die Expertise der beiden US-Expertinnen Tina M. Penhollow, Professorin für Sportwissenschaften, und Sexualpädagogin Antonia Hall nutzt. Die Autoren gingen noch einen Schritt weiter und fragten, ob es denn Sportarten gäbe, die den Sex sogar besser machen. Resultat der Untersuchung (für die Studie waren 800 Deutsche zu ihren Sport- und Fitnessaktivitäten befragt worden, die sie regelmäßig ausüben): Es existiert tatsächlich ein Zusammenhang zwischen einer bestimmten Sportart und gutem Sexleben.

 

Die wichtigsten Ergebnisse der Studie lassen sich kurz etwa so zusammenfassen:
• Deutsche Golf- und Tennisspieler haben das aktivste Sexleben.
• Wer regelmäßig Yoga macht, kommt zudem beim Sex am ehestens zum Orgasmus.
• Krafttraining ist die beste Sportart, um sich gesünder zu fühlen und sein Selbstbewusstsein zu stärken. Zudem wird die Produktion von Testosteron angeregt.
• Ebenfalls gut fürs Sexleben: Laufen. Das erhöht nämlich den Testosteron- und Libido-Spiegel, was zu einem stärkeren Sexualtrieb und intensiveren Orgasmen führt.
• Eheleute in Deutschland, die Sport treiben, haben mit zwölf Mal pro Monat deutlich mehr Sex als der weltweite Durchschnitt von viermal pro Monat.

 

Die Top Ten derjenigen Sportarten, die ein besseres Sexleben fördern, führen ein wenig überraschend Tanzen und Aerobic an. Prof. Penhollow: „Tanzen fördert erwiesenermaßen das Empfinden von Lust und Sinnlichkeit. Zudem sorgt der Sport für einen erhöhten Sexappeal.“ Gleich dahinter rangieren Yoga und Pilates. „Wer Yoga macht, hat mehr Orgasmen“, sagt Expertin Hall. „Regelmäßiges Betreiben von Yoga erhöht die Balance und Flexibilität, wodurch sich das sexuelle Potenzial erweitert und gleichzeitig Verletzungen vorgebeugt werden können.“ Auf Rang drei folgt Tennis. Knapp ein Drittel der Tennisspieler äußert, dass dieser Sport ihre Libido gesteigert habe. Hall: „Tennis bietet alle Vorteile, die benötigt werden, um in sexueller Bestform zu sein. Der Sport stärkt den Körper, verbessert die Balance sowie Ausdauer und steigert auf natürliche Weise die Ausschüttung von Glückshormonen.“


Hinter Krafttraining/Gewichtheben erscheint erstaunlicherweise auf Platz fünf der Bestenliste schon der Deutschen liebstes Kind, der Fußball. Penhollow dazu: „Er bietet ein großartiges Cardiotraining, das die Kraft und das Gleichgewicht verbessert, was sich im Schlafzimmer positiv auswirkt.” Um den Nutzwert für den Leser zu erhöhen, sollen die restlichen Top Ten nicht verschwiegen werden. Es folgen: Gehen/Wandern (drei Viertel der Befragten gaben an, dass die körperliche Bewegung ihren Sex verbessert hat), Schwimmen (Penhollow: „Regelmäßiges Schwimmen baut starke, schlanke Muskeln auf, verbessert die Ausdauerleistung und führt zu Stressabbau sowie geistiger Klarheit.”), Laufen (Penhollow: „Laufen erhöht den Testosteron- und Libidospiegel, was zu einem stärkeren Sexualtrieb und intensiveren Orgasmen führt. Studien haben ergeben, dass Paare, die zusammen laufen, häufiger Sex haben.”), Golf (laut Umfrage haben Golfspieler pro Monat mehr Sex als andere Sportive), Radfahren (fast jeder zweite Radfahrer sagt der Umfrage zufolge, dass sein Sport die sexuelle Leistungsfähigkeit steigern würde. Penhollow: „Das Radfahren stärkt den Unterkörper, wodurch die Ausübung vieler sexueller Stellungen erleichtert wird.“)


Noch ein gut gemeinter Hinweis aus anderer Quelle: Beim Sport sollten es Männer keineswegs übertreiben. Denn exzessives Training senkt die Produktion von Sexualhormonen. Außerdem werden verstärkt Opiate und Endorphine ausgeschüttet, die eine Erregung hemmen können, auch wenn ein rauschartiges Gefühl erzeugt wird.  Normales Krafttraining senkt die Potenzprobleme hingegen um bis zu 40 Prozent!


Aber es gibt noch andere (sportliche) Wege, das Liebesleben anzukurbeln. Und das völlig ohne eigenes Zutun. Forscher des University College im irischen Dublin fanden jetzt heraus, dass Siege der eigenen Mannschaft nicht nur glücklich machen, sondern auch den Sexualtrieb ankurbeln. Sport-Fans, so ihre Erkenntnis, bekommen nach großen Turnieren wie Welt- und Europameisterschaften oder Champions-League-Endspielen vermehrt Nachwuchs. Umgekehrt sind Niederlagen mit einem Geburtenrückgang verbunden. Prof. Gwinvai Masukume: „Die Euphorie oder Traurigkeit, die man verspürt, wenn eine Sportmannschaft gewinnt oder verliert, fällt mit einer hormonellen Veränderung zusammen, die das Verlangen nach Sex verstärkt oder verringert.“ Ganz wichtig: Wie verhält es sich nun bei Auf- oder Abstieg im Fußball? Da wäre hier sogar ein aktueller regionaler Bezug möglich. Das wiederum haben die Dubliner Wissenschaftler leider nicht untersucht.

 

Seite 36, Kompakt Zeitung Nr. 252, 20. März 2024

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