Neue Serie, neues Glück?

Dominique Schaak, Sachsen-Anhalts einziger professioneller Automobil-Rennfahrer, wechselt 2021 ins GTC-Race der Tourenwagen. Er pilotiert dort einen 500 PS starken Audi R8. | Von Rudi Bartlitz

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Während die Formel 1 seit Ostern wieder über die Rennstrecken dieser Welt donnert, bleiben in vielen anderen Motorsport-Serien die Aggregate vorerst kalt. Es erübrigt sich fast, die Ursache dafür zu nennen: natürlich die Pandemie. Einer, der diesen Pisten-Lockdown zusammen mit Hunderten anderen Piloten hinnehmen muss, ist Sachsen-Anhalts einziger professioneller Automobil-Rennfahrer, Dominique Schaak. Hinzu kommt, der Stopp trifft den Magdeburger diesmal quasi gleich doppelt. Denn zum einen fällt nicht nur der Start ins neue Rennjahr, der eigentlich für Ende April auf der Heimstrecke in Oschersleben vorgesehen war, zunächst einmal ins Wasser; nun ist Ende Juni vorgemerkt. Bis dahin muss er sich wohl oder übel weiter mit Trockentraining über Wasser halten, bis Ende April die ersten Tests auf der Motorsport-Arena vor den Toren Magdeburgs auf dem Plan stehen. „Bis dahin“, sagte Schaak im Gespräch mit der KOMPAKT ZEITUNG, „werde ich mit meinem Personaltrainer Dani Ruiz weiter Kraft und Kondition bolzen.“

Für den 30-Jährigen, der vor Jahren vom Formel- in den Tourenwagen-Sport wechselte, soll 2021, das ist der zweite wichtige Punkt, der Start in eine neue Rennklasse werden, in die sogenannte GTC-Race-Serie. Eigentlich hatte Schaaks neuer Arbeitgeber, das in der Eifel beheimatete „Racing One“-Team, beschlossen, mit dem Magdeburger bei der DTM Trophy das Glück zu versuchen. Einer Veranstaltung, die erst 2020 aus der Taufe gehoben wurde und nach Vorstellungen ihrer Erfinder so etwas werden soll wie eine Mini-Ausgabe der berühmten DTM (Deutsche Tourenwagen Masters), der in Europa nach der Formel 1 höchstrangigsten und populärsten Automobil-Rennsportveranstaltung. Doch spätestens hier kommt wieder Corona ins Spiel. Auch um den Motorsport macht die Pandemie keinen Bogen – weder beim Terminkalender noch bei den Kosten. „Und weil die sich in der Trophy spürbar erhöhen, sehen wir von einem Start ab, wechseln eben ins GTC-Race“, erläutert Schaak. „Aber das gilt vorerst nur für dieses Jahr. Ganz aus den Gedanken ist die Trophy noch nicht.“

Trotz der auch in der Rennszene komplizierter und schwieriger werdenden Bedingungen, an ein Aufgeben denkt der Pilot aus Sachsen-Anhalt nicht. Selbst wenn er, wie er zugibt, im Januar einmal ein „Down“ hatte, ihn „Angst und Bedenken“ quälten, ob und wie es denn weitergehen könne. Das ist überwunden. Heute sagt er: „Ich bin gerade einmal 30, so sechs bis acht Jahre möchte ich schon noch im Cockpit sitzen.“ Selbst wenn das für ihn bedeutet, noch mehr als bisher hinter den Kulissen zu wirbeln, sich darum zu kümmern, dass das Geld für den kleinen Ein-Mann-Betrieb weiter fließt. Denn Schaak ist im wahrsten Wortsinn ein Self-Made-Man. Vom Trainingsaufbau über die Kontakte zu den Rennteams, die Akquise und Pflege der Sponsoren bis zu den Finanzen – für alles ist er, bei aller professionellen Hilfe, am Ende selbst verantwortlich. „Da musst du schon ständig schauen, umtriebig sein – von nichts kommt nichts.“

So hat er sich inzwischen einen Sponsoren-Pool von 44 Unterstützern aufgebaut. Zu seinen drei Hauptsponsoren zählt neben deutschlandweit agierenden Gesellschaften auch das hiesige Pflegeunternehmen „Humanas“. Hinzu kommen mehrere regionale Firmen, die ihn unterstützen, darunter KOMPAKT Media. „Am meisten freue ich mich“, betont der Rennfahrer, „dass die überwiegende Mehrheit meiner Sponsoren mir trotz der Pandemie, wo wir 2020 ja nur ein verkürztes Programm ohne Zuschauerbeteiligung anbieten konnten, treu geblieben ist. Drei, vier haben wegen finanzieller Schwierigkeiten in ihren Firmen die Unterstützung zunächst einmal ausgesetzt, dafür sind drei, vier andere neu hinzugekommen.“

Ein Teil seiner Sponsoren wird auf dem Dienstwagen und dem Renn-Overall von Schaak zu sehen sein. 2021 wird er einen Audi R8 LMS über die Asphaltbänder jagen. Ein Auto, mit dem er Ende vergangenen Jahres schon erste Erfahrungen sammelte. Etwa 500 PS bringt der Wagen, dessen Wert mit zirka 160.000 Euro angegeben wird, auf die Straße. Ein konkretes Saisonziel für die neue Klasse, die ihre Rennen neben Oschersleben noch auf dem Lausitzring, dem Nürburgring, dem Hockenheimring und im niederländischen Assen bestreiten wird, hat er sich noch nicht gestellt: „Dafür ist die Klasse für mich noch zu neu. Nach dem ersten Rennen kann man sicher mehr sagen.“ Eines ist jedenfalls schon heute sicher, mit Mercedes, BMW, Porsche, Ferrari und McLaren tummelt sich beim GTC-Race durchaus prominente Konkurrenz. Und mit dem einstigen Formel-1-Fahrer Markus Winkelhock, dem mehrmaligen DTM-Gewinner Bernd Schneider und dem einstigen Piloten des Formel-1-Safety-Cars Bernd Mailänder sitzt einige Prominenz hinter dem Steuer. Schaak: „Auf die Auseinandersetzungen mit ihnen freue ich mich schon heute.“